Beachsoccer Fallrückzieher am laufenden Band

Akrobatisch zum Hattrick: Nationalspieler Julian Franz von den Beach Bazis erzielt sein erstes von drei Toren gegen Waldkraiburg aus der Luft.

(Foto: Claus Schunk)

Die Bavaria Beach Bazis holen sich in der Beachsoccer-Bundesliga Selbstvertrauen für den Saison-Endspurt.

Von Christian Bernhard

Das Spiel war keine zwei Sekunden alt, da ging bereits ein erstes Raunen über die Beachanlage an der Oberschleißheimer Olympia-Regattastrecke. Verantwortlich dafür war ein lupenreiner Seitfallzieher von Ricky Goller. Der 28-Jährige lag quer in der Luft, herum wirbelnde Sandkörner verliehen seiner ästhetischen Aktion noch mehr Flair. Goller landete weich im Sand, musste dort aber trotz Top-Haltungsnoten feststellen, dass sein akrobatischer Schuss geblockt worden war.

Einige Seit- und Fallrückzieher fanden am Samstag aber doch noch den Weg ins Ziel. 8:1 gewannen die Bavaria Beach Bazis das bayerische Beachsoccer-Derby gegen die Beach Boyz aus Waldkraiburg und setzen sich damit in der Bundesliga-Spitzengruppe fest. "Heute hat alles super zusammengepasst", sagte Goller, der ein Tor zum Kantersieg beisteuerte. "Wir waren im athletischen und technischen Bereich überlegen und haben die Ruhe am Ball bewahrt. Dann kamen die Tore von alleine." Am Sonntag legten die Münchner einen 6:2-Sieg gegen den Wuppertaler SV nach. In der Tabelle stehen sie nun mit sechs Siegen und nur einer Niederlage punktgleich unter den besten Drei. Das große Ziel - sich für das Final-Four-Turnier in Warnemünde zu qualifizieren - ist in Reichweite.

Vor zwei Jahren waren die Beach Bazis bereits in Warnemünde, zum ersten Mal in ihrer Geschichte überhaupt. Seitdem hat sich einiges getan - sowohl im Verband (seit 2018 ist die Beachsoccer-Bundesliga unter dem Dach des DFB) als auch beim Münchner Klub. Abteilungsleiter Goller, der bis 2017 als Spielertrainer fungierte, kann sich mittlerweile auf dem Sand voll und ganz aufs Spielen konzentrieren, da die Beach Bazis in Marc Lamberger einen Cheftrainer gefunden haben. Unterstützt wird dieser durch Athletiktrainer Michael Rubin, dessen Arbeit der Mannschaft sehr gut tut. "Das spezifische Athletiktraining ist ein großer Vorteil für uns", sagte Goller, "wir sind physisch sehr stark." Im März startete die Vorbereitung auf die Saison, damals noch aufgrund der Temperaturen in Neoprensocken. Seit April wird intensiv mehrmals pro Woche trainiert.

Beim Beachsoccer geht es darum, den Ball so oft und so kontrolliert wie möglich in der Luft zu halten. So können die Unwägbarkeiten des sandigen Untergrundes am besten umgangen werden. Im Idealfall kommt der Ball durch die Luft Richtung gegnerisches Tor, wo der Abschluss per Fallrückzieher erfolgt. Dass das nicht nur spektakulär aussieht, sondern auch effektiv ist, zeigten die Beach Bazis am Samstag.

Die ersten zwei Treffer von Julian Franz und Philipp Fuss fielen per Fallrückzieher, Franz' 3:0 per Kopf. Im zweiten der jeweils zwölf Minuten langen Drittel zogen die Münchner von 1:0 auf 5:0 davon und entschieden damit frühzeitig die Partie. Goller sprach von einer der stärksten Saisonleistungen seines Teams, wies aber auch darauf hin, dass die Gegner aus Waldkraiburg, die auch ihr sechstes Saisonspiel verloren, einen "sehr schlechten Tag" gehabt und gar nichts ins Spiel gefunden hätten. Anders die Beach Bazis: Sie überzeugten auch in einem Bereich, der auf Sand vielleicht noch wichtiger als auf Rasen ist: bei den Standards. Freistöße werden nämlich ohne Mauer ausgeführt und sind damit - je nach Position - eine gefährliche Waffe. Die Münchner setzten diese im Derby gleich dreimal erfolgreich ein, zweimal durch Sebastian Sommer, einmal durch Nationalspieler Franz, der damit seinen Hattrick komplettierte. "Standard-Varianten sind ein großer Faktor", erklärte Goller.

Für die Beach Bazis geht es schon am kommenden Wochenende weiter, dann im hohen Norden: In Hamburg treffen sie auf Real Münster und den Ibbenbürener SC. Beide Gegner sind wie die Münchner in der sechsköpfigen Spitzengruppe, aus der sich wohl die vier Endrunden-Teams herauskristallisieren werden. "Zwei Kracherspiele", sagte Goller, "das sind jetzt absolut vorentscheidende Wochen." Wochen, für die sich die Bazis auf der heimischen Anlage an der Oberschleißheimer Regattastrecke ordentlich Selbstbewusstsein geholt haben.