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Basketball:Zu viele Geschenke

Basketball, Euroleague, FC Bayern München - Kimki Moskau

Neu gegen Alt: Erst überragte Münchens Greg Monroe (mit Ball) seinen Vorgänger Devin Booker im direkten Duell. Letztlich nahm Moskaus Center aber neben zwei Gastgeschenken auch die beiden Punkte mit auf die Heimreise.

(Foto: Markus Fischer)

Die Basketballer des FC Bayern München verlieren in der Euroleague zum ersten Mal gegen Khimki Moskau. Beim 74:87 wird erneut deutlich, dass der ersatzgeschwächte Kader noch Zeit benötigt, um sein ganzes Potenzial auszuschöpfen.

Die Familie, das hat Devin Booker immer wieder betont, ist ihm das Wichtigste. Damit meint er natürlich in erster Linie seine Frau und die drei kleinen Kinder. Deshalb hat er sich das Wort Family in dicken geschwungenen Lettern auf die Innenseite seines mächtigen rechten Oberarms tätowieren lassen. Der Donnerstagabend war auch eine Heimkehr zur Familie, zur Bayern-Familie. Der Center spielte in den vergangenen drei Jahren für die Basketballer des FC Bayern München, gewann zwei Mal den deutschen Meistertitel und ein Mal den Pokal. Booker ist immer noch sehr beliebt beim Münchner Publikum, beim Klub sowieso. Deshalb überraschten ihn die Zuschauer mit viel Applaus. Dem 28-Jährigen wurde nicht einmal übel genommen, dass er in einem für Bayern-Augen schrecklich gelben Trikot auf dem Parkett stand. Denn mittlerweile spielt er für Khimki Moskau, eines der stark subventionierten russischen Euroleague-Teams. Booker war erstmals als Gegner in den Audi Dome gekommen.

Bayern-Geschäftsführer Marko Pesic überraschte seinen ehemaligen Center mit zwei Geschenken, einem historischen FCB-Basketball aus Leder und einem gerahmten Bild von Booker. Pesic wollte es sich nicht nehmen lassen, den Publikumsliebling vor gebührender Kulisse zu verabschieden. Und der hatte auch etwas dabei: Eine tadellose Arbeitseinstellung an der ehemaligen Wirkungsstätte, was weniger schön war für seinen früheren Arbeitgeber, denn Booker war einer der Besten im Moskauer Team bei dessen 87:74-Auswärtssieg.

Natürlich war der Khimki-Center nicht allein verantwortlich für den "historischen Sieg", wie der litauische Gästetrainer Rimas Kurtinaitis feststellte: "Ich bin stolz auf alle meine Spieler." Vier Mal in der Euroleague und zwei Mal im Eurocup war er mit seiner Auswahl bisher auf die Bayern getroffen, stets mussten die Russen als Verlierer das Feld räumen. Nun belegt der Triumph in des Gegners Halle auch die finanziellen Anstrengungen des Klubs, sich erfolgreicher als in den vergangenen Jahren zu positionieren.

Damit haben sie Ähnliches im Sinn wie die Münchner, die ihren Kader ebenfalls veredelt haben. Mit Greg Monroe zu Beispiel. Der designierte Nachfolger von Booker erinnerte daran, dass er eigentlich höher einzuschätzen ist als sein Vorgänger, nicht zuletzt weil der 29-Jährige aus der NBA kam. Man konnte gar den Eindruck gewinnen, als suche Monroe das direkte Duell, das in der ersten Halbzeit auch deutlich zu seinen Gunsten endete. Mit 18 Punkten war der 2,11-Meter-Hüne bester FCB-Schütze, er war es auch, der sein Team bei jener Aufholjagd anführte, die einen 3:8-Rückstand in eine 19:14-Führung drehte. Danach gestaltete sich das Geschehen phasenweise wild und fehlerhaft - aber ausgeglichen. Bis die Bayern trotz 37:36-Führung den Überblick verloren.

Vor allem die Würfe aus der Distanz, beim jüngsten Sieg gegen Villeurbanne noch eine Stärke der Bayern, erwies sich an diesem Abend als Nachteil. Der FCB blieb bei einer Quote von 37 Prozent hängen, Khimki traf knapp mehr als die Hälfte aller Versuche von jenseits der 6,75-Meter-Linie. In den letzten Minuten vor und den ersten Minuten nach der Pause legten die Gäste einen 20:0-Lauf hin, das Spiel war entschieden. Neben Booker zeichneten ausschließlich die Distanzschützen Anthony Gill (17 Punkte) und Janis Timma (13) für diese 20 Punkte verantwortlich. Auch auf der Guard-Position hatte Khimki einen Vorteil, was zuvorderst an Alexey Shved lag, mit 19 Punkten erfolgreichster Werfer des Abends. Seit Jahren zählt der 30-Jährige zu den besten Spielmachern in Europa, auch im Audi Dome offenbarte er jene Führungsqualitäten, die dem Bayern-Team fehlten. Zwar agierte Maodo Lo erneut in starker Form, sein Vertreter DeMarcus Nelson erwischte indes einen rabenschwarzen Tag. Trainer Dejan Radonjic hatte den Zugang aufgrund seiner Erfahrung aufs Parkett beordert, um Lo die nötigen Pausen zu verschaffen. Dieses Kalkül ging aber nicht auf. "Von ihm muss ich mehr erwarten", urteilte der Coach, "das war heute schlecht."

Ganz einfach: 19 Ballverluste sind zu viel, rechnet Bayerns Trainer Dejan Radonjic vor

Auch Monroe konnte dem Spiel keine Impulse mehr geben, vielmehr ließ er sich von den Referees aus dem Rhythmus bringen, die ihm mehrmals Schrittfehler anlasteten. "Es hat sich nie so angefühlt, wie wir spielen wollen", versuchte sich Paul Zipser an einer Erklärung. Der Nationalspieler ist ja ebenfalls mit NBA-Vergangenheit nach München gekommen, also auch einer, der viel Qualität mitbringt, noch aber in einer Findungsphase steckt und seine großen Fähigkeiten nicht ausspielen kann: "Wir wussten, dass sie defensiv Probleme haben, konnten es aber nicht ausnutzen." Zipser fand, dass der Ball nicht schnell genug durch die eigenen Reihen lief, dass "wir bessere und schnellere Entscheidungen treffen müssen".

Radonjic fasste die zweite Hälfte so zusammen: "Unsere Offensive war nicht gut, wir haben zu viele Fehler gemacht und zu oft den Ball verloren. Neunzehn Ballverluste sind zu viel." Sonderlich enttäuscht wirkte er aber gar nicht, Radonjic weiß ja, dass in Josh Huestis, Center Mathias Lessort und Spielmacher T.J. Bray drei verletzte Akteure ins Team zurückkehren werden, die das Niveau weiter heben. Und dass seine kleine Gruppe schlichtweg noch Zeit benötigt, um zusammenzuwachsen. Wie in einer Familie.