Bayernligaderby Die Gunst der richtigen Momente

Anfangs kaum zu stoppen: Fabian Greilinger (li. gegen Clemens Kubina) hatte die erste Chance für 1860.

(Foto: Claus Schunk)

Ismaning stoppt den jüngsten Siegeszug des TSV 1860 II. Die Stijepic-Elf holt sich beim 4:1-Sieg viel Selbstvertrauen.

Von Christian Bernhard

Was er sah, gefiel ihm nicht, also entschied Sebastian Lubojanski sich dafür, lautstark einzugreifen. "Pusht euch", rief der Trainer des TSV 1860 München II seinen Spielern zu. Wenige Sekunden nach seiner Ansage sah er etwas, was seiner Meinung nach "schon sehr ordentlich" war. Eine gut geschlagene Ecke, ein wuchtiger Kopfball, kollektiver Jubel der Spieler in den blauen Trikots. Diese trugen am Samstag allerdings nicht seine Spieler, sondern jene des FC Ismaning. Und die bejubelten nicht nur Angelo Hauks Kopfballtreffer in jener Situation, sondern noch drei weitere Tore. 4:1 (1:0) siegte der FCI am Ende eines Spiels, das in Sachen Spielanteilen und Torchancen keine 4:1-Partie war.

"Wir haben den Gegner erst stark gemacht", sagte Lubojanski, dessen Mannschaft mit der Empfehlung von zwei 4:0-Siegen gegen die Bayernliga-Spitzenmannschaften Pullach und Kottern nach Ismaning gekommen war. Dort erlebte aber nur der FCI einen angenehmen Nachmittag. "Wenn meine Mannschaft Mentalität und Kampfgeist an den Tag legt, dann können wir uns gegen jeden Gegner durchsetzen", erklärte FCI-Trainer Mijo Stijepic. Der Dreier nach drei Wochen Spielpause war wichtig, da auch die Konkurrenz in der unteren Tabellenregion punktete.

"Wir haben es nur ganz selten geschafft, Ruhe ins Spiel zu kriegen", sagt Coach Lubojanski

Die Startphase ließ einiges vermuten - aber sicher keinen Ismaninger 4:1-Sieg. Die Gäste waren läuferisch überlegen und nutzten mit häufigen Spielverlagerungen die ganze Breite des Spielfelds aus. Durch frühes und aggressives Pressing erstickten sie einen kontrollierten Ismaninger Spielaufbau meist im Keim, und wenn der FCI doch mal aufrücken konnte, waren sie mit zahlreichen Spielern schnell hinter dem Ball und verengten die Räume. Die Außenspieler Marin Culjak (links) und Fabian Greilinger (rechts) brachten mit ihren Läufen in die Tiefe immer wieder Gefahr und waren auch für die ersten zwei gefährlichen Szenen verantwortlich. Greilingers Abschluss aus 17 Metern ging knapp am rechten Pfosten vorbei (4.), Culjaks Versuch aus vollem Lauf machte Ismanings Torhüter Sebastian Fritz zunichte (13.). Stijepic machte die "mangelnde "Staffelung" für die Startprobleme seiner Mannschaft verantwortlich, die in dieser Phase nicht einen Schuss aufs Junglöwen-Tor brachte.

Der erste, der ihr gelang, war allerdings gleich drin: Hugo da Silva Lopes schickte Daniel Weber mit einem feinen Pass auf die Reise, und der 20-Jährige blieb vor Tom Kretzschmar im TSV-Tor cool (23.). Sein Team habe zum rechten Zeitpunkt die Tore gemacht, sagte Stijepic hinterher - das 1:0 fiel definitiv in diese Kategorie, da es den Ismaningern etwas Sicherheit verlieh. Der Start in Hälfte zwei gelang den Gastgebern besonders gut. Clemens Kubina köpfelte nach einer Ecke knapp am Tor vorbei (48.), ehe es Hauk drei Minuten später von der anderen Seite besser machte. Der TSV hatte nach dem 0:2 viel Ballbesitz, kam spielerisch aber - gerade im Zentrum - nicht durch. "Wir haben es nur ganz selten geschafft, Ruhe ins Spiel zu kriegen, Klarheit im Spielaufbau zu haben, nachzugehen und Präsenz im Zentrum zu zeigen", erklärte Lubojanski, der während der Woche den Fokus auf die "Stabilisierung der Spielaufbauschemen" gelegt hatte.

Als Matthew Durrans nach einem weiten Ball das 1:2 markierte (61.), waren die Münchner aber wieder im Spiel. In einer hektischen Phase erspielten sie sich mehrere Möglichkeiten zum Ausgleich, die beste vergab Arif Ekin freistehend vor Fritz mit einem kläglichen Abschluss (73.). Das bestrafte der FCI, der wieder auf die erfahrene Achse Fritz-Hofmann-Siebald bauen konnte: Bastian Fischer erhöhte mit einem Volley-Drehschuss auf 3:1 (76.). Der Zeitpunkt hätte aus Sicht der Gastgeber wieder kaum besser sein können. "Gott sei Dank" fällt dieser Treffer, sagte Stijepic hinterher. Manuel Rings Heber zum 4:1 (90.+2) war der Schlusspunkt der Partie.

Sein Team müsse in Zukunft wieder aggressiver verteidigen, das nahm Lubojanski als Lehre mit. Stijepic zog aus dem Sieg Selbstvertrauen - und die Erkenntnis, dass "alles" über Mentalität, Aggressivität und mannschaftliche Geschlossenheit gehe. Dann wiederholte er, dass sein Team sich gegen jeden Gegner behaupten könne. Seine Zusatzbemerkung hätte den FCI allerdings auch kaum treffender beschreiben können: "Aber wir können auch gegen jeden verlieren."