Beachvolleyball:Kaltstart in München

Lesezeit: 3 min

Beachvolleyball-Studenten-WM im Olympiapark

Schnick, schnack, schnuck? Manches ist im Zusammenspiel von Leonie Klinke (links) und Leonie Körtzinger bislang noch dem Zufall überlassen.

(Foto: Florian Peljak)

Leonie Körtzinger, eigentlich die Schwangerschafts­vertretung für Olympiasiegerin Laura Ludwig, spielt bei der Studenten-WM schon wieder mit einer neuen Partnerin.

Von Fabian Dilger

Wenn Leonie Körtzinger blockt, dann wird es finster. So empfindet das zumindest der Stadionsprecher auf dem Center Court im Münchner Olympiapark. Körtzinger steht dort zusammen mit ihrer Partnerin Leonie Klinke am Dienstag im Sand, für das letzte Vorrundenspiel gegen zwei Polinnen, und zu Beginn des Matches wehrt sie tatsächlich alles ab, was die Gegnerinnen über das Netz schmettern.

Die 21-jährige Körtzinger ist die bekannteste deutsche Spielerin bei der Studenten-Weltmeisterschaft im Beachvolleyball, die noch bis Freitag auf der neuen Anlage der Technischen Universität München stattfindet. Vorher beim Einlaufen hat der Stadionsprecher noch mit der Attraktion Körtzinger geworben: In diesem Sommer spielt die 1,88 Meter große Blockspielerin nämlich zusammen mit Olympiasiegerin Kira Walkenhorst die Turniere der nationalen Beach-Tour. Körtzinger ist gewissermaßen eine Schwangerschaftsvertretung. Die andere Hälfte des Gold-Duos von Rio de Janeiro, Laura Ludwig, macht gerade eine Babypause.

Kira Walkenhorst, 27, die zu alt für die WM in München ist, hat ihrer neuen, sechs Jahre jüngeren Partnerin viel Erfolg gewünscht für das Turnier. "Ich würde fast sagen, das Niveau hier ist besser", sagt Körtzinger, im Vergleich zur deutschen Tour meint sie damit. Kurzer Blickwechsel mit ihrer Partnerin Leonie Klinke: "Gleich." Auch das ist schon eine Auszeichnung, denn die nationale Tour gilt als eine der stärksten der Welt.

Es gibt in München Exoten unter den 29 Teilnehmerländern, wie Sri Lanka, die derbe Niederlagen erleiden. Andere Teams sind sehr stark, aus den USA kommen zum Beispiel die Studenten der großen Sport-Universitäten, die vorher eine Ausscheidung gespielt haben. Auf der deutschen Beach-Tour sind die Gegner zudem nicht solche Wundertüten wie hier in München: "Ich spiele seit einem Jahr gegen die gleichen Gegner, man kennt sie", sagt Körtzinger, die in Hamburg Psychologie studiert und schon sehr professionell auftritt.

Das Duo Körtzinger/Klinke startet in München unter erschwerten Bedingungen. Die beiden haben noch nie zusammen ein Turnier gespielt, nur gegeneinander - zum Beispiel das Finale bei der deutschen U-19-Meisterschaft. Vor der WM haben sie erst viermal gemeinsam trainiert. Leonie Klinke wechselte dafür ihre Position von der rechten auf die linke Seite. Normalerweise dauert es nicht Tage, sondern Monate, bis sich Beachvolleyballer auf so eine neue Situation eingestellt haben. Nachwuchs-Bundestrainer Jörg Ahmann hat dieses Duo auch deshalb für die Studenten-WM nominiert, weil es sich für die U-22-EM Ende Juli in Riga einspielen soll. Aber auf diesem Level ist ein solcher Kaltstart nicht ganz einfach. "Ein tougher Einstieg", sagt Körtzinger. Trainer Ahmann ergänzt: "Das Niveau, das hier gespielt wird, ist vergleichbar mit den Top 5 bei der U-22-EM." Was hilft: Beide Frauen reden gerne viel auf dem Platz, kommunizieren, feuern sich an. "Wir sprechen jeden Aufschlag vorher ab", erzählt Körtzinger. Weil sie neu zusammengestellt wurden, wollen sie lieber keine Prognose für den Turnierverlauf abgeben. Bei knappen Spielen entscheiden die Kleinigkeiten, die besser eingespielten Teams sind dann meist im Vorteil. "Wir freuen uns über jedes Spiel", sagt Körtzinger.

Ziel des Duos ist die U-22-EM in Riga. Dafür wechselte Leonie Klinke sogar spontan die Feldseite

Auf der nationalen Tour mit Walkenhorst hat sich Leonie Körtzinger schnell zurechtgefunden. Bei drei gemeinsamen Turnieren sind bereits zwei zweite Plätze herausgesprungen. Walkenhorst kommt nach Operationen im Winter und einer Phase der Rehabilitation langsam wieder auf ihr gewohntes Level. "Es wird bei Kira von Woche zu Woche besser", sagt Körtzinger. Ahmann sieht bei seiner Nachwuchsspielerin ebenfalls eine Entwicklung: "Sie lernt extrem viel, weil sie mit Kira spielt, die Art und Weise, auf dem Feld zu kommunizieren, alles zu besprechen. Sie saugt das alles auf und profitiert davon." Die Schwangerschaftsvertretung ist allerdings nur für diesen einen Sommer geplant. Danach übernimmt wieder Laura Ludwig.

Für Körtzinger und Klinke wird die U-22-EM das letzte Turnier im Jugendbereich sein. In Zukunft wollen sich beide auf der nationalen Tour etablieren, Anschluss an die internationalen Turniere finden. Das langfristige Ziel für Leonie Körtzinger ist Olympia 2024. Sie ist als Perspektivspielerin eingeplant. "Irgendwann wird sie auf der World Tour anfangen", prophezeit Ahmann, der bei Körtzinger viele Voraussetzungen dafür sieht. "Sie bringt alles mit, hat die Größe, springt trotzdem, sie nimmt inzwischen ziemlich gut an und hat einen guten Schlag."

Der Matchball im Spiel gegen die Polinnen: Der letzte Angriffsschlag der Gegnerinnen landet im Aus, die Polin beschwert sich noch, dass Körtzinger ihren Angriff beim Block mit der Hand touchiert habe. Manche Zuschauer auf den Rängen sehen das ganz ähnlich, aber der Schiedsrichter entscheidet für die Deutschen. Als die Polin Körtzinger direkt anspricht, ob sie am Ball war, verneint diese. Das Spiel ist aus. Ob dran oder nicht: Es war ein enges, dramatisches Duell. Und eines, in dem das neu formierte Duo wieder viele Dinge für die anstehende Junioren-EM gelernt hat.

Danach ist allerdings schnell Schluss für die beiden in München. Wegen einer Muskelverletzung von Leonie Klinke müssen sie nach der Vorrunde aufgeben.

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