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Boxen:Revolution im Fernsehstudio

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Bis der Schweiß spritzt: Der Mairis Briedis (re.) ist nach dem Sieg gegen Yuniel Dorticos neuer WBSS-Weltmeister im Cruisergewicht.

(Foto: WBSS/oh)

Ohne Zuschauer schlägt der Lette Mairis Briedis in einem Ismaninger Fernsehstudio den Kubaner Yunier Dorticos und ist neuer Box-Weltmeister im Cruisergewicht.

Von Theo Harzer

Nicht weniger als eine Revolution des Boxsports hatte Mitbegründer und Promoter Kalle Sauerland angekündigt, als die "World Boxing Super Series" ins Leben gerufen wurde. Nun hat die laut Sauerland "Champions League des Boxens" einen neuen Weltmeister im Cruisergewicht: den Letten Mairis Briedis. Der 35-Jährige besiegte am Samstagabend in einem dramatischen Kampf den amtierenden Weltmeister der "International Boxing Federation" (IBF)

den ein Jahr jüngeren Kubaner Yunier Dorticos. In der ersten Staffel des noch jungen Wettbewerbs waren beide Kämpfer im Halbfinale ausgeschieden, dieses Mal boxten sie um den Titel. Der Kampf wurde Corona-bedingt ohne Zuschauer in den "Plazamedia Studios" in Ismaning ausgetragen. Dorticos, der eine fast unwirklich erscheinende Knockout-Rate von 91 Prozent vorweisen konnte, hatte den Endkampf durch einen Sieg im Juni des Vorjahres gegen Andrew Tabiti erreicht, den er in der zehnten Runde zu Boden geschickt hatte. Noch hitziger ging es beim Finaleinzug von Briedis zu, der sich nach seinem technischen K.o. in einer wilden Prügelei gegen den Polen Krzysztof Glowacki Kritik gefallen lassen musste. So führte unter anderem ein Schlag an den Hinterkopf des Polen zu Zweifeln an seiner Fairness.

Das Finale, in dem nur der Ringrichter einen Mund-Nasen-Schutz tragen musste, war anfangs ausgeglichen. Dorticos fand in den ersten beiden Runden sogar schneller seinen Rhythmus, konnte ein paar Treffer landen und drängte seien Gegner immer wieder gegen die Seile. Spätestens nach der vierten Runde aber bestimmte der Lette den Kampf, Briedis wirkte frischer und agiler. Gegnerische Angriffe beantwortete er mit starken Kontern, Dorticos agierte zunehmend einfalls- und ratlos. In Runde zehn schien sich ein vorzeitiges Ende anzubahnen, als Briedis den Kubaner mit gezielten Treffern aus dem Konzept brachte und konsequent in die Defensive drängte. Was zwar nicht gelang, doch angesichts der Dominanz des Letten schien das Ergebnis nach zwölf Runden eindeutig. Zwei Punktrichter kamen auch zu einem klaren Votum zugunsten von Briedis (jeweils 117:111), etwas überraschend wertete der dritte Punktrichters das Duell mit 114:114 unentschieden. Was der Freude des neuen Weltmeisters keinen Abbruch tat, Briedis entthronte damit den Ukrainer Oleksandr Ussyk, gegen den er in der ersten Auflage des Wettbewerbs im Halbfinale ausgeschieden war. Neben der riesigen "Muhammad Ali Trophy" erhielt Briedis auch Dorticos IBF-Weltmeistergürtel, sowie den des US-Fachmagazins "The Ring".

Im Vorprogramm des Finales fanden auch einige Kämpfe mit deutscher Beteiligung statt. Die 18-jährige Sophie Alisch, die als großes Talent gilt, besiegte die Ungarin Edina Kiss nach Punkten. Und auch Leon Bunn behielt gegen den Finnen Timo Leine nach einstimmigem Kampfrichterentscheid die Oberhand. Alisch und Bunn, werden im Übrigen von Team Sauerland promotet und haben somit eine gute Beziehung zu WBSS-Schöpfer Kalle Sauerland. Im dritten Kampf des Vorprogramms gewann der Deutsche Dennis Radovan den IBF-Europameisterschaftsgürtel im Duell mit dem Nigerianer Luhu Nawal.

Knapp zwei Jahre nach dem ersten Kampf der zweiten WBSS-Staffel, fand sich nun also in München ohne Zuschauer und unter strengen Hygienemaßnahmen ein Sieger. Mairis Briedis kehrt nun als offiziell bester Cruisergewichtsboxer der Welt nach Riga heim.

© SZ vom 28.09.2020

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