BMW Open Schlechte Phase

„Wenn alles zusammenkommt, weiß ich, dass ich gefährlich bin“: In München war Peter Gojowczyk nicht gefährlich genug – und verlor früh.

(Foto: Lackovic/Imago)

Peter Gojowczyk sucht wie viele andere deutsche Tennisprofis in diesen Tagen nach seiner Form - in München scheitert er in der Qualifikation.

Von Max Ferstl

Peter Gojowczyk sitzt am Montagnachmittag im Restaurant des MTTC Iphitos München und schaut durch die hohen Fenster nach draußen. Die Menschen, die vorbeieilen, haben sich die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen oder ducken sich unter Schirme. Bekannte Szenen bei den BMW Open, dem Münchner Traditionsturnier: es regnet, es ist kalt, "zum Glück schneit es nicht", sagt Gojowczyk. Das Wetter könnte also schlechter sein, doch richtig gut ist es auch nicht. Sein Tennis fühlt sich zurzeit ganz ähnlich an.

Der 29-jährige Münchner hat am Samstag in der ersten Runde der Qualifikation gegen den Tschechen Lukas Rosol verloren, 4:6, 6:2, 4:6. Gojowczyk hat im dritten Satz aus Ärger einen Schläger zerbrochen und das Wrack einem Kind geschenkt. "Ich bin mit Frust rausgegangen", sagt Gojowczyk. Zwar ist das Turnier für ihn noch nicht ganz vorbei, dank einer Wildcard tritt er im Doppel zusammen mit Matthias Bachinger an, seinem Mannschaftskollegen aus der Bundesliga beim TC Großhesselohe. Aber es klemmt ja gerade im Einzel. Gojowczyk steht noch auf Position 82 in der Weltrangliste, er war schon mal 39ter. "Natürlich könnte das Jahr besser sein", findet er.

Nicht immer lässt sich erklären, warum ein Tennisspieler plötzlich Spiele verliert, die er vor einem Jahr vermutlich gewonnen hätte. Die Form kann ganz beiläufig abhandenkommen, wie ein Schlüssel. Gojowczyk ist körperlich fit, nichts zwickt. Sein hartes Spiel, das ohne Schnörkel auskommt, das selbst den Weltbesten wie Rafael Nadal Probleme bereiten kann, funktioniert im Grunde. Am Samstag gegen Rosol hatte Gojowczyk sogar einen Punkt mehr gewonnen, allein im dritten Satz hatte er sechs Mal die Chance, dem Gegner den Aufschlag abzunehmen - doch er nutzte keine einzige. Es war wie so oft in diesem Jahr: Die knappen Spiele gewinnt meistens der Gegner.

Schon in der Vorwoche in Budapest war es so gewesen, Niederlage gegen Nikoloz Basilashvili. Oder in Auckland gegen Fabio Fognini. Oder in Marseille gegen Gilles Simon. Gerade die knappen Niederlagen bleiben haften. "Das Selbstvertrauen geht flöten", sagt Gojowczyk. In den wichtigen Situationen spiele er plötzlich den falschen Ball, gehe im falschen Moment vor ans Netz, riskiere zu wenig beim Aufschlag. Gojowczyk sagt: "Solche Phasen gibt es im Tennis."

Er kennt auch die guten. Sie sind nicht lange her: 2018 schaffte es Gojowczyk bei den Turnieren in Delray Beach und Genf jeweils ins Finale. Es war eine Bestätigung, dass er zur erweiterten Weltspitze gehörte. Im Vorjahr hatte er in Metz überraschend seinen bislang einzigen Titel auf der ATP-Tour gewonnen, als er aus der Qualifikation durch das Feld pflügte. Zu der Zeit war Gojowczyk das Symbol für eine neue Ausgeglichenheit im deutschen Tennis, weil sieben Deutsche unter den besten 70 der Welt standen. Im Frühjahr 2019 ist er, wie so viele deutschen Männer, eher ein Formsuchender.

Erfolgreiches Tennis spielt zurzeit eigentlich nur Jan-Lennard Struff, der gerade in Barcelona das Viertelfinale erreicht hat und dort in zwei knappen Sätzen gegen den weltbesten Sandplatzspieler Rafael Nadal verlor. Der Rest kämpft. Alexander Zverev, Deutschlands bester Tennisprofi, erlebt die bisher wohl komplizierteste Phase seiner noch jungen Karriere. Philipp Kohlschreiber, dreimaliger Sieger des Münchner Turniers, wird immer wieder von kleinen Blessuren belästigt. Maximilian Marterer, Halbfinalist im Vorjahr, muss sich noch daran gewöhnen, jede Woche gegen hochkarätige Gegner anzutreten. Und Rudolf Molleker, wohl das größte deutsche Talent im Moment, ist mit 18 zu jung, um prägender Spieler auf der Tour zu sein.

So ein Spieler will Gojowczyk wieder werden. "Wenn alles zusammenkommt weiß ich, dass ich gefährlich bin." Nächste Woche wird er in München trainieren. Dann weiterreisen zum Mastersturnier in Rom, danach die French Open. Bei einem Grand Slam würde er gerne einmal richtig gut spielen, was ihm bislang nicht gelungen sei. Er hofft, in die Top 50 der Welt zurückzukehren - was einige Annehmlichkeiten mit sich bringen würde. Er müsste sich zum Beispiel keine Gedanken mehr darüber machen, ob er es bei den kleineren Turnieren gerade noch ins Hauptfeld schafft oder doch die Qualifikation spielen muss. Alles wäre einfacher, leichter planbar - und so ganz anders als das Wetter in München, Ende April.