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Bayernliga:Elefantengedächtnis

Fussball Bayernliga Süd

Doppel-Torschütze: Michael Bachhuber bejubelt in dieser Szene das frühe 2:0 (13.) für den FC Deisenhofen. Noch vor der Pause legte der Angreifer das letztlich entscheidende 3:1 gegen den TSV Dachau nach.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Deisenhofen gelingt mit dem 3:2 in Dachau die Revanche für ein Hinrundenspiel, das schon 13 Monate zurückliegt

Von Christoph Leischwitz, Dachau

Es war dann wohl Deisenhofens Trainer Hannes Sigurdsson, der mit seinem Elefantengedächtnis von allen Beteiligten am schnellsten wieder in den Bayernliga-Modus schaltete, indem er vor dem Spiel eine "Revanche" ausrief. Er hatte sich gemerkt, dass 1865 Dachau seiner Mannschaft die bislang einzige Heimniederlage der Saison 2019/21 zugefügt hatte, 13 Monate liegt dieses 2:3 jetzt schon zurück. Der Aufruf hat seine Mannschaft offenkundig erfolgreich motiviert, sie re-startete sehr konzentriert und gewann am Samstag in Dachau mit dem selben Ergebnis.

Auf der anderen Seite war schon nach wenigen Minuten deutlich geworden, was bei den Dachauern mal wieder fehlte, um erfolgreicher zu sein. Natürlich hätte Triumf Gudaci den Ball auch gleich für Dachau zur Führung ins Tor setzen können (6.), als er nur den Innenpfosten traf. Was Spielertrainer Fabian Lamotte allerdings auch bemängelte: "Dass dann aber auch keiner da ist, der den Ball über die Linie drückt. Da fehlt der Hunger."

Gegen Deisenhofen war das Problem aber natürlich eher die Zahl der Gegentore. Diese kam zustande, weil es dem Dachauer Abwehrverbund um Chef Lamotte drei Mal schlicht zu schnell ging. In der zwölften Minute krönte Tobias Rembeck einen Angriff, den er selbst mit einem perfekten Außenrist-Pass eingeleitet hatte; nur eine Minute später enteilte Michael Bachhuber seinem Gegenspieler und ließ Dachaus Keeper Maximilian Mayer mit einem Flachschuss keine Chance (13.). Trotzdem war dieser Doppelschlag noch lange nicht vorentscheidend, Dachau kämpfte sich schon bald zurück. "Wir haben danach eigentlich schon fast alles riskiert, auch wenn das die Leute vorne ziemlich viele Körner gekostet hat", sagt Lamotte. Zur Belohnung gab es erst einmal einen Foulelfmeter, den Marcel Kosuch mit einem lässigen Schuss ins Kreuzeck sicher verwandelte (24.). Zwölf Minuten später legte sich der Zugang aus Ingolstadt den Ball schon wieder auf den Punkt, diesmal aber konnte er Enrico Caruso im Deisenhofener Tor nicht überwinden - ohnehin war der Elfmeterpfiff recht umstritten gewesen. "Ich kann verstehen, dass es da auch von den Deisenhofenern Proteste gegeben hat", sagte selbst Lamotte. Trotzdem auch für ihn ein Ärgernis: Wegen dieser Entscheidung habe der Schiedsrichter wohl in der zweiten Halbzeit auf einen weiteren, eher klaren Strafstoß für Dachau verzichtet.

Aber selbst das 3:1 durch Bachhuber (42.), fast eine Kopie des zweiten Deisenhofener Treffers, konnte die Gastgeber noch nicht nachhaltig erschüttern. Die Partie war dann auch schon wieder offen, als Thomas Ettenberger aus einem Getümmel heraus den erneuten Anschlusstreffer erzielte (50.). Doch sie war nun auch umkämpft und zerfahren. "Es gab viele strittige Szenen", fand Lamotte, beim FC nannten sie die Schiedsrichterleistung "durchaus inkonsequent" - sollten beide recht haben, könnte aber auch das der langen Pflichtspielpause geschuldet sein.

Entscheidend waren letztlich zwei Platzverweise für die erschöpften Dachauer, die ohnehin schon viel hinterhergelaufen waren. Strittig war die gelb-rote Karte für Lamotte (69.), der bei einem Zweikampf mit Bachhuber an dessen Trikot gezupft haben soll. "Es gab Kontakt, aber gezupft habe ich nicht", befand Lamotte. Zwei Minuten später gab es keine zwei Meinungen, als ihm Mitspieler Stefan Vötter nach einer Tätlichkeit in die Kabine folgte. "Für die Zuschauer in Dachau war das ein wirklich spannendes Spiel", sagte Deisenhofens Teammanager Alex Schleicher. Dort hatte man das erlaubte Kontingent mit 150 Besuchern nicht mal erfüllt, 200 hätten kommen dürfen. Mit der für Deisenhofen so erfolgreichen Revanche hat der Aufsteiger gezeigt, dass er seine gute Form vor dem Lockdown konservieren konnte. Jetzt stehen erst einmal Pokalspiele an, ehe man in zwei Wochen gegen 1860 II versuchen kann, den Aufstiegsrelegationsplatz zu verteidigen.

© SZ vom 21.09.2020

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