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Basketball:Vor einer Saison in der Hölle

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Fremdenführer in Europa: Vor allem in der Euroleague soll Leon Radosevic, hier noch im Bamberger Rot, den neuen Kollegen Danilo Barthel und Devin Booker (von links) mit seiner Erfahrung helfen.

(Foto: imago/Becker Eibner-Pressefoto)

Auf den deutschen Meister FC Bayern warten bis zu 90 Pflichtspiele. Vor allem in der Euroleague soll Zugang Leon Radosevic mit seiner Erfahrung helfen.

Von Joachim Mölter

Die längste Zeit seiner Ferien hat Leon Radosevic schon hinter sich, demnächst macht er sich wieder an die Arbeit. In dieser Woche stellte sich der Basketballprofi schon mal bei seinem neuen Arbeitgeber vor, dem FC Bayern München, zufällig am selben Tag, an dem die Euroleague ihren Spielplan für die kommende Saison präsentierte. Wegen des höchsten kontinentalen Wettbewerbs ist der 28-Jährige ja kürzlich vom früheren deutschen Meister Brose Bamberg zum aktuellen Titelträger nach München gewechselt. "Ich will immer in der stärksten Liga gegen die Besten antreten", sagt Radosevic, und weil Bamberg sich für die nächsten fünf Jahre an den Euroleague-Rivalen Fiba - den internationalen Dachverband - und dessen Champions League gebunden hat, zog er eine Ausstiegsoption in seinem ursprünglich bis 2019 befristeten Vertrag. In München unterschrieb er nun einen Dreijahresvertrag, genauso lange hat der FC Bayern die Teilnahme in der Euroleague sicher: nächste Saison als deutscher Meister, die beiden Jahre danach dank einer Wildcard.

Dass sie sich in Bamberg freiwillig für die Champions League entschieden haben, die momentan nur als dritthöchster Wettbewerb gilt nach dem ebenfalls von den Euroleague-Organisatoren betriebenen Eurocup, versteht der gebürtige Kroate mit deutschem Pass immer noch nicht so recht: "Als ich gehört habe, dass sie das planen, konnte ich es erst gar nicht glauben", erzählt er: "Aber es war ein Zeichen für mich, den Verein zu verlassen." Die vorige Saison ist nicht gut gelaufen für den dominierenden Klub dieses Jahrzehnts hierzulande, "der Besitzer war sauer auf uns, er hat ein paar kräftige Worte gebraucht", berichtet Radosevic, der in der Öffentlichkeit lieber Englisch redet als Deutsch, weil er sich in dieser Sprache sicherer fühlt und er nicht missverstanden werden will. Wenn man ihn also richtig übersetzt, dann war aber vor allem die Champions League ausschlaggebend für seinen Entschluss zu wechseln. "Ich wollte nicht in einer Umgebung bleiben, die lieber einen Schritt zurück macht als einen Schritt vorwärts", erklärt er. Das sei beim FC Bayern anders, der Verein habe "große Ziele", glaubt er.

Die Euroleague ist das große Ziel vieler Basketball-Profis, aber man sollte sie nicht unterschätzen, warnt der 2,08 Meter große und 113 Kilo schwere Center. "Die, die es noch nicht mitgemacht haben, haben keine Ahnung, wie hart das ist für den Klub", sagt Radosevic, "nicht nur für uns Spieler, auch für Trainer, Ärzte, für jeden."

Die Basketballer des FC Bayern haben zwar schon drei Jahre Euroleague-Erfahrung, die letzte stammt aber aus der Saison 2015/16 - und danach hat die Liga ihren Modus geändert, von Gruppenphasen auf einen Ligabetrieb umgestellt mit Hin- und Rückrunde sowie noch Playoffs für die besten Acht. Mit Bundesliga und DBB-Pokal kommt der FC Bayern in der Ende September beginnenden Saison 2018/19 nun auf mindestens 65 Pflichtspiele - aber nur, wenn die Mannschaft nirgends in die Playoffs kommt und in der ersten Pokalrunde ausscheidet. Will sie in allen Wettbewerben das Finale erreichen, muss sie bis zu 25 weitere Partien einkalkulieren. Radosevic spricht von einer "Höllensaison", von "viel mehr Spielen, viel höherer Belastung, einer viel größeren Wahrscheinlichkeit von Verletzungen" - er hat das ja in den vergangenen zwei Jahren in Bamberg erlebt und mitgemacht: "Man hat gesehen, was für Probleme und Schwierigkeiten wir hatten. Es ist schwierig zu regenerieren und sich immer wieder zu motivieren; es ist mühsam, vom ersten bis zum letzten Spiel auf einem gleich hohen Niveau zu bleiben."

Deswegen holen sie beim FC Bayern Basketball jetzt alle noch mal ein wenig Luft, damit sie ihnen in den kommenden Monaten nicht ausgeht. Trainingsauftakt der Mannschaft ist am 18. August, das Unternehmen Titelverteidigung beginnt für den Double-Gewinner in der Bundesliga am 28. September mit einem Auswärtsspiel in Ulm und im Pokal mit dem Achtelfinale am 6. oder 7. Oktober gegen einen Gegner, der noch ausgelost werden muss.

In die Euroleague startet der FC Bayern mit einem Heimspiel gegen Anadolu Efes Istanbul am Freitag, 12. Oktober. Im kontinentalen Wettbewerb bestreiten die Münchner bereits in der Hinrunde zehn ihrer insgesamt 15 Heimspiele. Was wiederum bedeutet: In der Rückrunde zehrt zusätzlich noch jede Menge Reisestress an den Kräften.

© SZ vom 12.07.2018
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