BMX, Skateboard, Wakeboard:Yeah!

Lesezeit: 4 min

Haben Actionhelden Angst? Was machen Schanzenbefeuchter? Und: Wer trägt das heißeste Outfit? Impressionen vom Mash.

Von Ralf Tögel und Sebastian Winter

BMX, Skateboard, Wakeboard: Herr der Lüfte: John Dreiling, Sieger im Wakeboard-Team-Contest.

Herr der Lüfte: John Dreiling, Sieger im Wakeboard-Team-Contest.

(Foto: Claus Schunk)

Jetzt ist sie Geschichte, die sechste Auflage der Munich Action Sports Heroes, kurz Mash. 80 000 Menschen lockte das Actionsportfestival nach Angaben der Veranstalter trotz brütender Hitze in den Olympiapark. Schließlich waren die besten Freestyler in den Disziplinen Skateboard, BMX und Wakeboard zu bewundern. Mash ist aber weit mehr als Athleten, die auf Brettern oder Rädern durch die Lüfte sausen, Mash ist Kultur, Kunst und Spaß, einfach eine große Szene-Party mit 16 Bands. Zur Abkühlung halfen 30 000 Kaltgetränke und 7000 Steckerl-Eis.

Stehpinkler auf dem Skateboard

Es gibt schon so ein paar Auffälligkeiten, die zwingend darauf schließen lassen, dass Mash ist. Wenn man zum Beispiel im Olympiapark nach Erleichterung sucht und nebenan einer pinkelt, der auf einem Skateboard steht. Oder wenn auffallend viele Menschen mit irgendwelchen neonfarbenen Hütchen durch die Gegend laufen, die in diesem Jahr aufgrund der immensen Temperaturen besonders angesagt waren. Apropos Accessoires: Wer keine dabei hatte, konnte sich eine Sonnenbrille besorgen, wenn man seine Adresse bei einem großen kassenärztlichen Versicherer hinterließ, und es gab natürlich viele dieser so genannten Giveaways, die in der Steinzeit Werbegeschenke hießen, die einem im Vorbeigehen von meist jungen Damen in die Hand gedrückt wurden. Das reichte von praktischen Dingen wie Flaschenöffnern bis zu weniger benötigten Kleinigkeiten wie einem Profilmesser für Autoreifen.

Ungebremst bergab

Darf ein Actionheld Angst haben? Beim BMX etwa, wenn sich die Fahrer auf ihren kleinen Rädern von der acht Meter hohen Rampe in die Tiefe stürzen? Deutschlands bester Vertreter Daniel Tünte hat eine klare Antwort: "Jedes Mal!" Was ja auch irgendwie dafür spricht, dass die Jungs dann doch ein funktionierendes Gehirn mit sich herumtragen, denn wer sich völlig ohne Bedenken über eine knapp drei Meter hohe Schanze in die Luft katapultieren lässt, um mit dem Rad ein paar Saltos zu springen, der sollte wissen, was er tut. Und es nicht zum ersten Mal machen. Wie schnell die Fahrer waren, das konnte keiner ganz genau sagen, Evan Brandes aber wusste: "Sehr schnell, glaub mir." Für alle, die dennoch auf die irrwitzige Idee kommen sollten: Alle Teilnehmer waren Profis, austrainiert, geschult, absolute Cracks. Tünte war im Übrigen der Erste, der im Wettbewerb auf die Lake Line musste, er "war zu schnell und flog zu weit", bekam alles aber noch gut hin. Sein Rad hat keine Bremsen, wie die meisten im Übrigen.

BMX, Skateboard, Wakeboard: Aus acht Metern zurück in die Tiefe: BMX-Fahrer Kieran Reilly.

Aus acht Metern zurück in die Tiefe: BMX-Fahrer Kieran Reilly.

(Foto: Claus Schunk)

Grillhähnchen

Es gab gute und weniger gute Jobs beim Mash. Einen zweifellos richtig guten hatten die Schanzenbefeuchterinnen und -befeuchter erwischt. Die Damen und Herren standen auf der Kaskade im Olympiasee mit einem Schlauch in der Hand, mit dem sie Wasser auf die Hindernisse und Kicker spritzten, auf dass die Wakeboarder auch richtig flüssig drüberflutschen können. Hat gut geklappt, der Spritzer oder die Spritzerin auf der Seite des Schiedsrichterturms stand sogar im Schatten, die Füße blieben sowieso immer im kühlen Nass. Einen weitaus schlechteren Job hatte Michael Weber, der Geschäftsführer des Rugbyturniers Oktoberfest 7s. Für das hochkarätig besetzte Turnier, an dem von Olympiasieger Fidschi über Weltmeister Neuseeland bis zum Weltseriensieger Südafrika alles teilnimmt, was Rang und Namen hat, warb der Veranstalter für die zweitägige Veranstaltung am 21./22. September im Olympiastadion. Auch Weber gab alles. Wie für diese Veranstaltung üblich, für die sich Zuschauer die verrücktesten Verkleidungen ausdenken, verteilte er die Flyer in einem quietschgelben Hahnenkostüm, mit schreckrotem Hahnenkamm und geschätzten 55 Grad unter dem Kostüm. Auf Grilled Chicken dürfte ihm der Appetit vergangen sein.

