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EHC München:Es wird historisch

Der DEL-Tabellenführer gastiert in Mannheim. Dieses Duell wird auch im Liga-Finale erwartet. Wer das Münchner Tor hüten darf, lässt Trainer Jackson offen.

Rückblick, Mitte Dezember. Daniel Fießinger hütet zum fünften Mal in Serie das Tor des EHC Red Bull München, da Danny aus den Birken und Kevin Reich verletzt fehlen. Im Heimspiel gegen den Meister der Deutschen Eishockey Liga (DEL), Adler Mannheim, macht der 23-Jährige, der bis Ende November in der Oberliga gespielt hatte, seine Sache ordentlich, die 2:4-Niederlage kann aber auch er nicht verhindern. Nach vier Niederlagen und 18 Gegentoren in diesen fünf Partien kommt die Frage auf, ob der Debütant reif sei für die große Aufgabe, das Tor des noch größeren EHC zu hüten.

Zwei Monate später, im Hier und Jetzt, macht eine Frage an Don Jackson deutlich, dass das sehr wohl der Fall ist. Nach dem 2:1-Heimsieg gegen die Fischtown Pinguins aus Bremerhaven wurde der DEL-Rekordtrainer gefragt, ob Fießinger im Moment die Nummer eins des Tabellenführers sei. Jackson umkurvte die Frage, indem er darauf verwies, dass er seit jeher öffentlich keinen Nummer-eins-Torhüter benenne: "Ich habe nicht einmal Danny aus den Birken so bezeichnet." Zur Erinnerung: Als Deutschland Olympia-Silber gewann, wurde aus den Birken zum besten Goalie des Turniers gewählt. Und nun sagte Jackson: "Daniel spielt aktuell sehr gut." Das war auch nötig, denn die Bremerhavener tauchten nach Kontern mehrmals gefährlich vor Fießinger auf. Weshalb es der EHC-Trainer gar als "beschämend" bezeichnete, dass die Pinguins den EHC im Schlussdrittel "dominierten". Fießinger war es, der den Sieg rettete, er parierte 32 der 33 Gästeschüsse. Trevor Parkes, Schütze des 2:1-Siegtreffers, fand die Leistung des EHC-Torhüters nur "fantastisch".

Düsseldorfer EG - EHC Red Bull München 22.12.2019. Torwart Daniel Fießinger (EHC München). *** Düsseldorf EG EHC Red Bu; EHC

Blick nach oben: Daniel Fießinger hat sich einen Namen gemacht, findet nicht nur Teamkollege, Olympia-Held und Konkurrent Danny aus den Birken.

(Foto: imago images/Horstmüller)

Jacksons Lob war nicht nur auf Fießingers Auftritt gegen Bremerhaven bezogen. Denn seit jenem Heimspiel gegen Mannheim Mitte Dezember hat der gebürtige Marktoberdorfer elf Mal das Tor des EHC gehütet - und elf Mal gewonnen. Er geht also mit gehörigem Selbstbewusstsein in das Spitzenspiel in Mannheim am Dienstag (19.30 Uhr). Die mittlerweile knapp dreijährige Arbeit mit Münchens Torhüter-Trainer Patrick Dallaire, dessen Arbeit sich beim verletzten aus den Birken (Bein) und Kevin Reich bezahlt gemacht hat, zahlt sich auch für Fießinger aus. Hinter dessen Aufstieg steckt aber auch viel Fleiß. "Er arbeitet härter als jeder andere im Training", erzählte Daryl Boyle, der am Freitag in Iserlohn sein 500. DEL-Spiel bestritten hatte. Fießingers Eifer im Kraftraum und auf dem Eis sei der Hauptgrund für seine guten Leistungen. "Ich habe großen Respekt vor ihm", erklärte Boyle. Das Standing des 23-Jährigen unterstrich sogar aus den Birken, als er kürzlich sagte, dass Fießinger schon einen guten Namen in der Liga habe.

Fießinger selbst bezeichnet sich als "sehr, sehr selbstkritisch" und glaubt, dass er mehr Fehler bei sich selbst sehe "als alle anderen". Das sei für ihn der Schlüssel zum Erfolg. Zusätzlichen Antrieb bescherte dem Torhüter sein Debüt im Olympia-Perspektivteam der Nationalmannschaft, mit dem Bundestrainer Toni Söderholm junge deutsche Spieler an das A-Team heranführen möchte. Anfang Februar stand Fießinger im Testspiel in der Schweiz im deutschen Tor, das erst nach Penaltyschießen 1:2 verloren ging. Fießinger wehrte dabei überragende 97 Prozent der Schüsse ab - und wiederholte diese beeindruckende Leistung gegen Bremerhaven.

Rekordspieler in der DEL

Mirko Lüdemann 1199 Spiele

Daniel Kreutzer 1066

Nikolas Mondt 1060

Patrick Köppchen 1026

Sebastian Furchner 1024

Yannick Seidenberg am Dienstag 1000

Ob er auch in Mannheim spielen wird, ließ Jackson offen. Fix dagegen ist, dass der EHC-Vorsprung auf die zweitplatzierten Adler am vergangenen Sonntag auf komfortabel anmutende acht Punkte gewachsen ist. Boyle warnt dennoch, das Rennen um den Hauptrundensieg sei "noch nicht vorbei". Der Verteidiger erwartet ein hart umkämpftes Spiel von "Playoff-Kaliber". Historisch wird es in jedem Fall - und zwar dank Yannic Seidenberg. Der 36-Jährige, der 2001 in Mannheim seine Karriere gestartet hatte, knackt als sechster Spieler die 1000-Spiele-Marke in der DEL.

© SZ vom 18.02.2020
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