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Dritte Liga:Offene Zukunftsfragen

v.li.: Sercan Sararer (Türkgücü München, 10) Steffen Nkansah (Zwickau, 25) im Zweikampf, Duell, duel, tackle, Dynamik,

Retter in der Not: Türkgücüs Sercan Sararer (links) traf kurz vor dem Spielende zum 1:1 gegen den FSV Zwickau.

(Foto: Sven Leifer/Imago)

Am Ende einer turbulenten Woche mit Trainerwechsel und der Abgabe der Lizenzunterlagen für die zweite Liga muss sich Türkgücü gegen Zwickau mit einem Remis begnügen.

Von Stefan Galler, München

Aufregende Tage durchlebten Verantwortliche und Anhänger von Türkgücü München in der abgelaufenen Woche: Zunächst wurde in Serdar Dayat ein neuer Trainer verpflichtet, um den es gleich einmal Wirbel gab, weil seine rechtmäßige Lizenzierung als Fußballlehrer in Zweifel gezogen wurde. Und dann - apropos Lizenzierung - mussten ja auch die Unterlagen vorbereitet werden, um sich die Berechtigung zu sichern, schon in der kommenden Saison in Liga zwei mitzumischen. Dazu bedarf es aber auch einer sportlichen Qualifikation. Die Hoffnungen darauf erhielten am frühen Sonntagnachmittag einen Dämpfer: Im Heimspiel gegen den FSV Zwickau reichte es nur zu einem 1:1 (0:0). Der Ausgleich der Münchner durch Sercan Sararer fiel erst in der Nachspielzeit.

Die Gäste aus Sachsen hatten sich optimal auf den Aufsteiger vorbereitet, Trainer Joe Enochs verdichtete mit Marco Schikora als zweitem Sechser neben Mike Könnecke das Zentrum, was Türkgücüs Kombinationsspiel merklich hemmte. Oder, wie es Coach Dayat ausdrückte: "Wir haben uns zu viele Ballverluste im Spiel nach vorne geleistet, mussten dauernd umschalten, von vorne nach hinten laufen und wieder zurück. Da gehst du irgendwann kaputt."

Zwickau hat die besseren Chancen, bringt eine späte Führung jedoch nicht über die Zeit

Auch im Spiel nach vorne war Zwickau von Beginn an besser: Nach einem jener Münchner Ballverluste in der Vorwärtsbewegung marschierte FSV-Linksverteidiger Can Koskun auf und davon, seinen 14-Meter-Kracher parierte Torwart René Vollath bravourös (8.). Auch die weiteren Torszenen hatte Zwickau, etwa als Maximilian Wolfram nach einem Eckball Morris Schröter bediente und dem die Kugel beim Abschluss aus acht Metern vom Spann rutschte (31.). Oder als abermals Schröter aus 13 Metern das Außennetz traf (38.) und die Delegation der Gäste auf der Tribüne im Grünwalder Stadion schon jubelte, bevor alle mitbekamen, dass der Ball nicht drin war.

Nur einmal war Türkgücü vor der Pause nahe an einem Torerfolg, ein weiter Ball von Filip Kusic fiel genau vor Zugang Kilian Jakob vom Himmel, doch der konnte per Kopf nicht genug Druck entwickeln (41.). Die Gastgeber reagierten, Torjäger Petar Sliskovic blieb nach der Halbzeit draußen, es kam Omar Sijaric. Eine "sportliche Entscheidung" nannte Co-Trainer Andreas Pummer den Wechsel. Coach Dayat erklärte später, Sijaric arbeite besser gegen den Ball.

Nach der Pause neutralisierten sich die Kontrahenten weitgehend, zwingenden Torchancen gab es bis zur Schlussphase praktisch nicht, dafür wurde es dann ziemlich "wild", wie FSV-Trainer Enochs fand. Zunächst war sein Team dran, als Schröter von der linken Seite flankte, sich in der Mitte der eingewechselte Manfred Starke im Luftkampf gegen den Ex-Zwickauer Alexander Sorge durchsetzte und in den Winkel köpfte - 0:1 (88.). Es sah nach einem verdienten Sieg der Sachsen aus, doch dann kam Boubacar Barry über links gut durch, seinen Pass verwertete Sararer per Flachschuss aus zehn Metern zum 1:1 (90.+1).

Türkgücü bewirbt sich um eine Zweitligalizenz, doch wichtige Fragen sind noch nicht geklärt

"Ich hatte mir viel erwartet, aber wir haben kein optimales Spiel angeboten", bilanzierte Dayat, der sich darüber freute, dass seine Elf wenigstens einen Punkt rettete, der womöglich noch wichtig werden könne. Nun gelte es, die Fehler zu analysieren, um es im Spitzenspiel in Ingolstadt am Montag in einer Woche besser zu machen.

Diese Partie hat sehr entscheidende Bedeutung dafür, ob Türkgücü noch ins Rennen um die Aufstiegsplätze eingreifen kann. Vorsorglich hat der Verein pünktlich zum Fristende einen Lizenzantrag für die zweite Liga eingereicht. Dabei blieben zwei entscheidende Zukunftsfragen offen: Was die Heimspielstätte angeht, arbeite man derzeit "an der Finalisierung der Mietverhältnisse", wie der Verein auf SZ-Anfrage mitteilt. Grundlage dafür sei die Stadionbelegung der laufenden Spielzeit. Was vermutlich heißt, dass er sich wieder um Heimspiele im Olympiastadion und im Grünwalder Stadion bemüht.

Was die Einrichtung eines Nachwuchsleistungszentrums angeht - eine Grundvoraussetzung für Zweitligisten spätestens von der zweiten Saison an - will Türkgücü nichts überstürzen: "Wir würden von unserer Karenzzeit Gebrauch machen. Aber wir arbeiten an Lösungsansätzen", heißt es von Vereinsseite. Dazu gehört laut Geschäftsführer Max Kothny auch, die Saison möglichst erfolgreich abzuschließen: "Es ist keine einfache Situation für uns in München", sagte er am Sonntag bei Magentasport. "Wir haben kein eigenes Stadion und kein Gelände. Da hängt viel damit zusammen, wie du dich präsentierst. Und je besser wir dastehen, desto mehr glaubt uns die Stadt, dass wir langfristig gute sportliche Ziele verfolgen." Deshalb wolle man unter den Münchner Mannschaften am Ende möglichst gut dastehen.

© SZ/lib
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