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DEL 2:Von ganz oben ausgesperrt

Knapp daneben ist auch vorbei: Löwen-Kapitän Philipp Schlager (rechts neben Kassels Philippe Cornet) reihte sich gegen seinen ehemaligen Klub beim Auslassen großer Chancen ein.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Eine lange Verletztenliste, noch kein neuer Geschäftsführer und der Hauptsponsor vor Gericht: Durch das 0:4 gegen Kassel hat sich die Lage bei den Tölzer Löwen nicht entspannt.

Von Johannes Schnitzler, Bad Tölz/München

Hinterher ist man immer schlauer? Nicht unbedingt. Jedenfalls dann nicht, wenn man gegen die Kassel Huskies spielt. Zum dritten Mal in dieser Saison mussten die Tölzer Löwen am Dienstagabend gegen die Hessen antreten - zum dritten Mal hieß der Sieger Kassel. 0:4 (0:0, 0:1, 0:3) lautete das Ergebnis diesmal, das klarer aussieht, als das Spiel verlaufen war, aber dennoch in Ordnung ging. "Es gibt einen Grund, warum sie mit 15 Punkten Vorsprung vorne stehen", sagte Löwen-Trainer Kevin Gaudet.

Die Begegnung zwischen Bad Tölz und Kassel war das Duell der beiden Klubs mit dem besten Punkteschnitt der DEL 2 in der von pandemiebedingten Verzerrungen bereinigten Tabelle. Am Dienstag aber tat sich ein Klassenunterschied auf, der sich am Ende der Saison nach dem Willen der Huskies in deren Aufstieg in die Deutsche Eishockey Liga manifestieren soll. "Sie spielen hart und defensiv so gut", sagte Gaudet: "Sie haben alles, was es braucht, um Meister zu werden."

Dreißig Minuten hielt sein Team, das abermals nur 13 Feldspieler zählte, mit dem Favoriten mit. Dann aber ereigneten sich jene Situationen, die Kassels Trainer Tim Kehler hinterher als "Schlüsselmomente" bezeichnete. Erst traf Ryan Olsen im dritten Überzahlspiel der Huskies mit einem strohtrockenen Schlagschuss über Maximilian Franzrebs rechte Schulter zum 0:1 (28.). Danach ließen die Löwen drei Überzahlsituationen ungenutzt. Und als Max French zum Konter starten wollte, den Puck aber unsauber annahm und Derek Dinger auflegte, und der Kasseler Verteidiger den Puck einfach mal Richtung Tor schlenzte und Franzreb die Sicht versperrt war, da war die Partie früh im letzten Drittel eigentlich schon entschieden (44.). "Wir hatten nach dem 0:1 sehr gute Chancen", sagte Gaudet. Doch die Löwen nutzten keine. "Und nach dem 0:2 war es sehr schwer."

Sedlmayr fällt weiter aus, Martinovic droht Saisonende

Das hatte mehrere Gründe. Einerseits schlampten die Löwen wieder einmal im Abschluss. Kapitän Philipp Schlager etwa, selbst drei Spielzeiten für Kassel aktiv, schoss freistehend am Kasten vorbei. Der triftigste Grund dafür, dass die Löwen torlos blieben, stand aber im Kasseler Gehäuse: Gerald Kuhn, Deutschamerikaner mit DEL-Erfahrung (Bremerhaven, Wolfsburg), zeigte, dass er nicht nur statistisch einer der besten Schlussmänner der Liga ist. "Es war wie in Freiburg gegen Ben Meisner", sagte Gaudet. Dort waren die Löwen am Sonntag an ihrem ehemaligen Keeper gescheitert und hatten 2:4 verloren. Diesmal gingen sie komplett leer aus.

"Wir hätten ein Tor gebraucht, um ins Spiel zu kommen", sagte Gaudet. Doch Kassel nutzte nun jeden Tölzer Fehler kühl aus. Vor dem 0:3 (55.) ließ Niklas Heinzinger dem Schützen Lois Spitzner zu viel Platz, vor dem 0:4 (58.) rutschte Markus Eberhardt aus und servierte Brett Cameron den Puck, den dieser präzise in den Winkel schoss. Als die Schlusssirene ertönte, feuerte Maximilian Franzreb frustriert seine Trinkflasche übers Eis. "Dieses Spiel war keine Kunst", sagte Gästetrainer Tim Kehler. "Aber wir waren effektiv."

Für die Tölzer Löwen war das 0:4 der missratene Auftakt zu drei Heimspielen in dieser Woche. Am Freitag empfangen sie Dresden, am Sonntag Kaufbeuren. Danach endet das Intermezzo von Mario Lamoureux als Vertretung des wieder genesenen Tyler McNeely.

Die Situation in Tölz bleibt angespannt. Stürmer Johannes Sedlmayr wird wegen einer Herzmuskelentzündung infolge seiner Corona-Erkrankung bis auf Weiteres nicht spielen können, gegen Freiburg hatte sich Verteidiger Sasa Martinovic am Knie verletzt, ihm droht das Saisonende. Ein neuer Geschäftsführer ist noch nicht in Sicht, und für Mittwoch war der Auftakt zum Revisionsverfahren in der Betrugssache gegen Hauptsponsor Cengiz Ehliz angesetzt. "Wir werden kämpfen bis zum Ende", kündigte Kevin Gaudet an. Danach werden sie mehr wissen. Oder auch nicht.

© SZ/sewi
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