Alter!

Oli Bürgin ist inzwischen 45, der Schweizer hat ein paar graue Haare bekommen, aber in seinem Gesicht spiegelte sich am Samstagabend kindliche Freude. Der zweimalige Europameister war wie 2018 Sportdirektor und Routenbauer des Skateboard-Rollercoasters. Mit seinem Team hat er für die Achterbahn in wochenlanger Präzisionsarbeit 60 Tonnen Holz und fast 100 000 Schrauben verbaut. Als der Contest vorbei war und die siegreichen US-Amerikaner Jake Ilardi und Alena Smith ihren Sekt verspritzt hatten, machte Bürgin das, was er immer noch liebt: Er fuhr Skateboard. Inmitten der Profis versuchte er sich am Looping, der durch einen riesigen Lkw-Reifen führt, und den im Wettkampf einzig der Brite Alex Hallford geschafft hatte. Bürgin scheiterte, stand auf, fuhr kopfschüttelnd zurück, 20, 30 Mal. Dann schaffte er den Trick, fast jedenfalls. "Yeah" riefen die Profis anerkennend, und klopften mit ihren Boards aufs Eisengeländer.

Die Frau in Rosa

Marion Schöne hatte sich in Schale geworfen: Rosa Kleid, rosa Hut, rosa Handtasche, die Olympiapark-Chefin hätte wohl selbst in Ascot beim traditionsreichen Pferderennen bella figura gemacht. Klar, sie hatte Sponsorengespräche, die sich im Skateroutfit nicht so leicht führen lassen. Aber Schöne wollte bestimmt auch ein Zeichen setzen: für die Frauen! Beim Skateboard-Rollercoaster-Wettbewerb waren sie ja erstmals offiziell dabei. Selbstbewusste junge Frauen wie die einzige Deutsche Catherine Marquis oder Siegerin Alana Smith vollführten einige beeindruckende Tricks. Auch Wakeboarderinnen durften erstmals mitmachen, sechs Starterinnen bedeuteten immerhin ein Drittel des Teilnehmerfeldes. Siegerin Julia Rick wünscht sich für den 2019 erstmals ausgetragenen Teamwettbewerb künftig "vielleicht auch mal einen weiblichen Kapitän". Und beim BMX? Das Spektakel unten am Olympiasee war eine reine Männer-Show. Noch, auch das soll sich künftig ändern. Schöne betont außerdem nicht ohne Stolz, dass die Wakeboarderinnen beim mit insgesamt 20 000 Euro dotierten Wettkampf (auf die von Red Bull finanzierten Skateboard-Rollercoaster haben die Olympiapark-Macher keinen Einfluss) dasselbe Preisgeld erhalten wie die Männer. Auch das ist bei anderen Actionsport-Wettkämpfen noch keinesfalls die Regel.

Wo ist der Weltmeister?

Dominik Gührs schaute beim Wakeboard-Finale zu. Wie 2017, als der zweimalige Weltmeister aus München in der Qualifikation scheiterte. 2018 verbrachte er nach einem Trainingssturz im Krankenhaus. Und 2019? Aus in der Qualifikation. Als Letzter. Schon am Freitag hatte Gührs geahnt, dass es wieder nichts werden würde mit ihm und Mash. "Die Sonne blendet am Kicker, man sieht bei der Landung fast nichts", sagte der 29-Jährige über das Setup, das schwieriger sei als im Vorjahr. Nach der Qualifikation sagte er: "Meine Schuld, ich bin nicht gut gefahren." Dass er auch beim Teamwettbewerb am Freitagabend nicht mitmachen durfte (die Kapitäne der vier Mannschaften stellten sich ihr eigenes Team zusammen, Gührs wurde nicht gefragt), fand er ebenfalls schade. Wie den Modus, nach dem die Kapitäne aus dem Teamwettbewerb direkt fürs Halbfinale im Einzel gesetzt waren - und so die Qualifikation umschifften. "Ich habe dieses Prinzip nicht verstanden", sagte Gührs, anderen ging es offenbar ähnlich, "aber es ist auch keine Tragödie. Am Montag war er schon wieder unterwegs, bei Filmaufnahmen in Nürnberg. Und Mash? "Ist trotzdem ein megagutes Event." Gührs möchte 2020 wiederkommen - und es dann aber wirklich wissen in seinem Wohnzimmer.

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