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DEL:Aufschwung mit Ausrutscher

Konrad Abeltshauser (16, EHC Red Bull München) , Iserlohn Roosters vs. Red Bull München, Penny-DEL, 23.03.2021, Iserloh

Ein Schlüssel zum Aufschwung sind Münchens Rückkehrer in der Verteidigung wie Konrad Abeltshauser.

(Foto: Jonas Brockmann/imago images/Eibner)

Seit einer Besprechung vor drei Wochen läuft es für den EHC München. Dass die jüngste Siegesserie nun in Wolfsburg riss, hatte disziplinarische Gründe.

Von Christian Bernhard, München

Es war ein ungewohntes Gefühl, das sich bei den Spielern und Trainern des EHC Red Bull München am späten Dienstagabend breit machte. Eines, das sie seit Wochen nicht mehr erlebt hatten: das unangenehme Gefühl der Niederlage. 1:5 verloren sie bei den Grizzlys Wolfsburg, es war die erste Niederlage nach zuvor neun Siegen am Stück in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). "Wir haben viel zu viele Strafen genommen", monierte EHC-Trainer Don Jackson, 14 Minuten in Unterzahl zu spielen, sei schwer. Gegen die vom langjährigen Münchner Chefcoach Pat Cortina trainierten Wolfsburger, die sich mitten im Kampf um die Playoff-Plätze in der Nord-Gruppe befinden, ging der EHC kurz vor der ersten Drittelpause durch Verteidiger Andrew MacWilliam, der die Scheibe mit dem Schlägerschaft aus der Luft über die Linie bugsierte, in Führung (20.). Phillip Bruggisser (32.), Max Görtz (34.), Garrett Festerling (44.) und ein Doppelpack von Anthony Rech (55., 60.) bescherten den Wolfsburgern aber noch einen unerwartet deutlichen Sieg. Jackson zog den "disziplinarischen Aspekt" als Lehre aus der Niederlage. "Daran müssen wir arbeiten."

"Wir machen die richtigen Schritte in die richtige Richtung zur richtigen Zeit."

Der EHC nahm trotzdem viel Gutes aus der letzten Hauptrundenreise in den Norden mit. Durch den deutlichen 6:1-Sieg bei den Fischtown Pinguins hatte der EHC bereits am Montag in Bremerhaven vorzeitig die Qualifikation für die nächstjährige Champions Hockey League (CHL) fix gemacht. Platz zwei in der Süd-Gruppe war den Münchnern zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu nehmen, wodurch sie überdies in dem am kommenden Dienstag beginnenden Playoff-Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft Heimrecht haben und aller Voraussicht nach auf den ERC Ingolstadt treffen werden. Keine DEL-Mannschaft war in den vergangenen zehn Spielen auch nur annähernd so erfolgreich wie die Münchner, die dabei 27 von 30 möglichen Punkten holten. "Wir sind gerade auf einem sehr guten Weg", sagte Angreifer Maximilian Kastner bei Magentasport. "Wir machen die richtigen Schritte in die richtige Richtung zur richtigen Zeit." Der Aufschwung begann nach der peinlichen 3:8-Pleite in Iserlohn vor etwas mehr als drei Wochen. Diese hatte eine Mannschaftsbesprechung zur Folge, bei der diverse Dinge deutlich angesprochen wurden - und das fruchtete. "Seitdem haben wir alle an einem Strang gezogen", sagte Kastner.

Jackson hat nach der Iserlohn-Klatsche auch die Spielweise seines Teams angepasst - speziell in Unterzahl. "Wir wollten wieder mehr Druck auf den Gegner ausüben", erklärte Kastner. Auch das schlug sehr gut an, in sieben der vergangenen zehn Partien blieben die Münchner ohne Gegentor in Unterzahl. In Wolfsburg traf zwar Görtz für die Gastgeber im Powerplay, die restlichen Unterzahlsituationen überstand der EHC aber schadlos, darunter auch mehrere Minuten mit nur drei Feldspielern auf dem Eis. Die Penaltykilling-Quote von mehr als 93 Prozent über die vergangenen zehn Partien zeigt, wie sehr sich das Jackson-Team in diesem Zeitraum gesteigert hat. Zum Vergleich: In den zehn Partien zuvor lag dieser Wert im Schnitt bei 83 Prozent.

Der nächste Münchner Torschütze darf sich für den 2000. DEL-Treffer des EHC feiern lassen

Diese Steigerung hängt auch mit der ungewohnt kompletten Münchner Defensive zusammen. Wochenlang war die Abwehr von zahlreichen Schlüsselausfällen wie jenen von Konrad Abeltshauser oder Keith Aulie geschwächt gewesen, auch deshalb wurden Ethan Prow und Mathew Maione nachverpflichtet. Nun stehen Jackson erstmals in der Saison alle erfahrenen Stammverteidiger zur Verfügung. Aufgrund des reichen Angebotes konnte er es sich zuletzt sogar leisten, Yannic Seidenberg vorübergehend in den Angriff zu beordern. Dort ersetzt der erfahrene Seidenberg als Außenstürmer den verletzten Philip Gogulla in der Angriffsreihe um Derek Roy und Frank Mauer.

Die Münchner sind sich vor den letzten zwei Hauptrundenpartien - am Freitag gegen Iserlohn und am Sonntag gegen die Düsseldorfer EG, beide zu Hause - bewusst, dass es nun sehr schnell in die heißeste Saisonphase geht. "Die Playoffs stehen vor der Tür und mit den kurzen Serien kann sich keiner einen Fehltritt erlauben", sagte Abeltshauser, der in Abwesenheit des verletzten Patrick Hager das Kapitäns-C auf der linken Brust trägt. "Deshalb muss man jetzt schon Playoff-Eishockey spielen, damit man dann voll da ist, wenn es los geht, weil den Schalter umlegen ist nicht so einfach." Dazu kommt eine kleine Extra-Motivation für das Spieltagswochenende: Der nächste Münchner Torschütze darf sich für das 2000 DEL-Tor in der EHC-Geschichte feiern lassen.

© SZ/lib
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