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Billard:Kaiserstimmung

Dank Ausnahmekönnern wie Albin Ouschan ist Dachau am Ziel.

(Foto: Toni Heigl)

Die Poolbillard-Mannschaft des BSV Dachau ist vorzeitig deutscher Meister

Von Nils Steenbock, Dachau

Am Ende war sogar der Kaiser sichtlich gerührt. Während ihn die Anhänger mit Sprechchören feierten, war zu spüren, wie nahe ihm dieser Erfolg ging. In seiner langen Karriere hatte selbst er so eine besondere Saison selten erlebt. Der Kaiser sagte also mit brüchiger Stimme: "So etwas, das gibt es nur hier." Bevor ihn die Tränen übermannten, ballte er die Fäuste und setzte sein Siegerlächeln auf. "Das ist die beste Mannschaft, die jemals gespielt hat", rief er zu den Fans.

Der Kaiser, das ist Ralf Souquet. Er ist die lebende Legende des deutschen Poolbillards, mehrmaliger Welt- und Europameister und Kapitän des BSV Dachau, mit dem er am Sonntag die deutsche Meisterschaft feierte. Mit einem 7:1-Erfolg gegen den Rekordmeister BC Oberhausen sicherten sich die Dachauer zwei Spieltage vor Saisonende den Titel. "Das war eine Demonstration des Willens. Man hat gesehen, dass die beste Mannschaft Europas in Dachau spielt", fand Andreas Huber, erster Vorsitzender und Trainer beim BSV. In Bezug auf seine Mannschaft erscheint ihm ohnehin kein Superlativ überhöht - die Spieler bestätigen das regelmäßig. Neben Souquet, Dritter der europäischen Rangliste, gehören Albin Ouschan, die Nummer drei der Welt, und Spaniens Nummer eins David Alcaide zum Meisterteam. Dazu der österreichische Nationalspieler Mario He und Manuel Ederer, großer Hoffnungsträger des deutschen Billards. Diese einzigartige Klasse blieb nur am ersten Spieltag gegen den PBC Schwerte im Verborgenen, der 3:5-Niederlage gegen den Titelverteidiger folgten jedoch ausnahmslos Siege - die meisten davon ziemlich souverän.

Nachdem die Dachauer bei der Pflichtaufgabe am Samstag gegen den BC Queue Hamburg (5:3) noch ein wenig zittern mussten, ließ das Team gegen Oberhausen keinen Zweifel an seiner Favoritenrolle aufkommen. Die Vorentscheidung gelang dabei Manuel Ederer, dessen letzten Stoß die bekannt lauten Fans mit einer La Ola begleiteten. "Die Vorfreude war größer als der Druck", sagte der ehemalige Junioren-Europameister über die entscheidende Szene. Obwohl er selbst zu den großen Namen der Szene gehört, strahlte er fast wie ein Kind, als er über Souquet sprach: "Mit Ralf zu spielen ist das Beste, was mir passieren konnte. Davon träume ich, seit ich 13 Jahre alt bin."

Auch Huber gerät ins Schwärmen, wenn es um seinen Kapitän geht: "Ralf spielt die Saison seines Lebens. Er hat genug Biss für die ganze Mannschaft." Souquet selbst war vor allem erleichtert, dass die Dachauer nach zwei Jahren, in denen sie den Titel knapp verpassten, endlich deutscher Meister sind. Dass der 47-Jährige, der den Großteil des Jahres auf der Billardtour verbringt, überhaupt wieder in einer Mannschaft spielt, liegt an der besonderen Atmosphäre in Dachau. "Sogar bei Auswärtsspielen bringen wir Fans mit. Das hat kein anderes Team. Wir sind hier wirklich eine große Familie", sagte Souquet.

Dieses Mia-san-mia-Gefühl kommt nicht überall gut an. Huber kokettiert gerne damit, dass der BSV und seine Pooligans, so nennen sich die Anhänger des Klubs, nicht immer auf Gegenliebe stoßen: "Viele andere Vereine hassen uns wie die Pest." Auch mit dem Verband gerieten die Dachauer aneinander, in der vergangenen Spielzeit kassierte der Klub zwei Niederlagen, weil die Topspieler auf der Tour unterwegs waren. Huber hatte die Partien verlegen wollen, der Verband lehnte ab. "Uns wurde der Titel gestohlen", schimpft der Vorsitzende noch heute.

Umso mehr freuen sich die Dachauer jetzt über die erste Meisterschaft seit zehn Jahren. Bereits am Sonntag im Vereinsheim Triple B starteten die Feierlichkeiten. Die große Party soll dann im Mai steigen, nach dem letzten Spieltag. Bis dahin soll auch die Zukunft des Teams geklärt sein. Noch hat Huber mit seinen Topspielern nicht über die kommende Serie gesprochen. Wenn es nach ihm geht, wird die Dominanz des BSV Dachau auch in der nächsten Saison fortgesetzt. Ausschlaggebend dafür dürfte sein, dass der Kaiser weitermacht. Der wollte sich auch im Überschwang der Gefühle zu nichts hinreißen lassen: "Ich werde versuchen, so oft ich kann für Mannschaft und Verein da zu sein", sagte Souquet. Ein Kaiser verliert nie die Contenance.

© SZ vom 22.03.2016

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