Boxen Der Klang des Ruhmes

Alem Begic.

(Foto: B. Lindenthaler/imago)

Das Münchner Supermittelgewicht Alem Begic boxt in Los Angeles um den Interkontinental-Titel der WBO.

Von Benedikt Warmbrunn, Los Angeles/München

Seine eindruckvollsten Minuten als Boxer hat Alem Begic 2500 Meter über dem Meeresspiegel erlebt. In Big Bear Lake in den San Bernardino Mountains. Allein diese Ortsangabe ist für jeden Boxer eine der klangvollsten Wortfolgen überhaupt, in Big Bear Lake haben sich viele Große des Sports auf ihre Kämpfe vorbereitet, Óscar De La Hoya, Lennox Lewis, alle waren sie schon dort. Und Anfang Mai auch Alem Begic, 32.

An diesem Sonntag boxt der Münchner in Los Angeles auf der "Hollywood Fight Night" um den vakanten Interkontinental-Titel der WBO im Supermittelgewicht, sein Gegner ist der Berliner Benjamin Simon, genannt Iron Ben. Begic gewann von seinen 22 bisherigen Kämpfen 19 durch Knockout, der Kampf gegen Simon, der drei seiner 30 Duelle verlor, ist der größte seiner Karriere. Doch es ist nicht allein der Gegner oder der Titel, der den Kampf für Begic so bedeutend machen. Es ist der Klang der Ortsmarke. "Ein Kampf in den USA bedeutet für mich, dass ich am Gipfel des Boxsports angekommen bin", sagt er. "Das amerikanische Boxen steht für Härte, Fleiß, Blut und Schweiß - das heißt, mit einem starken Willen ist alles möglich." Alles, für alle, auch für ihn selbst.

Gespürt hatte Begic das an seinem ersten Tag im Trainingslager, in Big Bear Lake eben, beim ersten Sparring. Mit ihm im Ring stand Gennadi Gennadjewitsch Golowkin, genannt GGG, einer der härtesten Schläger im gegenwärtigen Boxen. Die Runden mit dem langjährigen Weltmeister im Mittelgewicht waren für Begic die wichtigsten in seiner bisherigen Karriere, taktisch und technisch habe er "viel mitgenommen". Für den Kampf gegen Simon sagt er: "Der eigene Rhythmus sollte den ganzen Kampf über dem Gegner aufgesetzt werden." Er will also seine Stärken, die technische Sauberkeit, die eigene Wucht in den Schlägen, noch präziser getaktet einsetzen.

Es ist nicht wenig, was sich Begic vorgenommen hat. Er weiß, dass die Fans in Amerika keine taktischen Meisterleistungen sehen wollen, "die wollen offensives Boxen sehen, eine Ringschlacht, am besten mit einem Knockout". Doch sollte ihm ein solcher Kampf gelingen, wäre es für Begic vielleicht der Auftakt zu einer Karriere in den USA, dort also, wo im Boxen nicht nur die Orte klangvolle Namen haben, sondern irgendwann auch die Boxer selbst.