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Billard:Ehrensache

Der BSV-Vorsitzende Andreas Huber hat in Dachau die Strukturen geschaffen, um aus seinem Klub einen Serienmeister zu machen. Die Konkurrenz rätselt, wie das zu verhindern ist.

(Foto: Toni Heigl)

Der Freistaat Bayern zeichnet den Dachauer Poolbillard-Pionier, langjährigen Bundestrainer und Vorsitzenden des BSV Dachau, Andreas Huber, aus.

Von Ralf Tögel, Dachau

Den 1. Dezember wird sich Andreas Huber sicher frei halten. An jenem Freitag nämlich hat er einen Termin in Schwabach, vor den Toren Nürnbergs, genauer gesagt im Markgrafensaal in der Ludwigstraße. Dort wird sich Huber mit Joachim Herrmann treffen, seines Zeichens bayerischer Staatsminister des Innern, für Bau und Verkehr.

Zu den Zuständigkeitsbereichen Herrmanns zählt auch das Ressort Sport, womit man schon beim übergeordneten Thema der Zusammenkunft wäre: Huber wird vom Freistaat mit der Ehrenmedaille für besondere Verdienste um den Sport in Bayern ausgezeichnet. Es ist eine Anerkennung für herausragendes Engagement im Ehrenamt an verdienstvolle Persönlichkeiten aus bayerischen Sport- und Schützenvereinen, wie im gestelzten Politikerdeutsch erklärt wird.

In Andreas Huber trifft es keinen Falschen. Der gebürtige Dachauer ist nicht nur der Erfinder des erfolgreichen Poolbillardklubs in der Großen Kreisstadt. Andreas Huber war jahrelang Bundestrainer, hat die Billard-Akademie Dachau gegründet, Lehrbücher geschrieben, Trainingsprogramme entwickelt, Nationalspieler geformt, er ist seit 20 Jahren Vorsitzender des deutschen Meisters BSV Dachau und nach wie vor Cheftrainer des bayerischen Billardverbands. Der 48-Jährige lebt Billard und er hat eine Vision, die er geradezu missionarisch verfolgt: Er will Poolbillard von seinem miefigen Image befreien und als das darstellen, was es seiner Meinung nach ist - Leistungssport.

Dafür hat er in Dachau mit nimmermüdem Einsatz ein Team gebastelt, das mindestens hierzulande seinesgleichen sucht. Die Dachauer Spitzenspieler Ralf Souquet, Deutschlands lebende Pool-Legende, der Spanier David Alcaide, die Österreicher Albin Ouschan und Mario He, sowie Manuel Ederer haben klingende Namen in der internationalen Billard-Szene, die traditionell von Asien und Übersee dominiert ist. Souquet und Alcaide spielen demnächst im Team Europa gegen Amerika beim Mosconi-Cup, nicht selten begegnen sich Dachauer Teamkollegen in den finalen Spielen bei Europa- oder Weltmeisterschaften.

Wenn es um Billard geht, kann Huber auch unbequem sein. Er hat sich immer wieder mit Spitzenfunktionären überworfen, fühlte sich oft wegen neuer Ausländerregelungen oder verbotener Spielverlegungen gegängelt. In Dachau hat er seinen Billardsportverein zu einer wichtigen Marke geformt, bundesweit erfährt der Nischensport durch ihn mehr Öffentlichkeit. Wie im Jahr 2011 etwa, als Huber - seinerzeit noch Bundestrainer - dem Fußballnationalspieler Arne Friedrich im Aktuellen Sportstudio vor den Augen der Nation ein paar Kunststöße beibrachte.

© SZ vom 09.11.2017

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