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Boulder-Weltcup in München:Team Tokio

Klettern

„So viel Unterstützung aus dem Publikum hat man sonst nicht“: Alma Bestvater, hier während der Qualifikation 2017 in München, freut sich auf ihren nächsten Auftritt unter dem Glasdach des Olympiastadions.

(Foto: Nils Nöll; DAV/oh)

Der Boulder-Weltcup in München an diesem Wochenende fällt mitten hinein in die Olympiaqualifikation - wo jene im Vorteil sind, die auch die anderen Disziplinen Lead und Speed beherrschen.

Vor drei Jahren fiel die Entscheidung: Klettern wird Bestandteil der Olympischen Spiele 2020. In der diesjährigen Weltcupsaison dreht sich also alles um die Frage: Wer schafft die Qualifikation für Tokio? Mitten in die heiße Phase fällt am kommenden Wochenende der Boulder-Weltcup im Münchner Olympiastadion.

Unter dem Motto "Climb to Tokio" hat der Deutsche Alpenverein (DAV) im Januar ein fünfköpfiges Olympia-Fokusteam aufgestellt, das sich auf die neu geschaffene Disziplin "Olympic Combined" vorbereitet. Diese verrechnet sowohl das Bouldern als auch die Disziplinen Lead und Speed in einer Gesamtwertung. Für die deutschen Kletterer bedeutet das eine Umstellung: "Das Training hat sich stark verändert. Ich war im letzten Jahr nur bouldern, jetzt kamen zwei neue Disziplinen dazu, die man nebeneinander trainiert", erzählt Alma Bestvater, 23. Die Thüringerin ist eine von zwei Frauen im Fokusteam und freut sich trotz des steigenden Drucks auf den Weltcup in München: "So viel Unterstützung aus dem Publikum hat man sonst nicht."

Für Spezialisten, die sich auf eine Disziplin konzentrieren, kommt eine Olympia-Teilnahme kaum in Frage. Im aktuell 19-köpfigen Bundeskader spürt man den Unterschied: "Man merkt, dass man nicht auf Olympia trainiert, dass die anderen manchmal vorgezogen werden", sagt Boulderspezialistin Afra Hönig, 23. Beschweren könne man sich als Spezialist trotzdem nicht - von der Olympia-Teilnahme profitiere immerhin der ganze Sport. Die Landshuterin, die zusammen mit Bestvater in München trainiert, bestreitet in diesem Jahr mit zwei Halbfinalteilnahmen im Weltcup und einem zehnten Platz beim Auftakt im schweizerischen Meiringen die bislang beste Saison ihrer Laufbahn.

Auch im Teilnehmerfeld macht sich die bevorstehende Olympia-Qualifikation bemerkbar. "Das Feld bei den Damen ist um einiges stärker geworden. Es ist viel schwerer geworden, ins Halbfinale zu kommen", sagt Hönig, die ihr Trainingspensum in diesem Jahr verdoppelt hat. Auch Urs Stöcker, einer von drei Bundestrainern des DAV, stellt fest: "Die anderen Nationen haben auch nicht geschlafen." Besonders die Franzosen, die Österreicher und die Slowenen mit Janja Garnbret, der Führenden in der Gesamtwertung, schätzt er als "hervorragend" ein. In der Konkurrenz der Männer dominieren in der laufenden Saison mit Tomoa Narasaki und Kai Harada zwei Japaner das Feld.

Gegen diese starke Konkurrenz soll das Team um Alma Bestvater vor heimischem Publikum einen Schritt näher an die Gruppe der je 20 Männer und Frauen kommen, die im nächsten Jahr in Tokio dabei sind. Trotzdem gilt für Stöcker, der bei seiner Mannschaft noch etwas Potenzial nach oben sieht: "Wir wollen die Spezialisten nicht außen vor lassen."

Zumal die Ausgangsbedingungen in einigen Jahren schon wieder ganz andere sein könnten: Falls das IOC im Juni grünes Licht für Klettern auch bei den Sommerspielen 2024 in Paris gibt, werden die Disziplinen dort neu aufgeteilt. Speedklettern wird in diesem Fall zu einem eigenen Wettbewerb, während Lead und Bouldern weiterhin eine Kombination bilden würden. "Das kommt bei den Athleten wahrscheinlich besser an", sagt Wolfgang Wabel, Mitglied der Geschäftsleitung des DAV.

Bei den vergangenen Weltcups im Olympiastadion hatte sich das deutsche Team häufig vom Publikum beflügeln lassen. 2017 holte Jan Hojer den Tagessieg und gleichzeitig den Europameistertitel, 2018 verpasste der Lokalmatador Alexander Averdunk nur knapp den Einzug ins Finale. Aber während der Münchner Weltcup in den vergangenen Jahren das Finale und damit der Höhepunkt der sieben Stationen zählenden Weltcup-Saison war, findet seine zehnte Auflage in diesem Jahr aus organisatorischen Gründen drei Monate früher als sonst statt - als normaler Weltcup. Für den Planungsstab des DAV bedeutet das einige Unsicherheiten: "Im August waren Ferien, jetzt wissen wir nicht, wie es mit den Zuschauern wird", sagt Organisationschefin Julia Zschiesche. Auch bei den Teilnehmern sei unklar gewesen, ob man in der Mitte der Saison das gewohnt starke Feld aufbieten könne. Aktuell rechnet der DAV mit mehreren tausend Zuschauern, die an jedem der beiden Wettkampftage die Kletterer unter dem Glasdach des Olympiastadions nach oben treiben werden.