Süddeutsche Zeitung

Beachvolleyball:Feiern ohne Fans

Mieses Wetter, guter Sport: Bayerns Beachvolleyballer küren im Olympiapark ihre Meister. Die siegreichen Sagstetter-Brüder stehen für einen Generationenwechsel, der bei den Frauen ausbleibt.

Von Sebastian Winter

Am Ende hatten die beiden Brüder leichtes Spiel. Mit 21:17 und 21:10 düpierten Jonas und Benedikt Sagstetter, die für den SC 53 Landshut starten, im Finale Vincent Graven vom ASV Dachau und Laurenz Welsch (TSV Herrsching). Sepp Wolf, der Trainer der Unterlegenen, hatte schon vor dem Endspiel gemutmaßt, dass seine Schützlinge, die als krasser Außenseiter ins Turnier gestartet waren, wohl zu zufrieden sein würden mit dem Finaleinzug. Und dass ihnen deshalb ein wenig der Esprit fehlen würde. Die Sagstetters gaben ihnen aber auch keinerlei Raum für das eigene Spiel. So wurden die Brüder völlig verdient zum ersten Mal überhaupt bayerischer Beachvolleyball-Meister. Und das noch im Trockenen, bevor am Sonntagnachmittag pünktlich zum Frauenfinale das nächste Regenband über die Anlage des Zentralen Hochschulsports im Münchner Olympiapark zog.

Ihr Gesellenstück hatten die künftig in der Halle für Erstliganeuling TSV Unterhaching spielenden Setzlisten-Ersten ohnehin schon im Halbfinale abgeliefert. Dort räumten sie ihre an diesem Wochenende wohl gefährlichsten Konkurrenten, die erfahrenen langjährigen Erstligaspieler Julius Höfer und Benedikt Doranth (TSV Grafing) in einem dramatischen, sehr niveauvollen Dreisatz-Duell mit beeindruckender Coolness aus dem Weg - Jonas Sagstetter ist immerhin erst 21, Benedikt gerade 19. Es war das vorweggenommene Endspiel eines Turniers, in dem sich der Generationenwechsel im bayerischen Beachvolleyball - zumindest bei den Männern - überdeutlich zeigte.

Nicht nur wegen der Niederlage von Höfer und Doranth, den eigentlichen Favoriten. Sondern vor allem deshalb, weil ihre Finalgegner Graven, 20, und Welsch, 17, ebenfalls zum Pool der jungen bayerischen Talente zählen. Auch wenn ihnen noch die Erfahrung der beiden Brüder fehlt. "Wir haben das ganz gut runtergespielt", sagte Jonas Sagstetter nach der Siegerehrung, bevor er ein wenig stolz hinzufügte: "Megacool, unser erster bayerischer Meistertitel. Das gibt uns auch ein gutes Gefühl für Timmendorf." Am dortigen Strand messen sich die Sagstetters am kommenden Wochenende bei der deutschen Meisterschaft mit der nationalen Elite.

Im hohen Norden sind dann nach aktuellem Stand ein paar Zuschauer zugelassen, anders als am Wochenende im Olympiapark, wo wegen der Corona-Auflagen keine Fans erlaubt waren. Das Organisationsteam des Bayerischen Volleyball-Verbandes (BVV) um Beachvolleyball-Koordinator Andreas Simon hatte trotzdem an fast jeden Laternenmast auf dem ZHS-Gelände Seifenspender befestigt. Statt der üblichen kleinen Zeltstadt gab es nur zwei Pavillons auf dem Gelände; einer fürs Organisationsteam und die Moderatoren des Internet-Livestreams und einer für die Sporttaschen der Spieler. "Wir haben trotz des Regens bewusst auf eine Zeltlandschaft verzichtet, weil wir nicht wollten, dass sich die Leute dort sammeln und die Abstandsregeln nicht einhalten", sagte Simon.

Am Sonntagmorgen bei den Achtelfinals hatte es aus Kübeln geschüttet, am Anfang des Frauenfinals auch, die Sportler hätten auch etwas mehr Wärme vorgestellt als die kaum 15 Grad. Insgesamt war BVV-Koordinator Simon gar nicht mal so unglücklich mit dem mäßigen Wetter, da es sonst womöglich Einlasskontrollen hätte geben müssen. So verloren sich ohnehin nur wenige Menschen im Park. Eine Tribüne gab es wegen der Auflagen sowieso nicht, und auch nicht das übliche Rahmenprogramm mit DJ, Musik und Essensständen. Trotz der eher tristen Atmosphäre zog Simon ein positives Fazit: "Es ist interessant zu sehen, dass der Sport in seiner reinsten Form hier super funktioniert. Es ist ein völlig entspanntes, ruhiges, sportlich hochwertiges Turnier." Ein Schlussakt, dem insgesamt sechs Mastersturniere vorausgegangen waren, auch mit dieser großen Anzahl hatte bei der schwierigen Planung niemand im BVV gerechnet. Das angedachte Turnier in Ebersberg, das im September noch auf die bayerische Meisterschaft folgen sollte, wurde übrigens inzwischen wegen der zu hohen Corona-Auflagen verworfen.

Eine Konstante gab es aber doch auf den Beachplätzen gegenüber der BMW-Welt. Sie bewies, dass bei den Frauen der Generationenwechsel im Gegensatz zu den Männern noch etwas auf sich warten lässt. Denn Michaela Henry, 40, vom SV Lohhof gewann am Sonntag ihre inzwischen sechste Landesmeisterschaft. Henry schlug mit ihrer neuen Partnerin Tiana Nicolaus (Beach4U) im hochklassigen Finale, in dessen Verlauf der Regen wieder aufhörte, die 19-jährige Hanna-Marie Schieder und Kristin Standhardinger (SV Lohhof/München-Ost-Herrsching) mit 21:18, 21:19.

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SZ vom 31.08.2020
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