DEL 2:Harte Auslese

EDFELDER Manuel (Tölzer Löwen 6), DIBELKA Lubor (Tölzer Löwen 22), HEINZINGER Niklas (Tölzer Löwen 20), PFLEGER Marco (T

Drei aus vier: Die Nebenmänner von Lubor Dibelka (Zweiter von links) werden bald weg sein: Manuel Edfelder (von links), Niklas Heinzinger und Marco Pfleger verlassen die Tölzer Löwen nach Saisonende.

(Foto: Germann/imago images/Eibner)

Wegen ihrer ungewissen finanziellen Zukunft müssen die Tölzer Löwen auch schmerzhafte Weggänge in Kauf nehmen. Nach Marco Pfleger und Andreas Schwarz steht offenbar auch der Abschied von Niklas Heinzinger und Manuel Edfelder fest.

Von Christian Bernhard, Bad Tölz

Kevin Gaudet musste Anfang dieser Woche einiges verdauen. Da war zum einen das Heimspiel gegen die Heilbronner Falken, das dem Trainer der Tölzer Löwen phasenweise auf den Magen schlug. 2:7 lagen die Löwen vor dem Schlussdrittel zurück, ehe sie es beinahe noch fast in die Verlängerung schafften. "Ich hatte fast eine Herzattacke", sagte Heilbronns Trainer Bill Stewart nach dem wilden 7:6-Sieg seines Teams am Montagabend.

Am Tag danach gaben die Tölzer bekannt, dass Marco Pfleger und Andreas Schwarz in der kommenden Saison nicht mehr das Löwen-Trikot tragen werden. Beide sind absolute Leistungsträger in Gaudets Team, Stürmer Pfleger ist mit 75 Scorerpunkten (23 Tore) der punktbeste Spieler der DEL2. So wie Verteidiger Andreas Schwarz, der nicht nur ein defensiver Stabilisator, sondern mit 28 Scorerpunkten auch ein Offensivfaktor im Löwen-Spiel ist, hat Pfleger alle 44 Saisonspiele absolviert. Das Duo belegt auch in Sachen Plus-Minus-Statistik teamintern die zwei ersten Plätze (+24, +23). Der gebürtige Landshuter Schwarz ist zudem eine Identifikationsfigur, er spielte schon in der Jugend für die Tölzer und ist seit dem DEL2-Aufstieg im Jahr 2017 wieder Teil der Löwen.

"Wir werden um die Spieler kämpfen, die wir halten wollen", sagt Geschäftsführer Rumrich

Und es wird nicht bei diesen zwei Weggängen bleiben. Nach SZ-Informationen verlassen auch die Verteidiger Niklas Heinzinger und Manuel Edfelder am Ende der Saison Bad Tölz. Den 21-jährigen Heinzinger zieht es in die DEL zur Düsseldorfer EG, Edfelder nach Rosenheim. Beim gebürtigen Tölzer Heinzinger klappt der Wechsel an den Rhein im zweiten Versuch, er stand bereits im vergangenen Sommer kurz vor einem Transfer nach Düsseldorf. Edfelder, 25, hat speziell in dieser Spielzeit eine starke Entwicklung genommen.

In der aktuellen Phase werden bei allen Profivereinen die Weichen für die kommende Saison gestellt. Bei den Löwen ist das dieses Jahr doppelt schwer. Sie müssen sich nicht nur mit den Pandemie-Ungewissheiten herumschlagen, sondern auch mit der Problematik um Hauptsponsor Wee, der immer noch mit einem gehörigen sechsstelligen Betrag in Rückstand ist. Diese wirtschaftlichen Ungewissheiten machen das Planen für den neuen Geschäftsführer Jürgen Rumrich und Co. alles andere als einfach - und führen zu unbefriedigenden Situationen, wie jener um Pfleger. Der wäre gerne geblieben, und auch Rumrich hätte ihn "natürlich gerne" weiter für die Löwen spielen sehen. Ein Angebot konnte er Pfleger aufgrund der aktuell ungewissen finanzielle Lage des Klubs aber nicht unterbreiten. Rumrich will bei den ausstehenden Vertragsgesprächen mit seinen Spielern damit punkten, "dass wir eine solide Basis haben. Die Spieler haben auch bis jetzt ihr Geld bekommen, sie wissen, was sie an uns haben." Bad Tölz sei nicht nur sportlich ein attraktiver Standort. "Wir werden um die Spieler kämpfen, die wir halten wollen."

Trainer Gaudet, Torwart Franzreb und Topscorer French sollen unbedingt bleiben

Hubert Hörmann sagt, bei bestimmten Entscheidungen könne man nicht mithalten. Für den Präsidenten des EC Bad Tölz und Beiratssprecher der Tölzer Eissport GmbH (TEG) ist der ein oder andere Weggang "völlig legitim", die Spieler hätten schließlich keine Arbeitsdauer von 40 Jahren wie normal arbeitende Personen. Trotz der Ungewissheiten sagt Hörmann mit Blick auf die kommende Spielzeit: "Wir starten definitiv in eine DEL2-Saison, das ist beschlossene Sache." Der Etat dafür werde "auf keinen Fall größer" als der diesjährige, erklärt er diplomatisch. Hörmann will sich dennoch bei Leistungsträgern ins Zeug legen. Torhüter Maximilian Franzreb sei ein "elementarer Baustein dieser Mannschaft", betont er, "dass wir ihn weiter hier haben wollen, steht außer Frage." Auch bei Topscorer Max French besteht von Seiten des Klubs der Wunsch, den Vertrag zu verlängern.

Dann ist da noch die Trainer-Personalie. Hörmann ist zuversichtlich, dass Kevin Gaudet auch in der kommenden Saison hinter der Tölzer Bande steht. "Wir haben uns besprochen", sagt er, "da habe ich überhaupt keine Sorge, dass er geht." Hörmann ist von Gaudets "irrsinnigen" Kontakten in der Branche und dessen "stiller Autorität" angetan - und er ist sich bewusst, welchen Einfluss der 57-jährige Kanadier speziell auf die Entscheidungen der Importspieler hat. Jene, die in der laufenden Saison in Bad Tölz sind, sagt er, seien "größtenteils wegen Kevin Gaudet da".

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