BMW Open:Ausflug ins Blaue

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Jan Choinski Tennis BMW Open

Kraftsparend erreicht Jan Choinski die Qualifikation der BMW Open. Auf dem Weg zu seiner Wildcard verliert er keinen einzigen Satz.

(Foto: Florian Heer)

Am Samstag beginnt die Qualifikation der BMW Open. Die erste Entscheidung ist gefallen - zwischen zwei Flughafen-Terminals.

Von Carolin Ranz

Den Knöchel in Eis gepackt, sitzt Andrew Ruppli auf einer Bank in der Sonne. Der Krankenwagen fährt gerade ohne ihn wieder ab, seine Schmerzen sind mit Tabletten gelindert. Die Wildcard für die am Samstag beginnende Qualifikation der BMW Open hat der Tennisspieler verpasst. Nach nicht einmal 15 Minuten Spielzeit knickte Ruppli im Finale beim Abstoppen um, ein lauter Schrei, und der Schweizer lag in der Ecke des Spielfelds, mit schmerzverzerrtem Gesicht. Das war's. "Es war ein guter Schlag, ich wollte den Ball unbedingt erreichen", erzählt der 20-Jährige und kann schon wieder lächeln: "Er hat die Wildcard absolut verdient, es ist nur eine Schande, dass ich sie ihm so leicht überlassen habe."

Mit "er" meint Ruppli Jan Choinski. Einen 18-jährigen Nachwuchsspieler mit stahlblauen Augen, Sommersprossen und großer Ähnlichkeit mit dem Top-Ten-Spieler Tomas Berdych. Von den Top Ten ist Choinski weit entfernt, er steht auf Platz 597 der Weltrangliste. Für sein Alter beachtlich, aber nicht gut genug, um die Qualifikation für ein ATP-Turnier wie die BMW Open über das Ranking zu schaffen.

Deshalb sind sie hier, Ruppli, Choinski und 22 andere Nachwuchsspieler, neun davon aus München. Sie alle kämpfen um eine Freikarte für die Qualifikation, um die Chance also, sich dort bis ins Hauptfeld der BMW Open zu spielen und Größen wie Andy Murray oder Tommy Haas herauszufordern. "Als an eins Gesetzter hatte ich von Beginn an die Mission, dieses Turnier zu gewinnen und mir die Wildcard zu holen", sagte Choinski - bereits vor dem Finale.

Die Umgebung ist gewöhnungsbedürftig: Zwischen Terminal eins und zwei des Münchner Flughafens ist auf einem großen Platz eine Tribüne für 200 Zuschauer aufgebaut, Passagiere überbrücken hier ihre Wartezeit, Flughafenmitarbeiter genießen in ihrer Mittagspause mehr die Sonne als die Tennismatches. Mancher Reisende blickt verwundert, als er die Tennisfelder zwischen Einkaufsläden und Gaststätten bemerkt. Es sind zwei blaue Hartplätze, inmitten der Sandplatz-Saison.

Auch einige Regeln sind ungewöhnlich, ein "Versuchsballon", wie Organisator Uli Sprenglewski sagt. Nur vier statt sechs Spiele benötigt man zum Satzgewinn, dafür geht jede Partie über drei Gewinnsätze. Die Vorteilsregel nach dem 40:40 ist ebenfalls außer Kraft, wer bei Einstand den nächsten Punkt macht, gewinnt das Spiel. Der Modus soll die Matches dynamischer machen, Entscheidungen schneller herbeiführen. Ein Denkanstoß für die Spielervereinigung ATP, die selbst schon länger über mögliche Modernisierungen nachdenkt. Choinskis Eindruck: "Es kommt viel mehr darauf an, den eigenen Aufschlag zu halten, weil man nicht so viel Zeit hat, sich das Break zurückzuholen."

Ein Break kassiert Choinski während des gesamten Turniers nicht, der favorisierte Koblenzer verliert keinen Satz. Seinen Halbfinalgegner Richard Malobicky schickt er von einer Ecke in die andere, spielt die Bälle immer wieder nah an die Linien. Nach dem ersten Satz tritt Malobicky frustriert gegen seine Tennistasche. Choinski bleibt fokussiert, rückt noch mal die weiße Tennismütze zurecht und schlägt zum neuen Satz auf. Manchmal kommentiert er genervt einen missglückten Schlag. "Man sollte jedes Spiel so spielen, wie man auch gegen die Besten spielen würde, egal was für ein Gegner, egal was für ein Platz", erklärt Choinski später seine Einstellung, während er sich mit Pommes und Cola auf das Finale vorbereitet.

Dieses Finale beginnt mit vielversprechenden, langen Ballwechseln, die Szenenapplaus bekommen, aber es wird ja dann schon beim Stand von 1:1 abgebrochen. "Das passiert manchmal, sehr schade. Es wäre bestimmt ein gutes Match geworden", resümiert Choinski, nachdem er die übergroße Wildcard aus Pappe von Patrik Kühnen entgegengenommen hat, dem Turnierdirektor. Immerhin hat er sich Kraft für die Qualifikation gespart, in der er noch viel vorhat: "Es wird schwer, aber wenn ich gut spiele, kann ich vielleicht ein paar Matches bestreiten." Auf wen Choinski am Samstag trifft, entscheidet sich erst am Freitagabend. Für die Qualifikation hat er sich noch einige Tage lang in München vorbereitet. Nicht auf Hartplatz, sondern auf Sand. So wie es in dieser Saisonphase üblich ist.

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