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Billard:Meister der Herzen

Billard, Dreiband, Carambolage

Feindschaften und Meinungsverschiedenheiten mit dem Münchner Lokalrivalen? "Die Zeiten sind vorbei", sagt Christos Christodoulidis, der mit dem BC München knapp den DM-Titel verpasste.

(Foto: Claus Schunk)

Ein Mann, ein Dreiband-Bundesligist: Christos Christodoulidis und der BC München.

Von Marcel Bothe

Als Christos Christodoulidis 1994 in den Dreiband-Billard-Verein BSV München eingetreten ist, hätte er wohl nicht damit gerechnet, dass er neun Jahre später wieder austreten würde, um seinen eigenen Dreiband-Klub zu gründen. Dass er dreizehn Jahre später mit diesem Verein um die deutsche Meisterschaft spielen würde. Und er hätte wohl auch nicht damit gerechnet, dass diese Meisterschaft an einem verpassten Zug scheitern würde.

In Wuppertal geboren, zog Christodoulidis 1979 mit seinen Eltern nach Bayern. In Dachau hatte er Poolbillard gespielt, "wie alle damals". Dann sah er dort ältere Herren, die etwas anderes spielten, "es ist mir anspruchsvoller vorgekommen": Dreiband. "Es ist die Königsdisziplin im Billard", sagt Christodoulidis, die Regeln sind recht simpel: Es gibt drei Kugeln, jeder der zwei Spieler hat eine Kugel, die die anderen beiden Kugeln treffen muss, vor der Karambolage mit der letzten Kugel muss die eigene Kugel aber mindestens drei Mal die Bande berührt haben. Das Interesse von Christodoulidis war geweckt, verstärkt durch seinen Aufenthalt in Griechenland, wo er Biologie studierte und wo es "schöne Klubs" gab. Zurück in Deutschland, trat er 1994 in den BSV München ein, den damals einzigen Dreibandklub in München. Dort blieb er neun Jahre, bekam dann Hausverbot, weil er sich gegen die jüngsten Entwicklungen wehrte: Wolfgang Bleimuth, der Wirt der Vereinsgaststätte, übernahm auch noch den Posten des Vorsitzenden. "Das wäre, wie wenn Golf- oder Tennisspieler ihre Sportanlage nur dann nutzen können, wenn der integrierte Würstlbuden-Betreiber bereit ist, seinen Laden aufzusperren", heißt es auf der Homepage des BC, die Gewaltenteilung sei damit aufgehoben worden. Durch das Hausverbot konnte Christodoulidis nicht mehr trainieren, "der BSV hatte das Monopol in München", sagt er heute. Zusammen mit Bernhard Haage, der auch Hausverbot bekam, sei er also "gezwungen gewesen", einen eigenen Verein zu gründen: den BC München. Seit 2015 spielt der Klub in der ersten Bundesliga, 2016 verpasste er die deutsche Meisterschaft nur knapp und wurde Zweiter. Am Sonntag bot sich nun die nächste Gelegenheit zum Titel. Es gehört zu den Kuriositäten dieser Geschichte, dass der Gegner der BSV München war, und der Gegner von Christodoulidis in der ersten Partie rundet sie ab: Wolfgang Bleimuth - der Mann, der damals die Gewaltenteilung begrub. Christodoulidis gewann deutlich, mit 40:18. Von einer Feindschaft will er aber nichts mehr wissen, "die Zeiten sind vorbei". Auch die Tatsache, dass der BSV schon vor der Partie abgestiegen war, bereitet ihm keine Schadenfreude, damals habe es eben Meinungsverschiedenheiten gegeben, "die sich gelegt haben". Vielmehr hatte er ja noch das große Ziel vor Augen, die Meisterschaft, und es lief gut: Am Nebentisch siegte Johann Schirmbrand, und auch die beiden Profispieler Kostas Papakonstantinou und Lütfi Çenet, die eigens für die Spiele eingeflogen werden, gewannen ihre Partien. Es reichte jedoch nicht für die Meisterschaft, da der Tabellenführer BC Elversberg parallel sein Spiel gewann, damit herrschte Punktgleichheit zwischen München und Elversberg. Die Differenz der gewonnenen Einzelpartien sprach für Elversberg, für München bedeutete das wie im Vorjahr Rang zwei. In der Gaststätte herrschte der Trotz, "andere wären froh, wenn sie Zweiter werden", hallte es von der einen Seite, "wir sind der Meister der Herzen" von der anderen.

Man erinnerte sich auch an den ersten Spieltag, als Johann Schirmbrand seinen Zug aus Berlin verpasst hatte, zu spät zu seiner Partie kam, sie dann verlor. In der Gesamtwertung gewann dennoch der BC, und Gegner Magdeburg legte Protest ein. Diesem stimmte die Deutsche Billard-Union (DBU) wenige Tage vor dem letzten Spieltag zu, München wurden zwei Punkte abgezogen, plötzlich waren sie nur noch Zweiter. Die DBU argumentierte in ihrer Urteilsbegründung, dass der als Nummer vier gesetzte Christodoulidis ohne den Einsatz Schirmbrands an Brett drei gespielt hätte und sein tatsächlich gespieltes Spiel nicht gewonnen - da nicht gespielt - hätte. Christodoulidis aber sagt: "Das ist falsch. Laut Meldeliste hätte Wolfgang Zenkner an Brett drei gespielt" - eben dort, wo Schirmbrand seine Partie eh verlor. Ob Schirmbrand also angetreten wäre oder nicht, hätte keinen Einfluss auf den Ausgang der Gesamtwertung gehabt, die München gewann. Dennoch wurden ihnen die zwei Punkte abgezogen, die nun zur Meisterschaft fehlten. Mitinitiator Bernhard Haage sprach aus, was wohl alle dachten: "Schade, dass es nicht sportlich entschieden wurde."

© SZ vom 26.05.2017

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