EHC München Entscheidender Mann

Nach Verletzungsproblemen ist Mads Christensen pünktlich zu den Playoffs in Bestform. Der Däne schießt den EHC München gegen Augsburg ins Finale.

Von Christian Bernhard

Die Gabe, partout nicht verlieren zu können, ist eine äußerst wertvolle, wenn ein entscheidendes siebtes Playoff-Spiel ansteht. Denn wenn man dieses nicht verliert, gewinnt man es. So einfach ist das. Mads Christensen hat diese Gabe. Verlieren ist für den Stürmer des EHC Red Bull München "das Schlimmste". Seiner Meinung nach werden Sportler von zwei Dingen angetrieben: Die einen lieben es zu gewinnen. Die anderen hassen es zu verlieren. "Ich gehöre zur zweiten Gruppe", sagt er. Gewinnen sei schön, aber die Abneigung gegen das Verlieren sei "viel größer als die Freude über den Sieg".

Am späten Dienstagabend empfand aber auch Christensen Freude. Freude über den Einzug ins Endspiel der Deutschen Eishockey Liga (DEL). 2:0 hatte der EHC die Augsburger Panther im siebten Spiel der Halbfinalserie geschlagen - und Christensen hatte daran wieder einmal großen Anteil. Er schoss das entscheidende Tor, als er in der 16. Minute seinen eigenen Rebound zum 1:0 über die Linie drückte. Schon vor knapp einem Jahr war Christensen der entscheidende Mann gewesen, als er beim 6:3-Erfolg im siebten Finalspiel gegen die Eisbären Berlin München zur dritten Meisterschaft in Serie schoss. Patrick Hager sorgte mit tatkräftiger Unterstützung des Schlittschuhs von Augsburgs Brady Lamb in der 26. Minute für den 2:0-Endstand, Torhüter Danny aus den Birken feierte sein zweites Zu-null-Spiel in Folge vor heimischem Publikum. Christensen wollte deshalb nicht groß über sich sprechen, er sprach von einer "ganz starken Teamleistung".

Also tat es jemand, der ihn so gut kennt, wie kaum ein anderer. EHC-Trainer Don Jackson arbeitet mittlerweile seit neun Jahren mit Christensen zusammen, gemeinsam haben sie bereits in Berlin drei Meisterschaften gewonnen. "Er ist fokussiert und stark", sagte Jackson. Und der Däne kann noch einmal zulegen, wenn es darauf ankommt. "Wenn diese Zeit des Jahres anbricht, sehe sich es ihm in seinen Augen an", betonte Jackson. Die Playoffs seien eine spezielle Zeit für den Mann aus Herning: "Er war in den Playoffs immer ein Performer und ganz wichtiger Spieler für uns." In der Hauptrunde konnte er das kaum sein, weil ihn eine Verletzung monatelang aus dem Spiel nahm. Nur elf Hauptrundenspiele waren ihm vergönnt, so wenige wie seit 16 Jahren seiner langen Profikarriere nicht mehr. "Es ist schon schwierig, wenn man so lange verletzt ist", sagte der 32-Jährige. Doch Christensen arbeitete sich zurück. Nun fühle er sich wieder "richtig gut".

Für die Gegner ist das nicht gut. Mit seiner emotionalen, oft auch über der Grenze des Erlaubten hinausgehenden Spielweise ist er der Inbegriff des unangenehmen Gegenspielers. "Ich bin froh, dass ich nicht gegen ihn spielen muss", sagt sein Teamkollege Andreas Eder. "Wenn du denkst, du bist am Mads vorbei, dann kommt von irgendwo noch sein Schläger oder er erwischt dich irgendwie doch noch." Durch die Verletzung von Maximilian Kastner, dessen Playoffs nach einer Hand-Operation schon beendet sind, rutschte Christensen in Spiel sieben an die Seite von Frank Mauer und Mark Voakes. Mit Mauer stand er bereits in den vergangenen Spielzeiten oft gemeinsam auf dem Eis, allerdings fehlt dem Duo nun Dominik Kahun, der die Reihe komplettierte. Wie eng diese Verbindung immer noch ist, wurde am Dienstag in den Katakomben deutlich, als Kahun, der nach seiner ersten NHL-Saison zurück in München ist, sich neben Christensen schlich und spaßeshalber sein Handy mit in die Traube der Interviewer hielt, als der Däne über Spiel sieben sprach.

Nur 15 Stunden später saß Christensen mit dem Rest des Teams bereits im Bus Richtung Mannheim, wo am Donnerstagabend das erste Finalspiel stattfindet (19.30 Uhr). Die Adler sieht er im Vergleich zur letzten Saison, als der EHC sie im Halbfinale mit 4:1 eliminierte, als "ganz neue Mannschaft". Da die Mannheimer im Gegensatz zum EHC souverän, mit nur einer Niederlage in neun Spielen, ins Endspiel eingezogen sind und auch aufgrund der Münchner CHL-Teilnahme deutlich weniger Kräfte gelassen haben, steht die Frage im Raum, ob der Serienmeister erstmals als Außenseiter ins Finale startet. "Wenn man die Tabelle anschaut, dann schon", sagte Christensen. Er wisse aber nicht, "ob wir der Underdog sind", vielleicht könne sein Team ja den Schwung mitnehmen. Er rechnet jedenfalls mit einer knappen Serie, in der jedes Spiel eng und es viele Zweikämpfe geben werde. Eine Serie wie gemacht für Mads Christensen also.