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Boxen:Königliche Kraftmeierei

Das Finale der World Boxing Super Series findet am Samstag in Ismaning statt.

Von Theo Harzer

Die "Champions League des Boxens": Für Kalle Sauerland ist die World Boxing Super Series (WBSS) das Größte. Sauerland ist Promoter, der Sohn des berühmten Boxstallbesitzers Wilfried Sauerland, und wie der Vater versteht Kalle Sauerland es, in branchenüblicher Unbescheidenheit seine Ware anzupreisen. Zumal auf einem Markt wie München, wo an diesem Samstag das Finale der WBSS stattfindet. Im FC-Bayern-München kennt man sich aus mit Königsklasse.

Der Lette Mairis Briedis, 35, und der Kubaner Yunier Dorticos, 34, beide Weltmeister im Cruisergewicht, kämpfen von 20.50 Uhr an um die Muhammad Ali Trophy, gewidmet dem Größten überhaupt. Den Pokal hat Silvio Gazzaniga entworfen, Schöpfer des Fußball-WM-Pokals. "Das ist die Nummer eins gegen die Nummer zwei der Welt, die zwei besten Boxer im Cruisergewicht", verspricht Sauerland. Am Ende werde der Zuschauer wissen: "Der Sieger dieses Kampfes ist der Beste."

Dass das Finale der zweiten Staffel der WBSS nun in München stattfindet, war so allerdings nicht geplant. Das Match sollte bereits im Frühjahr in Riga über die Bühne gehen, beide Kämpfer blickten sich bereits beim Pressetermin in die Augen. Doch die Pandemie verhinderte den Schlagabtausch, und Sauerland musste einen Austragsort finden, der einerseits die Einhaltung aller Corona-Beschränkungen gewährleistet, der aber auch den hohen Produktionsstandards der WBSS, der "Superklasse der Produktion", genügt. Weil Deutschland die Krise "am besten gemanagt hat", suchte er zu Hause. Und fand in den Plazamedia Studios in Ismaning, den "technisch besten Studios in ganz Europa", einen standesgemäßen Partner. Ganz schön viele Superlative. Aber, hey, es ist schließlich die Champions League.

Solche Superlative ist München, zumindest im Boxsport, nicht mehr gewohnt. Der letzte Kampf dieser Preisklasse fand im Februar 2012 statt. Vitali Klitschko verteidigte damals seinen WBC-Weltmeistergürtel gegen Dereck Chisora. Münchens Box-Provinzialität lässt sich vor allem auf das "Hallenproblem" der Stadt zurückführen, wie Sauerland sagt. Selbst die Olympiahalle, in der Klitschko Chisora besiegte, sei nicht optimal, weil sie nicht für einen Boxkampf bestuhlbar sei. Und was ist mit den Münchner Fans? "Es gibt eigentlich eine sehr gute Community hier unten, die muss man ein bisschen aufwecken." Am Samstag werden allerdings keine Zuschauer am Ring sein. Zwar meint Sauerland: "Nichts ersetzt den Zuschauer"; eine aufregende Atmosphäre verspricht er dennoch, dank einer "ganz besonderen Show" für die Zuseher im Stream.

Die beiden Kämpfer zeigten sich auf der finalen Pressekonferenz am Donnerstag ob der fehlenden Kulisse unbeeindruckt. Dorticos kündigte an, er wolle "meinen Job machen und eine Show liefern", Briedis scherzte, ohne Zuschauer sei das eine Stimmung wie bei einem Kampf zweier Schüler während der großen Pause. Zuschauer könnten bei den Kämpfern das letzte Quäntchen Energie freisetzen, die Geisterkulisse sei also für beide ein Nachteil.

Sauerland erwartet einen unterhaltsamen Kampf, auf keinen Fall Langeweile: "Natürlich gibt es Weltklasse-Boxer, die sehr auf die Technik, die Punkte gucken und die dann über die Runden gehen. Was wir am Samstag sehen werden, das sind zwei Kraftpakete." Beide haben starke Statistiken: Dorticos besticht mit einer Knock-out-Rate von 91 Prozent, Briedis mit 75 Prozent. Neben der Ali Trophy stehen auch Dorticos' IBF-Gürtel und der Gürtel des Fachmagazins The Ring auf dem Spiel. Das freut Sauerland besonders, denn die "Bibel des Boxens" gebe diesen Gürtel "nur aus, wenn klar ist, das ist die Eins gegen die Zwei". Andere Boxer, die ihn umschnallen durften, waren Wladimir Klitschko oder Tyson Fury. Klingt nach Champions League.

© SZ vom 26.09.2020

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