DEL 2:Fiese Götter

KOLB Maximilian (Ravensburg Towerstars 28), EDFELDER Manuel (Tölzer Löwen 6), 2020/21 DEL 2 Tölzer Löwen vs Ravensburg T

Schmerzlich vermisst: Der Tölzer Manuel Edfelder (rechts), hier im Duell mit Ravensburgs Maximilian Kolb, fiel wegen eines Autounfalls für das aktuelle Spiel gegen die Towerstars aus.

(Foto: Peter Roth/imago)

Die Tölzer Löwen verlieren ersatzgeschwächt das zweite Playoff-Viertelfinalspiel gegen Ravensburg nach Verlängerung. Am Montag will das Team von Coach Gaudet in der Best-of-Five-Serie wieder in Führung gehen.

Von Christian Bernhard, Bad Tölz

Kevin Gaudet stand da, wo er nach einem Spiel immer steht: am Pressekonferenz-Pult. Er wusste also ganz genau, was er zu tun hatte: das soeben gegangene Spiel einzuordnen und zu analysieren, so wie schon 51-mal zuvor in dieser DEL2-Saison. Was der Trainer der Tölzer Löwen diesmal aber nicht wusste, war, wo er anfangen sollte. Zu viel war ihm und seiner Mannschaft am Samstag passiert.

Gaudet begann damit, dass sein Spieler Manuel Edfelder am Samstagmorgen in einen Autounfall verwickelt worden sei, der ihn ins Krankenhaus brachte. "Wir wissen nicht, wie schlimm es ist", sagte der Kanadier. Dann fuhr er fort, dass sich Lubor Dibelka, einer seiner erfahrensten Spieler, im Mitteldrittel eine Leistenverletzung zugezogen habe, wodurch er nicht mehr weiterspielen konnte. Es droht das Saison-Aus. "Ich verstehe nicht, warum die Eishockeygötter so fies zu uns sind", war Gaudets Fazit.

Da der Löwen-Trainer ja auf einer Spieltags-Pressekonferenz war, hatte es selbstredend auch ein Spiel gegeben - und dieses hatten die Löwen passend zum rundum gebrauchten Tag verloren. 2:3 nach Verlängerung (0:0, 2:1, 0:1, 0:1) unterlagen sie den Ravensburg Towerstars, dadurch steht es in der Best-of-Five-Playoff-Viertelfinalserie 1:1. Spiel drei findet schon am Montag in Bad Tölz statt (19.30 Uhr). In Sachen Edfelder gab der Verein noch am Samstag leichte Entwarnung. Der 25-Jährige habe sich keine gravierenden Verletzungen zugezogen und konnte das Krankenhaus bereits verlassen. Weitere medizinische Untersuchungen sollen folgen und Aufschluss über die Einsatzbereitschaft des als Verteidigers und Stürmers variabel einsetzbaren Spielers in den kommenden Partien geben.

Neben Edfelder fehlte am Samstag auch Hauptrunden-Torschützenkönig Max French. Routinier Dibelka droht das Saison-Aus

Trotz der schwierigen Umstände - Hauptrunden-Torschützenkönig Max French fehlte weiterhin aufgrund seiner Leistenprobleme - kreierten die Löwen am Samstag genügend Durchschlagskraft: 39 Schüsse gaben sie in den etwas mehr als 61 Spielminuten ab, 14 mehr als die Ravensburger. Doch diesmal bekamen die Tölzer das zu spüren, was in der Hauptrunde regelmäßig ihren Gegnern widerfahren war: auf einen Torhüter zu treffen, der sie mit seinen Paraden entnervte. "Schmidt war hervorragend", sagte Gaudet über den Ravensburger Torhüter. Jener Olafr Schmidt, der in Spiel eins nach zwei Dritteln und fünf Gegentoren genug gehabt hatte und vom Eis gegangen war, wehrte nun 37 der 39 Löwen-Versuche ab.

Nach dem Neun-Tore-Offensivspektakel von Spiel eins waren am Samstag beide Mannschaften zu Beginn auf Defensivkontrolle bedacht, herausgespielte Torchancen waren lange Zeit Mangelware. Die beste in Drittel eins hatte Löwen-Youngster Luca Tosto, sein Schuss in Minute acht ging an den Pfosten. Im Mitteldrittel löste sich die Offensivblockade. Dibelka traf per Konter zum 1:0 (29.), 58 Sekunden später glich Towerstars-Verteidiger Patrick Seifert mit einem wuchtigen Schlagschuss aus. Hauptrunden-Topscorer Marco Pfleger brachte die Tölzer mit seinem sechsten Playoff-Scorerpunkt in Minute 36 wieder in Führung. "Wir haben sehr gut gespielt, hatten die bessere Chancen", sagte Gaudet. Doch die Ravensburger ließen nicht locker - und siegten dank ihres Umschaltspiels. Joshua Samanski vollendete einen Konter zum 2:2 (47.), ehe Mathieu Pompei nach nur 79 Sekunden in der Verlängerung erneut per Konter den 3:2-Siegtreffer markierte. Der späte Ausgleich sei wie ein "großes Messer in unserem Herz" gewesen, befand Gaudet, danach sei es schwer gewesen, zurückzukommen.

"Zum Schluss war es einfach der Wille", sagt Ravensburgs Trainer Vorderbrüggen. Nun sei wieder alles auf Null gestellt

Das lag auch an der personellen Situation im Schlussdrittel. Durch Dibelkas Ausfall wurden aus den ursprünglich 13 Löwen-Feldspielern nur noch zwölf, wodurch Gaudet gezwungen war, nur noch mit zwei Reihen zu spielen. Das hatte Auswirkungen auf den Energiehaushalt seiner Mannschaft, die schon die ganze Saison über zahlreiche Verletzungen mit einem ohnehin kleinen Kader auffangen musste. "Die Kraft fehlt", sagte Gaudet. Marc Vorderbrüggens Plan, die Löwen durch Umstellung seiner Angriffsreihen "auch ein bisschen auszupowern", ging auf. Allerdings hatte auch der Ravensburger Trainer einen Ausfall verdauen. Sein Verteidiger Kilian Keller musste nach einem Zusammenprall in der neutralen Zone ins Krankenhaus gebracht werden.

"Zum Schluss war es einfach der Wille", der seinem Team den Serienausgleich beschert habe, betonte Vorderbrüggen. Jetzt sei wieder alles auf null gestellt. "Es ist, wie es ist", befand Gaudet - und meinte damit nicht das Spiel, sondern die komplizierten personellen Umstände. Er sprach es nicht aus, aber er dachte es sich wohl: Wäre schön, wenn die Eishockeygötter mal wieder gutmütig auf Bad Tölz blicken würden.

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