Süddeutsche Zeitung

Bayern München II:Auffallend auffällig

Profi Michael Cuisance verhilft der U23 des Rekordmeisters einen Tag nach seiner Einwechslung im Bundesligaspiel gegen Köln zum Sieg gegen Ingolstadt.

Es ranken sich ja so einige Geschichten um Michael Cuisance, und das ist womöglich auch der Grund, warum er am Sonntagnachmittag nur mit Fußball auf sich aufmerksam machen wollte, und nicht mit Worten. Der 20-jährige Profi des FC Bayern München durfte oder wollte jedenfalls nach seinem Spiel für die U23 gegen den FC Ingolstadt keinen Kommentar abgeben. Demnach auch nicht über sein Tor aus der 52. Spielminute, das dem Drittliga-Aufsteiger zu einem knappen 2:1-Sieg verholfen hatte. "Er hat uns mit dem Tor sehr geholfen", lobte Trainer Sebastian Hoeneß, "er hat ein gutes Spiel gemacht. Man muss jetzt nicht sagen: ein sehr gutes". Er tue sich immer schwer, einzelne Spieler besonders zu loben. Dass der 20-jährige offensive Mittelfeldspieler in der dritten Liga Spielpraxis sammeln soll, das hatte Hoeneß erst am Samstagabend gegen 19 Uhr erfahren. Also kurz nach dem Spiel der Profis gegen den 1. FC Köln (4:0), bei dem der Franzose zu einem 19-minütigen Kurzeinsatz gekommen war, bereits seinem zweiten in der aktuellen Saison.

Sicher sagen kann man, dass Cuisance, der im Sommer von Borussia Mönchengladbach zu den Bayern wechselte, in jeder Beziehung sehr auffällig spielte. Ja, dass er sogar so sehr um Auffälligkeit bemüht war dass er sich bisweilen auch mal verdribbelte. Doch die positiven Auffälligkeiten überwogen. Er hatte das 1:0 durch Marcel Zylla im zentralen Mittelfeld auf den Weg gebracht (15.), er hätte beinahe einen Eckball direkt verwandelt (32.), er schoss ein sehenswertes Tor in der 52. Minute, nachdem ihn der ebenfalls um Auffälligkeit bemühte Profi Alphonso Davies nach einem Sololauf freigespielt hatte. Beinahe wäre Cuisance mit einem weiteren Schlenzer das 3:1 gelungen (58.), einen direkt getretenen Freistoß setzte er knapp neben das Tor und ärgerte sich (67.). Kurz vor Schluss wurde er ausgewechselt und erhielt Applaus. Unter den Zuschauern waren übrigens auch U-17-Trainer Miroslav Klose und Sportdirektor Hasan Salihamidzic.

Einerseits dürfe man einiges von dem, was Cuisance gezeigt hat, von einem Profi durchaus erwarten, sagte Hoeneß. Andererseits sei es für einen Spieler wie ihn "auch nicht einfach, in der zweiten Mannschaft zu spielen". Cuisance kennt nur jene Mitspieler etwas besser, die ebenfalls mit den Profis trainieren. "Ich denke, er war auch sehr engagiert", befand Hoeneß. Was wie eine Plattitüde klingt, ist in Wahrheit gar nicht so unwichtig. In den vergangenen Jahren hatten einige junge Bayern-Profis, die zur U23 abgestellt wurden, schon mal mit demonstrativer Lauffaulheit reagiert. Cuisance hingegen lief auch in der Schlussphase die Gegner fleißig an und war immer präsent.

Immerhin wollte er ja auch unbedingt zu den Bayern. In Mönchengladbach, wo er schon 2017 regelmäßig in der Bundesliga spielte, sind sie nicht so gut auf ihn zu sprechen, weil er das in den Tagen vor dem Wechsel sehr deutlich kundgetan hatte. Cheftrainer Marco Rose sprach letztlich davon, dass die Trennung nach einigen Vorfällen "unabdingbar" sei. Es ist nicht davon auszugehen, dass Cuisance oft für die U23 spielen wird. Sollte sein Einsatz gegen den FC Ingolstadt so etwas wie ein Charaktertest gewesen sein, hat er ihn wohl bestanden.

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Quelle:
SZ vom 23.09.2019
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