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Behindertensport:"Fahrlässig"

Denise Schindler

„Persönliche Ambitionen auf Gold, Silber und Bronze müssen jetzt zurückstehen“: Paracyclerin Denise Schindler ist für eine Verschiebung der Spiele ins Jahr 2021.

(Foto: Jens Büttner/dpa)

Paracyclerin Denise Schindler hat bei der WM in Kanada die Kriterien für die Olympischen Spiele erfüllt. Nun spricht sie sich gegen Tokio 2020 aus.

Die Olchinger Paracyclerin Denise Schindler hat sich klar gegen eine Austragung der Olympischen Spiele und Paralympics 2020 in Tokio ausgesprochen. "Es ist unverantwortlich und widerspricht dem olympischen Geist, die Spiele während einer weltweiten Ausbreitung des Coronavirus stattfinden zu lassen. Wir Athleten lieben die Olympischen Spiele, aber genau deswegen ist es jetzt richtig, sie auf 2021 zu verschieben", sagte die 34-jährige gebürtige Chemnitzerin, die in Olching lebt, in einer Mitteilung. Schindler ist damit nach eigenen Angaben die erste prominente deutsche Behindertensportlerin, die für eine Verlegung der Spiele votiert.

Die dreimalige Medaillengewinnerin von London 2012 und Rio de Janeiro 2016 hatte Anfang Februar durch zwei Bronzemedaillen bei der Bahnrad-Weltmeisterschaft in Kanada die Qualifikationskriterien für Tokio erfüllt. Die 34-Jährige, die als Kleinkind bei der Kollision mit einer Straßenbahn in ihrer Geburtsstadt Chemnitz den rechten Unterschenkel verlor, nennt als Hauptgrund für ihren Wunsch nach Verschiebung, die Sportler und die Bevölkerung zu schützen. "Das IOC hat eine Schutzpflicht gegenüber den Athletinnen und Athleten. Es wäre fahrlässig, 25 000 Athleten mit Betreuern und Funktionären durch die Welt reisen zu lassen. Wollen wir wirklich, dass der Sport für einen erneuten Anstieg der Infektionen weltweit verantwortlich ist?"

Für Schindler ist eine Verlegung der Spiele auf 2021 die sportlich fairste Lösung. "Dieser Zeitgewinn ist wichtig. Ein Jahr später gibt es wahrscheinlich einen Impfstoff, mehr Menschen sind immun gegen das Virus. Persönliche Ambitionen auf Gold, Silber und Bronze müssen jetzt zurückstehen."

© SZ vom 24.03.2020
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