Basketball Zweimal Moskau und zurück

Im mit 79:93 verlorenen Hinspiel stand Bayerns Leon Radosevic (re.) dem Ex-Bamberger Kyle Hines und dessen Moskauer Kollegen zu oft Spalier.

(Foto: Lackovic/Imago)

Der FC Bayern tritt in der Euroleague am Donnerstag gegen das Spitzenensemble des Armeeklubs ZSKA Moskau an.

Von Matthias Schmid

Um sich die Schönheiten Moskaus anzusehen, bleibt wenig Zeit. Auch wenn sich die Basketballer des FC Bayern nun in der Euroleague gleich zweimal in die russische Hauptstadt aufmachen werden, für so etwas wie Kreml, Lenin-Mausoleum oder Bolschoi-Theater wird es wohl nicht reichen. Flughafen, Hotel, Halle, das sind die Orte, die Spieler üblicherweise sehen. Immerhin: Ein Abstecher zur berühmten Basilius-Kathedrale am Roten Platz ist diesmal drin gewesen, so viel ist bekannt. An diesem Donnerstag steht für die Münchner zunächst die Partie bei ZSKA Moskau an, acht Tage darauf treten sie bei Khimki an. "Die Reisen sind das, was den Körper schwächt", hat Bayern-Kapitän Danilo Barthel bisher feststellen müssen. Vielleicht ist das ein Grund dafür, dass die Bayern bisher in der höchsten europäischen Spielklasse in fremder Halle noch nie zwei Spiele nacheinander gewonnen haben. Dass der Kader hochwertig genug dafür ist, haben sie in den Heimspielen bisher bewiesen, sodass sie sich mit 9:9 Siegen auf Rang sieben in der Tabelle wiederfinden. Dieser Rang würde nach der Hauptrunde zum Erreichen der Playoffs reichen - was bisher noch keiner deutschen Mannschaft in der Euroleague vergönnt war.

Dauergast in der Finalrunde der besten Vier ist ZSKA Moskau. Der Kader des verfügt über eine internationale Auswahl an Spitzenkönnern, die gut genug für den Titel ist. "Sie haben unglaublich viel Qualität im Kader", hebt Bayern-Cheftrainer Dejan Radonjic hervor. Auch drei frühere Bundesligaspieler sind darunter, die beiden Bamberger Kyle Hines und Daniel Hackett sowie der Ulmer Will Clyburn, der in dieser Spielzeit bisher ihr stärkster Werfer in der Euroleague ist (14,8 Punkte im Schnitt). Cheftrainer Dimitris Itoudis hat vor allem im Spielaufbau in Nando de Colo, Sergio Rodriguez und Corry Higgins drei Profis, um die ihn viele in der Liga beneiden. Aber dass auch der Tabellendritte nicht unerreichbar ist, zeigte erst in der vergangenen Woche Maccabi Tel Aviv, das in der Megasport-Arena überraschend gewonnen hat. Der Sieg der Israelis dokumentierte einmal mehr, wie ausgeglichen die Liga ist, selbst Zalgiris Kaunas als Tabellendreizehnter weist wie Maccabi 7:11 Siege auf, auch Khimki kommt auf die gleiche Bilanz und hat somit noch realistische Chancen, in die Meisterrunde vorzurücken. Im Hinspiel hatte München gegen ZSKA noch mit 79:93 das Nachsehen. "Wir haben uns seitdem aber immer weiter verbessert", erklärt Radonjic, der zuversichtlich ist, bei einer konzentrierten Vorstellung die Partie bis zum Ende offenhalten zu können.

Mit einem Sieg aus den beiden Auftritten in Moskau, so hat Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic kundgetan, könnte er sich anfreunden. Barthel dagegen hält nicht viel von solchen Zahlenspielen. "Ich gehe in jedes Spiel hinein, um es zu gewinnen", sagt der deutsche Nationalspieler selbstbewusst. Vor allem in Khimki will er die Halle als Sieger verlassen, weil das ein direkter Gegner um ein Einzug in die Meisterrunde ist. "Das sind für uns entscheidende Spiele, um vielleicht in die Playoffs einziehen zu können", sagt Barthel.

Warum sie es auswärts noch nicht geschafft haben, mehrere Siege aneinanderzureihen, kann er sich auch nicht so schlüssig erklären. Vielleicht liegt es an der ungewohnten Umgebung, fügt er hinzu. Aber sportlich spricht eigentlich nichts dagegen. Die Münchner spielen zurzeit einen flüssigen und attraktiven Basketball und haben inzwischen auch auf europäischem Parkett gelernt, unter den Körben kräftig auszuteilen. "Das wird ein schweres Spiel, gegen solche Teams wie ZSKA müssen wir vor allem beim Rebound da sein, offensiv wie defensiv", sagt Flügelspieler Derrick Williams. Der NBA-erprobte Amerikaner freut sich auf die Partie in Moskau. Er lernt auf seiner Europatournee gerade viele neue Städte kennen.