Box-Nacht in Dachau Zurück aus dem Wald

Firat Arslan ist wieder da: In der Dachauer ASV-Halle besiegte er seinen ungarischen Gegner Gyula Bozai (rechts) klar nach Punkten.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Firat Arslan war Weltmeister im Cruisergewicht, dann verlor er den Titel und ein paar Kämpfe fragwürdig. Nun ist er 44 Jahre alt und will sich wieder an die Weltspitze kämpfen. In Dachau hat er gezeigt, dass dies nicht unmöglich scheint.

Von David Weber

Erlaubt sei einmal die Frage, was die Leute in der Wildnis um diese Zeit überhaupt verloren haben. Aber einer, der Firat Arslan einmal im Ring gesehen hat, und zwar nur dort, könnte auf den Gedanken kommen, dass dieser stämmige, muskelbepackte, dunkeläugige Kämpfer so einer ist, dem man nachts im Wald halt lieber nicht begegnen will.

Dabei sieht Arslan nur im Ring grimmig aus. Außerhalb ist er sympathisch, höflich, bescheiden. Und so würde sich eine nächtliche Waldbegegnung wohl als Überraschung entpuppen: Firat Arslan würde einen wahrscheinlich in eine warme Decke packen und in seine Hütte einladen, zu heißem Tee und einer Partie Schach. Arslan spielt gerne Schach in seiner Freizeit, kann man auf seiner Homepage nachlesen. Von Beruf ist Arslan aber Boxer. Und er ist jetzt, knapp neun Monate nach seiner WM-Niederlage gegen Yoan Pablo Hernandez, zurück im Ring. Erfolgreich zurück: In Dachau bezwang Arslan den Ungarn Gyula Bozai, einstimmig, eindeutig.

Gutes Stichwort, eindeutig. Arslan hat in den vergangenen drei Jahren zwei WM-Herausforderungen verloren, die alles andere als eindeutig waren, die er im Gegensatz zu den Punktrichtern nicht als Niederlagen empfand. Diese Niederlagen sind es, die dem ASV Dachau und "Petko's LMS Box-Promotion" den Auftritt eines Boxers beschert haben, der zur Weltspitze gehört: "Das habe ich den vergangenen Jahren gezeigt", sagt Arslan.

Er will weitermachen, Kämpfe bestreiten, bis zur nächsten Chance auf den Titel. Er will nicht nur zu den besten im Cruisergewicht gehören, sondern der Mann ganz oben sein, derjenige, der den WM-Gürtel trägt. "Mein Ziel ist es, noch einmal Weltmeister zu werden", sagt der 44-Jährige. In dem Alter gucken andere eher nach den Tomaten im Garten, als sich in Turnhallen mit anderen Männern zu hauen. Aber Arslan, der den WBA-Titel knapp ein Jahr lang innehatte, zwischen dem 24. November 2007 und dem 27. September 2008, will es eben noch mal allen zeigen. In Dachau deutete er an, dass er das auch kann.

In Arslans Team, das den Kampf in der roten Ecke verfolgte, war man sich schnell einig. "Das ist Boxen!", "exzellent, ganz toll" mache er das, wiederholten Trainer, Betreuer und Freunde unermüdlich während des auf acht Runden angesetzten Kampfs, und es stimmte ja auch, Arslan machte das ganz toll. Er dominierte das Duell von Beginn an, gegen Gyula Bozai, der sicher keine schlechte Figur abgab. "Das ist ein harter Junge", lobte Arslan, nachdem er den harten Jungen zwar auch in den letzten beiden, besonders intensiv geführten Runden nicht zu Boden gezwungen hatte, die Punktrichter aber sicher auf seine Seite gebracht hatte.

Arslan teilte aus, Bozai steckte ein. Es regnete Schweiß und Hiebe, aber keine harten, sondern zumeist Schläge aus der Nahdistanz, oft die für ihn typischen Haken, seltener Schwinger mit der Schlaghand. Wenn Bozai auch kein Gegner war, der bloß froh war, ohne ärgere Schrammen nach Hause gehen zu dürfen, liefen seine eigenen, seltenen Attacken doch meist ins Leere. Triefend vor Schweiß, aber völlig unversehrt beantwortete Arslan nach dem Kampf Fragen.

Ob er den Ungarn in zwölf Runden, also vier weiteren, ausgeknockt hätte? "Ich denke schon. Er hatte keine Luft mehr, und ich war noch topfit." Konzentriert bis zum Ende sei er, Arslan, gewesen, auch wenn er sich noch steigern müsse. "Aber die Vorbereitung war sehr kurz. Da hatte Bozai einen Vorsprung, und er hatte nichts zu verlieren", erklärte Arslan, "ich dagegen musste gewinnen." Und: "Das habe ich souverän gemeistert." Und ob er schon wisse, wie es weitergehe? "Es wird viele Gespräche geben. Aber erst mal war wichtig, zurückzukommen."

Vor, zwischen und nach den Fragen machte Arslan Fotos. Mit Kindern, Freunden, Bekannten, Unbekannten. Plauderte mit den Kraft-Brüdern, zwei jungen, künstlernamentragenden Boxern aus Waldkraiburg, "große Talente", findet Arslan, die vor dem Hauptkampf in den Ring gestiegen waren. Und posierte dann mit dem nächsten Fan für die nächste Aufnahme.

Firat Arslan ließ in dieser Nacht wirklich keinen stehen - außer seinem Gegner.