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Basketball:Zeit für Wellness

Team des FCB: Danilo Barthel (FC Bayern Muenchen), Vladimir Lucic, Petteri Koponen, Paul Zipser, Thomas Joseph, T.J. Br

Ratlos, müde, ausgelaugt: Danilo Barthel, Vladimir Lucic, Petteri Koponen, Paul Zipser und T. J. Bray (v.l.) freuen sich auf zehn spielfreie Tage.

(Foto: Eibner/imago)

Der FC Bayern München kassiert in Göttingen seine zweite Saisonniederlage. Umso mehr freuen sich die Spieler nun auf zehn spielfreie Tage.

Der Ball drehte eine Runde auf dem Ring, dann noch eine, dann fiel er in den Korb. Eine Szene, die man sinnbildlich für das Basketballspiel der BG Göttingen gegen den FC Bayern sehen konnte, denn bei den Gastgebern fielen auch die schwierigen Würfe in den Korb, bei den Münchnern eher nicht. So stand am Ende ein 90:81-Sieg des Außenseiters, der dem deutschen Meister die zweite Niederlage in der Basketball-Bundesliga (BBL) beibrachte. Eine verdiente, wie FCB-Coach Oliver Kostic anerkannte: "Gratulation an Göttingen, sie haben viel mehr Energie auf das Feld gebracht und dies in sehr gute Wurfquoten übertragen, speziell bei den Dreiern."

Kostic wirkte nicht sonderlich niedergeschlagen. Es ist aus seiner Sicht ja nicht viel passiert. Der FCB bleibt souveräner Tabellenführer, vier Punkte vor Ludwigsburg und Berlin. Es war zu erwarten, dass es den Meister wieder mal erwischt, oft war es knapp gewesen, wenngleich sich die Münchner stets aufrafften und noch gewannen - wie im Hinspiel gegen Göttingen, als Petteri Koponen per Dreier mit der Schlusssirene zum Sieg traf. Göttingen ist nun kein Spitzenteam, das Höchste aller Ziele wäre die Playoff-Teilnahme, wovon der Tabellenzehnte auch nach dem Husarenstück gegen den FCB vier Minuspunkte entfernt ist. Als heimstark darf man die BG dagegen sehr wohl bezeichnen, was sie mit Heimsiegen gegen Berlin, Oldenburg und nun auch München belegen kann.

Bei den Gästen wollte niemand allzu lange mit dem Spiel hadern, es war schon fast Erleichterung zu spüren. Denn die Münchner haben nun außergewöhnlich viel Zeit, sich von den Strapazen zu erholen, den Tank wieder voll zu kriegen, wie Kapitän Danilo Barthel erklärte: "Wir müssen jetzt Energie tanken für die zweite Halbzeit der Saison und dann müssen wir hart arbeiten in der Woche, in der wir jetzt Zeit haben."

Ganze zehn Tage genau sind die Bayern nun ohne Pflichtspiel, eine völlig neue Situation. An Aufbautraining oder gar Regeneration war bisher nicht zu denken, die Spieler hangelten sich eigentlich nur von Spiel zu Spiel. Die Rückreise in den heimatlichen Audi Dome musste sich anfühlen, wie der Start in einen Wellness-Kurzurlaub. Zum Vergleich: In den vergangenen 13 Tagen hatte der FCB in Euroleague und Bundesliga sechs Spiele, drei gegen die besten Teams des Kontinents, unter anderem in Lyon und Mailand. Göttingen brachte es im selben Zeitraum auf drei Spiele, nur einmal in der Ferne, in Berlin.

Natürlich hätten die Bayern ihren Wellness-Trip lieber mit einem Sieg im Gepäck angetreten, sie kämpften sich immer wieder heran, beim 79:82-Anschluss eine Minute vor dem Ende schien das Spiel auch wie gewohnt zu kippen. "Göttingen hat es mehr gewollt als wir", erklärte Barthel im Interview mit dem übertragenden Sender Magenta Sport, warum es letztlich nicht klappte. Müde seien er und seine Kollegen gewesen, vor allem zu Beginn des Spiels und zu Beginn der zweiten Halbzeit. In diesen Phasen setzte sich die BG jeweils ab, auf 11:2 (7.) und 71:60 (30.). Aber es lag schon auch am Gegner, der einen besonderen Tag erwischt hatte, wie Trainer Johan Roijakkers zugab: "Wir haben mit sehr viel Energie gespielt. Im vierten Viertel hatte ich Angst, dass uns die Kraft ausgeht, aber mit den Zuschauern im Rücken kann man etwas extra machen. Kyan Anderson spielt den besten Basketball seiner Karriere." Anderson traf aus allen Lagen, tanzte der Ball am Ring, fiel er hinein. 27 Punkte erzielte der Spielmacher, Bestwert des Abends.

Gerade auf dieser Position schwächeln die Bayern derzeit. Maodo Lo wirkt wenig überraschend überspielt, er musste das Spiel bisher meist alleine tragen, weil Kollege T. J. Bray verletzt fehlte. Der ist erst seit vier Wochen auf dem Spielfeld zurück, da darf man keine Wunderdinge erwarten. Immerhin zeigte er mit zehn Punkten und ein paar Assists wieder ansteigende Form. Zan Sisko ist talentiert, aber neu im Team, auch der 22-Jährige wird noch Zeit benötigen. Blieben die alten Kämpen Vladimir Lucic und Nihad Djedovic (je 11 Punkte), sowie Center Greg Monroe, die sich vehement gegen die Pleite stemmten. NBA-Brocken Monroe zeigte sich dabei äußerst flink im Eins-gegen-eins-Spiel, war mit 18 Punkten und zehn Rebounds bester Münchner, aber auch oft unter dem Korb auf sich alleine gestellt. Die schwerste Übung aber ist für die Spieler, sich in solchen Partien stets aufs Neue zu einer 100-Prozent-Leistung zu quälen, wie Djedovic zugab. "Nichts gegen Göttingen, aber das ist schon schwer, nach zwei Euroleague-Spielen den Schalter im Kopf wieder umzulegen."

Je stärker die Akteure die Kraft verließ, desto mehr sank die Konzentration, wurden die Arme schwer, die Bälle tanzten auf dem Ring und gingen nicht hinein. Göttingens Geschäftsführer Frank Meinertshagen bestätigte das: "Wenn ein Spiel gegen die Bayern normal läuft, verlieren wir mit 20 bis 30 Punkten. Heute ging bei uns alles rein." In zehn Tagen werden die Münchner wieder frischer agieren, das darf man erwarten. Der Gegner ist dann allerdings ein anderes Kaliber. Efes Istanbul ist Euroleague-Tabellenführer, anders gesagt: die derzeit beste Mannschaft Europas. Mit dem wohl besten Spielmacher des Kontinents, Shane Larkin, der im Schnitt knapp 22 Punkte erzielt.

Aber selbst solche Ausnahmeteams haben mit der immensen Belastung der zwei Wettbewerbe zu kämpfen: Am Wochenende flog Efes aus dem türkischen Pokal. Der Tabellenführer verlor klar im Stadtderby bei Darussafaka.

© SZ vom 13.02.2020
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