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Derby Türkgücü gegen Garching:Der Dreierpacker

Erstklassige Haltungsnoten erhielt Kasim Rabihic (links) von Türkgücü nicht nur wegen seiner drei Tore. Hier lässt er Garchings Leopold Krueger akrobatisch ins Leere laufen.

(Foto: Claus Schunk)

Regionalliga-Tabellenführer Türkgücü München gewinnt dank der Tore von Kasim Rabihic gegen Schlusslicht Garching - und marschiert scheinbar unaufhaltsam Richtung dritte Liga.

Eine Aktion in einem Fußballspiel vorhersagen? Schwierig bis unmöglich. Dennoch versuchen sich Woche für Woche unzählige Spieler und Trainer an diversen Prognosen. Vergibt ein Stürmer eine Chance? Der nächste Schuss sitzt, ganz bestimmt. Dass das Eintreffen dieser Weissagungen oft wenig wahrscheinlich ist? Geschenkt. Manchmal aber sind derlei Fußballpropheten von der Erfüllung ihrer Vorhersage felsenfest überzeugt. So wie Michael Hofmann, Torwarttrainer von Türkgücü München, als sich Kasim Rabihic am Samstag kurz vor der Pause den Ball zum Freistoß zurechtlegte. "Über die Mauer und rein", sagte Hofmann also, er wirkte dabei ernsthaft überzeugt.

Wenige Augenblicke später drehte Rabihic zum ersten Mal jubelnd ab. Im Laufe des Spiels legte der 26-jährige Flügelstürmer noch zwei Treffer nach und sorgte nahezu im Alleingang für den 3:1-Sieg über den Tabellenletzten VfR Garching. "Wir üben nach dem Training oft Freistöße", verriet der Matchwinner im Anschluss, Hofmanns Prognose kam also nicht unbegründet. Und selbst der Dreierpack konnte Rabihic nicht so ganz überraschen. Ein einziges Mal schon waren dem Bosnier drei Treffer in einer Partie geglückt, eineinhalb Jahre ist das her, Rabihic trug damals noch das Trikot des FC Pipinsried. Der Gegner seinerzeit: Garching. "Gegen die könnten wir jede Woche spielen", sagte er lachend.

Mit seinen drei Treffern gewährleistete Rabihic, dass sein Team auch im zehnten Regionalligaspiel in Serie ohne Niederlage blieb. Ein Spaziergang war dieser Erfolg aber keineswegs. "Garching hat es uns sehr schwer gemacht", gab Rabihic zu. Auch Trainer Reiner Maurer sprach von einem "harten Spiel". Vor allem die Erwartungshaltung, die an die Mannschaft herangetragen werde, verkompliziere einige Situationen. "Jeder erwartet mittlerweile, dass wir immer gewinnen", sagte Maurer, vor allem natürlich, wenn Schlusslicht Garching zum Derby kommt.

Doch eben dieses vermeintlich unterlegene Garching knüpfte gegen den Tabellenführer an die starke Leistung vom 1:1 gegen Bayreuth an. Defensiv stand der Außenseiter kompakt, nach vorne probierte es der VfR immer wieder mit Kontern. "Die haben wir dann nicht sauber ausgespielt", klagte Interimstrainer Ludwig Trifellner. Die Münchner waren das bessere Team, konnten ihre Spielanteile aber nicht wie zuletzt in eine frühe Führung umwandeln. Von einer Überheblichkeit, die sich eingeschlichen haben könnte, wollte Maurer zwar nichts wissen, er gab aber zu, dass einige seiner Spieler im ersten Durchgang "ein wenig auf der falschen Schiene" gewesen seien. Die letzte Konsequenz fehlte, im kalten Heimstetten kam der Türkgücü-Motor nicht auf Temperatur.

Da ist es von Vorteil, einen Könner wie Kasim Rabihic in den eigenen Reihen zu haben. Vor allem die ersten beiden Tore dürften ihren Platz im vereinseigenen Jahresrückblick sicher haben, sowohl besagter Freistoß kurz vor der Pause als auch der Volleyschuss nach Vorarbeit von Benedikt Kirsch (73.) waren äußerst sehenswert. Beim dritten Treffer musste Rabihic dagegen nicht mehr viel machen, nach gelungener Kombination drückte er den Ball über die Linie (82.).

Das schönste Tor des Tages aber war Garchings Philipp Walter vorbehalten. Beim Stand von 1:0 schlug Valentin Micheli einen Freistoß hoch, aber nicht sonderlich scharf, von außen an die Strafraumkante. Dort lauerte der aufgerückte Innenverteidiger Walter, nahm Maß und versenkte den Ball volley rechts oben - auch einige der Türkgücü-Anhänger unter den 505 Zuschauern klatschten anerkennend. Der Treffer in Minute 68 war nicht nur spektakulär, er brachte auch Spannung. Garching nutzte die Schwächen der Münchner in dieser Phase geschickt aus, der Ausgleich fiel überraschend, aber nicht gänzlich unverdient. "Ich bin heute stolz auf die Leistung meiner Mannschaft", sagte Garchings Trainer Trifellner nach dem Spiel.

Mit der Qualität des Spitzenreiters aber konnten die Gäste letztlich nicht mithalten, nach dem Ausgleich schaltete Türkgücü zwei Gänge nach oben, die 0:2-Pleite vom Hinspiel sollte sich auf keinen Fall wiederholen. Bevor Rabihic das Spiel entschied, traf Kirsch noch die Latte, die Münchner drängten mit aller Macht auf den Sieg. "Wir konnten heute zulegen", sagte Trainer Maurer, auch das mache eine Spitzenmannschaft aus.

Diese Leistungssteigerung, gepaart mit der Abgezocktheit von Rabihic, sorgten für den letztlich verdienten Erfolg. Der Dreierpacker muss sich nun wohl aber einen neuen Lieblingsgegner suchen, dass er in der kommenden Saison erneut auf den VfR trifft, erscheint unwahrscheinlich. Während Türkgücü München entschlossen in Richtung dritte Liga marschiert, kämpft der Lokalrivale gegen den Sturz in die Bayernliga. Einmal aber darf Rabihic mindestens noch gegen Garching ran, in der Wintervorbereitung treffen die beiden Teams erneut aufeinander. Eine Prognose, ob ihm dann erneut drei Tore gelingen werden, wollte er aber nicht abgeben.