Deutsche Eishockey Liga Der Elfte zum Elften

"Konzentriert durchgespielt": Yasin Ehliz (Mitte) entwischt den Kölnern Simon Despres (l.) und Dominik Tiffels.

(Foto: imago/masterpress)

Meister München baut bei den Kölner Haien seinen DEL-Rekord aus und verkürzt den Rückstand auf Spitzenreiter Mannheim.

Von Johannes Schnitzler

In Köln am Rhein, der ganzjährig ziemlich jecken Karnevalsmetropole, die sich vor den tollen Tagen verlässlich in den allertollsten Irrsinn hineinsteigert, liebt man die Zahl 11. Die fünfte Jahreszeit startet am Elften im Elften, wenn der Elferrat, die Administration der guten Laune, die Regierungsgeschäfte übernimmt. Für den 1. FC stehen elf Mann auf dem Rasen. Und die elf Tränen im Wappen der stolzen Reichsstadt erinnern an die heilige Ursula und ihre 11 000 Jungfrauen, die an Ort und Stelle von Attilas Hunnen gemeuchelt wurden. Tolle Zahl, diese 11.

Andererseits macht es wenig Spaß, anderen beim Feiern zuzuschauen. Mit dem 7:2 gegen die Nürnberg Ice Tigers, dem zehnten Sieg in Serie, hatte der EHC Red Bull München am Freitagabend einen Klubrekord in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) aufgestellt. Am Sonntag in Köln sollte der elfte folgen. Aber so weit, dass man es lustig findet, wenn andere jeck werden, geht die kölsche Feierwut nicht (siehe auch Düsseldorfer Karneval).

"Das ist schon ziemlich solide", stellt Nationalstürmer Ehliz fest, der sein 100. DEL-Tor schießt

Die Haie, des Kölners zweitliebstes Sportkind nach dem FC, hatten sich einiges vorgenommen für den Besuch des Meisters am Sonntag in der Domstadt. 18 000 waren in die Arena gekommen, es regnete Konfetti aufs Eis, und nach nur 80 Sekunden zwiebelte Lucas Dumont, 21, den Puck zum 1:0 unter die Latte. Der Elferrat hätte es nicht bunter beschließen können. Aber 59 Sekunden vor der ersten Drittelpause lief Frank Mauer dem Kölner NHL-Zugang Simon Despres auf und davon und hob den Puck mit der Rückhand ins Netz. Saisontreffer Nummer 15 für den Nationalspieler - und für die Münchner, Achtung, der elfte in Unterzahl. Gegen so viel Zahlensymbolik ist selbst der bissigste Hai machtlos: München siegte am Ende überdeutlich 6:1 (1:1, 1:0, 4:0). "Die komplette Mannschaft hat konzentriert durchgespielt", stellte Nationalstürmer Yasin Ehliz fest, "das ist schon ziemlich solide."

Die Münchner waren ohne Jason Jaffray angetreten, der am Freitag gegen Nürnberg sein Comeback nach dreieinhalb Monaten Verletzungspause gefeiert hatte. Bereits am Dienstag (19.30 Uhr) muss der Meister in Krefeld ran - drei Spiele in fünf Tagen wollten die Trainer dem 37-jährigen Rekonvaleszenten nicht gleich wieder zumuten. Zumal die Haie fast so etwas wie der Lieblingsgegner der Münchner sind. "Wir haben in der Vergangenheit sehr gut gegen Köln gespielt", erinnerte Trainer Don Jackson vor dem Duell. München gewann die vergangenen acht Duelle, ihre letzte Niederlage kassierten sie vor mehr als zwei Jahren (1:2).

Dass sie auch diesmal Kurs auf drei Punkte hielten, lag nicht zuletzt an Nationaltorhüter Danny aus den Birken. Der gebürtige Düsseldorfer, der dennoch fünf Jahre für die Haie gespielt hat, klärte im Kölner Überzahlspiel im Stil eines FC-Innenverteidigers mit dem Kopf, Keith Aulie kratzte den herabfallenden Puck rechtzeitig von der Linie. Aus den Birken, der am Freitag seinen 34. Geburtstag gefeiert hatte, war, solange er gebraucht wurde, der Rückhalt seines Teams, das zwar mit dem eigenen Powerplay nicht viel anzufangen weiß. Dafür umso mehr in Unterzahl.

In der 37. Minute war es wieder einmal soweit. Der ehemalige Kölner Justin Shugg verbüßte eine Strafe, der ehemalige Kölner Patrick Hager sprintete quer übers Eis einem verirrten Puck hinterher, legte quer zu Michael Wolf, und der verstaute die Scheibe zum 2:1 unter dem Tordach. DEL-Nummer 335 für den 38-Jährigen, der seine Karriere beenden wird. "Es spielt sich viel in der neutralen Zone ab, darum gibt es relativ wenige Chancen", sagte Wolf und empfahl allen Ernstes für das letzte Drittel, man müsse "von der Box wegbleiben", möglichst keine Strafzeiten kassieren also - vielleicht erlaubte er sich aber auch einen kleinen Faschingsscherz.

Ziemlich humorlos war es dann wiederum Wolf, der zum 3:1 (42.) traf - in doppelter Münchner Überzahl, wohlgemerkt - dem John Mitchell das 4:1 (44.) folgen ließ. Den 18 000 verging der Frohsinn endgültig, als sich Andreas Eder hinter dem eigenen Tor die Scheibe schnappte und einmal über die komplette Eisfläche ins Kölner Netz trug (48.). Ehliz packte noch seinen 100. DEL-Treffer drauf (53.), gleichbedeutend mit den Punkten 100 bis 102 für die Münchner in dieser Saison, die damit fünf Spieltage vor Schluss der Hauptrunde den Rückstand auf Tabellenführer Mannheim (der überraschend 3:5 in Wolfsburg verlor) auf vier Zähler verkürzten. Zurück in Köln blieben Haie, so platt wie Karpfen an Aschermittwoch.