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EHC München:Hübsche Zahl

(v.l.n.r.) Danny aus den Birken (EHC Red Bull Muenchen) Christopher Fischer (Schwenninger Wild Wings) GER, Eishockey, DE; EHC in Schwenningen

Danny aus den Birken sichert den siebten Sieg im siebten Spiel - in dieser Szene pariert er gegen den Schwenninger Christopher Fischer.

(Foto: imago images/Eibner)

"Auf so was gucken wir nicht": Danny aus den Birken ist der DEL-Startrekord seiner Mannschaft einerlei, beim 4:2 in Schwenningen war der Goalie dennoch der entscheidende Spieler.

849. So viele Spiele hatte Don Jackson alleine in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gecoacht, als er in diese Woche gestartet ist. Nummer 850 am Mittwoch schien also nur wegen der hübschen Zahl etwas aufzufallen, ansonsten ging es ja "nur" um drei Punkte am siebten DEL-Spieltag. Und trotzdem wurde die Partie eine, die Jackson nachhaltig beschäftigen sollte. "The game was", fing er in englischer Sprache an, das Spiel also war "komplett verrückt", fuhr er auf deutsch fort, als er den 4:2-Auswärtssieg bei den Schwenninger Wild Wings erklären sollte. Das Spiel sei eines der verrücktesten gewesen, das er jemals gesehen habe. Mehr, so fand der erfolgreichste Trainer in der DEL-Geschichte, gebe es dazu nicht zu sagen.

Entgegen Jacksons Einschätzung lohnt ein genauerer Blick auf den siebten Sieg im siebten Saisonspiel allemal, allein weil der EHC damit den vereinsinternen Startrekord weiter ausgebaut hat. Das Beiwerk von sechs Punkten Vorsprung auf den ersten Verfolger ist ebenfalls sehenswert, der heißt etwas überraschend Straubing Tigers. Dabei hatten die Münchner satte elf Unterzahlsituationen zu verteidigen, weshalb Jackson von einem "verrückten Spiel" sprach, das Thema Strafenanfälligkeit hatte er bereits mehrfach in dieser Saison thematisiert. In Schwenningen wollte er zur Leistung seiner Spieler nichts sagen, die Schiedsrichter brachte er zwischen den Zeilen ins Spiel: Es gebe drei "Elemente", die beiden Teams und die Unparteiischen, "die auch einen emotionalen Part haben". Erklären wollte er dies nicht weiter.

Münchens Torhüter Danny aus den Birken fand, dass "vielleicht" nicht alle ausgesprochenen Strafen gerechtfertigt waren, unabhängig davon, seien es zu viele gewesen: "Das müssen wir abstellen." Durch die Flut an Strafminuten stand der Nationaltorhüter mehr im Fokus, als ihm lieb war. "Ein bisschen weniger wäre auch o.k.", sagte er verschmitzt, als er auf seinen hohen Arbeitsaufwand, sprich 37 Paraden, angesprochen wurde. Nimmt man die 28 dazu, die er drei Tage zuvor gegen Nürnberg gezeigt hatte, ergibt das in den beiden vergangenen Partien die beeindruckende Fangquote von 95,7 Prozent. "Danny war der größte Entscheider", betonte Jackson. Aus den Birken sei "herausragend" gewesen, sagte auch der NHL-erfahrene Wild-Wings-Angreifer Andreas Thuresson. Der deutsche Nationaltorhüter stand auch im Mittelpunkt, als Schwenningen in Minute 45 den vermeintlichen 3:3-Ausgleich bejubelten, ehe die Schiedsrichter den Treffer von Troy Bourke aberkannten. Warum, erklärte aus den Birken: "Ich hatte die Scheibe in meiner Fanghand, da hat er sie mir wieder herausgeschlagen."

Für die EHC-Tore waren die sogenannten "Special Teams" verantwortlich. Drei der vier Münchner Treffer erzielten die Überzahl-Spezialisten, obwohl in Derek Roy, Patrick Hager (beide verletzt) und Mark Voakes (gesperrt) die nominell stärksten Mittelstürmer fehlten. So trafen Yasin Ehliz (19.), Frank Mauer (26.) und Trevor Parkes (56.) im Powerplay, zudem Maximilian Kastner in Unterzahl (22.). Bei den Toren von Ehliz und Mauer schlüpfte EHC-Topscorer Chris Bourque in die Rolle des genialen Spielmachers: Er servierte den Kollegen die Scheibe so präzise, dass sie nur noch den Schläger hinhalten mussten. Die Münchner reisten von Schwenningen direkt weiter nach Köln, wo sie am Freitag auf die Haie treffen (19.30 Uhr). Zum Abschluss des Auswärtstrips steht am Sonntag das Spiel in Bremerhaven (17 Uhr) an. In Köln können sie weiter den DEL-Startrekord der Nürnberg Ice Tigers von neun Siegen aus der Saison 2013/14 jagen. Will man den Worten von aus den Birken Glauben schenken, ist das indes nicht wichtig: "Keine Ahnung, wie der Startrekord ist, auf so was gucken wir nicht." Wichtig sei nur das nächste Spiel, "das wird schwer genug." Köln, von der Konkurrenz als Titelanwärter Nummer drei hinter Mannheim und München erwartet, kassierte am Mittwoch in Bremerhaven bereits die fünfte Niederlage und hat nun 13 Punkte Rückstand auf den EHC. Allerdings haben die Haie auch einen neuen Trainer der weiß, wie man die Münchner ärgert: Mike Stewart zwang den EHC im April mit Augsburg in ein alles entscheidendes siebtes Halbfinalspiel.