Dritte Liga Zwischen Pop und Dancehall

Zweimal "La Bomba": Torschütze Stefan Schimmer freut sich am Sonntag gleich doppelt über den zu seinen Ehren eingespielten Song.

(Foto: Claus Schunk)

"Das muss man sich mal geben": Die Spvgg Unterhaching bezwingt Aufstiegsaspirant Uerdingen mit 4:0 und geht als Fünfter in die Winterpause.

Von Christoph Leischwitz, Unterhaching

Auf der Weihnachtsfeier am vorvergangenen Wochenende teilte der Stadionsprecher dem Angreifer Stefan Schimmer mit, dass er jetzt im Falle eines Tores seinen eigenen Musik-Einspieler habe, und der habe mit seinem Spitznamen, Bomber, zu tun. Der Angreifer der SpVgg Unterhaching hatte zu diesem Zeitpunkt schon sechs Saisontore erzielt, es war also gar nicht so unwahrscheinlich, dass dieser Jingle im Kalenderjahr 2018 noch einmal zu hören sein würde im Hachinger Sportpark. Am Sonntagnachmittag, im Drittliga-Spitzenspiel gegen den KFC Uerdingen, war er dann sogar zweimal zu hören, es handelt sich um "La Bomba" in der Version von Azul Azul. Ein Song, irgendwo zwischen Dancehall und Pop, jedenfalls ziemlich unweihnachtlich. Aber für einen Hachinger Fan freilich so entzückend wie Jingle Bells.

4:0 (3:0) hieß es am Ende gegen eine Mannschaft, die es eigentlich viel eiliger hat mit dem Aufstieg als die Hachinger, der man das diesmal aber nur phasenweise anmerkte. "Wir sind froh, dass wir Uerdingen noch vor der Winterpause hatten", sagte Hachings Trainer Claus Schromm. Denn er vermutet, dass die Krefelder in der Pause weitere Spieler verpflichten. Abwehrspieler Markus Schwabl fand zwar, dass die erste Halbzeit "fast schon ausgeglichen" gewesen sei, doch die Hachinger bestachen durch gnadenlose Effizienz. "La Bomba" wurde zum ersten Mal nach zehn Minuten eingespielt, als Sascha Bigalke mit dem Feingefühl eines Christkinds eine so weiche Flanke bescherte, dass Schimmer gar nicht anders konnte, als einzunicken. Uerdingen hätte zwar mehrmals den Ausgleich erzielen können, vor allem durch gut getretene Standards; die beste Möglichkeit hatte der ehemalige 1860er Stefan Aigner, der aus kurzer Distanz in die Arme von Lukas Königshofer köpfelte (26.). Dann aber traf Schimmer zum zweiten Mal. Er hatte bei seinem Abschluss ins kurze Eck so viel Platz, weil der perfekt vorgetragene Angriff über Bigalke in diesem Moment für den Gegner einfach zu schnell gegangen war (41.).

"Anfangs lief es ja gar nicht so gut für mich, da saß ich oft auf der Bank", sagte Schimmer nach seinen Saisontoren sieben und acht. Irgendwann habe er aber festgestellt, dass er noch etwas mehr könne, als nur ein reiner Strafraumstürmer zu sein, wo kaum ein Weg am Liga-Toptorschützen Stephan Hain (13 Treffer) vorbeiführt. Schimmer weicht oft auf die Flügel aus und tauscht mit den anderen Offensivspielern die Positionen. "Ich wusste vorher auch nicht, dass ich das kann", sagte er lachend.

Nach dem 2:0 klappte einfach alles. Ein Freistoß von Bigalke landete ohne weitere Berührung im Netz, der grätschende Schimmer verpasste um Zentimeter einen Hattrick (45.). Den Pausenstand fand Schromm "einen Tick zu hoch", endgültig entschieden war die Partie auch erst nach dem vierten Tor, zumal es Sekunden vorher beinahe 3:1 gestanden hätte: Der starke Marc Endres warf sich in einen platzierten Torschuss, der Gegenzug über den schnellen, diesmal blondierten Luca Marseiler führte zu jenem Freistoß, den Alexander Winkler dann flach im linken Eck zum 4:0 versenkte (57.).

Mit dem gefestigten fünften Platz sei man erst einmal zufrieden, sagte Max Dombrowka, der wieder vor der Abwehr spielte. Und das "sehr stark", wie der Trainer fand. Orestis Kiomourtzoglou, eigentlich ein Sechser, durfte nur kurz aufs Feld. So wie der frühere Stammspieler Finn Porath kam er zuletzt kaum zum Einsatz - weil die, die spielen, so erfolgreich sind. 35 Punkte hat Haching gesammelt und nur eines von 19 Spielen verloren, "das muss man sich mal geben", freute sich Schromm. Manfred Schwabl hingegen sagte betont unprätentiös: "Es gibt nichts zu sagen." Der Präsident schoss nach dem Spiel mit dem Handy eines Fans ein Gruppenfoto. Und dazu sangen die Fans "Stephan Hain, Stephan Hain". Auch auf die Melodie von "Jingle Bells".