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Basketball:Überspielt

BAU// 19.01.2020 Ludwigsburg Basketball MHP Riesen Ludwigsburg vs. Bayern München, v.l. Thomas Joseph Bray (Bayern), Mar

Nicht zu fassen: Hier probieren die Münchner TJ Bray (li.) und Josh Huestis, Ludwigsburgs Marcos Knight aufzuhalten.

(Foto: Julia Rahn/imago images/Pressefoto Baumann)

Trainer Oliver Kostic wartet weiter auf seinen ersten Sieg mit den Basketballern des FC Bayern. In Ludwigsburg macht sich der Kräfteverschleiß nach den Niederlagen in der Euroleague bemerkbar.

Lurchi hat sogar mit der Schnauze den Boden berührt. Die Liegestütze, die das Maskottchen der Riesen Ludwigsburg im dritten Viertel am Sonntag gegen den FC Bayern vollführte, war astrein. Auch der Kopfstand kurz vor der Schlusssirene war ein echter Hingucker. Keinem der Basketballer des FC Bayern hätte man eine körperliche oder artistische Extraeinlage an diesem Sonntagnachmittag zumuten wollen. Sie wirkten in dem Spitzenspiel der Basketball-Bundesliga (BBL) verzagt, erschöpft irgendwie nach anstrengenden Tagen. Als Lurchi auf dem Kopf stand, lagen die Bayern am Boden, im übertragenen Sinn natürlich. Sie lagen eine Minute und 34 Sekunden vor Spielschluss 68:77 zurück, am Ende verloren sie die Partie 74:81 - es war die erste Niederlage für die Bayern in dieser Bundesliga-Saison im 15. Spiel. Vier Punkte (28:2) beträgt der Vorsprung in der Tabelle auf Ludwigsburg (24:6), das erstmals in einem Hauptrundenspiel München besiegen konnte.

Oliver Kostic dürfte der Tabellenstand ziemlich egal gewesen sein kurz nach Spielende, den Serben, der vor zwei Wochen vom Assistenten zum Cheftrainer aufgestiegen ist, interessiert mehr der Status Quo, die momentane Verfassung seiner Mannschaft. Und die kann ihm nicht gefallen. Er wartet seit seiner Beförderung auf den ersten Sieg, vier Spiele hat er nun verloren. Die Niederlage in Ludwigsburg war der erste Auftritt in der BBL, nachdem er zuvor in der Euroleague drei Niederlagen hatte hinnehmen müssen. "Unglücklicherweise haben wir es heute nicht geschafft, die Rebounds zu kontrollieren", sagte Kostic hinterher, "wir haben uns auch zu viele Ballverluste geleistet. Wir müssen in dieser Hinsicht sehr hart arbeiten, um in der Zukunft auch wieder Spiele zu gewinnen."

Nur in wenigen Momenten bekam man eine Ahnung davon, wie Kostics Basketball aussehen kann

In den Anfangsminuten sahen die Zuschauer in der ausverkauften Arena ein lebhaftes Spiel, aber eines, das beiden Trainern nicht gefiel. Es war das, was sie gerne als zerfahren bezeichnen. Ohne Rhythmus, ohne Struktur, aber mit vielen Fehlern. Die Bayern wirkten ein bisschen überspielt. Während sie zum dritten Mal binnen fünf Tagen antreten mussten, fehlte den Ludwigsburgern dagegen die Körperspannung, das Gefühl für das Spiel - seit ihrer letzten Partie waren drei Wochen vergangen, in denen sie nur trainiert hatten. Kostic hätte gerne mal so viel Zeit, um einige Dinge einüben zu können, nachdem er das Amt von Dejan Radonjic übernommen hat. Aber München war erst am Samstagnachmittag von seiner Griechenland-Reise zurückgekehrt, nach einer lockeren Trainingseinheit machte sich der Tross dann sofort im Bus auf nach Ludwigsburg. "Wir waren frischer als München", gab Ludwigsburgs Trainer John Patrick zu. "Man hat ihnen die beiden Spiele in der Euroleague angemerkt."

Münchens Spieler mussten nicht nur den Reisestress irgendwie wegstecken, sie hatten auch zwei Niederlagen im Gepäck, nachdem sie in der Euroleague sowohl bei Panathinaikos Athen als auch bei Olympiakos Piräus das Nachsehen hatten und sich nun auf dem letzten Tabellenplatz in der angesehensten europäischen Basketballliga wiederfinden. Das zehrt auch am Selbstvertrauen einer Mannschaft mit so hochdekorierten Spielern. "Schwierig" sei das nicht, sagt Kostic, "aber schon eine neue Erfahrung und eine große Herausforderung. Wir hatten einen solch kräfteraubenden Spielplan in dieser Saison noch nicht, und man muss da mental und physisch schon damit umgehen können."

Der Auftakt in Ludwigsburg war zäh, sie trafen wenig und verloren häufig den Ball. Nach zehn Spielminuten verzeichnete die Statistik schon sechs Ballverluste und aus dem Feld nur eine Trefferquote von 23 Prozent - was ziemlich wenig ist. Aber da auch die Ludwigsburger nicht viel besser trafen, führten die Gastgeber nach dem ersten Viertel lediglich mit fünf Punkten (15:10).

Mit zunehmender Spieldauer verbesserten sich die Münchner Werte, aber auch Ludwigsburg steigerte sich. Vor allem verteidigten die Riesen lästig, bisweilen mit zwei Spielern an einem Bayern-Profi, so provozierten so etliche Ballverluste. Erschwerend kam hinzu, dass sich Kostic während des Spiels immer wieder über die Sorglosigkeit seiner Spieler mit wegwerfenden Handbewegungen aufregte, er vermisste Körperlichkeit und Wucht. Nur in wenigen guten Momenten bekam man eine Ahnung davon, wie Kostics Basketball aussehen könnte, er lässt schneller spielen als sein Vorgänger, risikoreicher. Aber die 18 Punkte von Greg Monroe reichten nicht aus an diesem Nachmittag. Kostic begegnete der Niederlage - zumindest nach außen hin - gelassen. Er weiß, dass auch schon Alba Berlin hier in dieser Saison verloren hat. Aber Oliver Kostic will sich als Cheftrainer nicht an Niederlagen gewöhnen.

© SZ vom 20.01.2020
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