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Bogenschießen:Neue Scheibenwelt

Die deutsche Bogen-Elite trifft sich in Hallbergmoos zur deutschen Meisterschaft. Der Bundestrainer selbst hat sich für die Gemeinde bei Freising eingesetzt.

Oliver Haidn ist als Bundestrainer der Bogenschützen viel unterwegs. Oft reist er nach Berlin, zum wichtigsten Stützpunkt der deutschen Kaderathleten. Von seiner Heimat im niederbayerischen Deggendorf ist Berlin weit entfernt, die Fahrt mit dem Auto dauert über fünf Stunden. Deutlich schneller ist Haidn in Hallbergmoos. Bei der Schützengesellschaft Edelweiß finden noch bis Sonntag die deutschen Meisterschaften statt. Die kurze Anreise hat Haidn sich selbst zu verdanken. Die Wettkämpfe in Hallbergmoos auszutragen, war seine Idee.

"Die Anlage ist mit das Beste, was ich deutschlandweit kenne", sagt Bundestrainer Oliver Haidn

Für Haidn ist der Weg nach Hallbergmoos nicht nur kurz, er kennt die Route auch ähnlich gut wie jene nach Berlin. Alle drei Wochen kommt er in die Gemeinde bei Freising. Hallbergmoos ist in diesem Jahr der Stützpunkt der bayerischen Bundeskaderathleten. 2011 war Haidn das erste Mal auf der Anlage der Schützengesellschaft Edelweiß. Hallbergmoos bekam damals eine neue Halle, 2013 kam dann auch noch ein neuer Bogenplatz dazu. Haidn gefiel die Anlage, er schlug dem Verein vor, sich um die Austragung der deutschen Meisterschaften zu bewerben. Beim Deutschen Schützenbund (DSB) gab er eine Empfehlung für die Vergabe ab. "Ich habe keine Entscheidungsmacht, aber kann mich da schon einbringen", sagt Haidn. "Ich freue mich riesig, dass die Meisterschaften jetzt hier stattfinden. Die Anlage ist mit das Beste, was ich deutschlandweit kenne." Die Wege im Sportpark Hallbergmoos seien kurz. "Und die Anlage ist gut erreichbar", sagt er. Über Autobahn und Flughafen nicht nur von Deggendorf aus.

Früher wurden die deutschen Meisterschaften im jährlichen Wechsel nach Nord- und Süddeutschland vergeben. Nun finden die nationalen Titelkämpfe allerdings bereits zum dritten Mal nacheinander in Oberbayern statt. Gastgeber im vergangenen Jahr war der Post-Sportverein München, 2015 hatten sich die besten Schützen der Republik auf der Anlage der Bogensportgemeinschaft Raubling (Kreis Rosenheim) getroffen.

"Die Vergabe hängt natürlich davon ab, wer sich bewirbt", sagt Bundestrainer Haidn. Der DSB hat seine Ansprüche an die Bewerber in den vergangenen Jahren erhöht. Zum Anforderungsprofil gehört eine Finalarena, in der die Zuschauer die entscheidenden Duelle mit guter Sicht verfolgen können. Am Wochenende soll das im Stadion des Fußball-Landesligisten VfB Hallbergmoos-Goldach der Fall sein. "Das kann nicht jeder Verein bieten", betont Haidn.

Der deutsche Bogensport bekam im vergangenen Jahr ungewöhnlich große öffentliche Aufmerksamkeit, als Lisa Unruh (Berlin) bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro die Silbermedaille gewann. Durch Finalarenen wie die in Hallbergmoos soll der Bogensport für die Zuschauer nun noch attraktiver werden. Die Anzahl der Schützen in Deutschland ist laut Haidn seit Olympia merklich gestiegen. Hallbergmoos erwartet am Wochenende mehr als 700 Athleten, die in verschiedenen Klassen starten.

Trotz zweier Meisterschaften im Raum München nacheinander: Die favorisierten Athleten kommen nicht aus der Region. Beim Schießen mit dem olympischen Recurve-Bogen gelten Olympiastarterin Unruh und Vorjahressieger Florian Kahllund (Fockbek), der Europameister von 2014, als erste Anwärter auf die Titel. Bei den deutschen Meisterschaften im vergangenen Jahr verlor Unruh im Finale gegen Katharina Bauer aus Raubling, die auch in diesem Jahr Außenseiterchancen hat.