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Basketball:Spannung vor Weihnachten

Nach schwächeren Spielen demonstriert der deutsche Meister FC Bayern gegen Bayreuth wieder seine Möglichkeiten. In den kommenden Wochen stehen nun allerdings Entscheidungen an, die über das Tagesgeschäft hinausweisen

Natürlich war die Laune von Svetislav Pesic bestens am Sonntagabend. Die Begründung lieferte der Trainer der Bayern-Basketballer gleich mit: "Eigentlich könnten wir von einem perfekten Spiel sprechen." Der Konjunktiv bezog sich auf diesen kleinen Schönheitsfehler, einem der ganz wenigen Werte in der Statistik, in dem der BBC Bayreuth die Nase vorne hatte. 15 Turnovers musste der FCB hinnehmen, die meisten dieser Ballverluste gab es im dritten Viertel. Nur in jenem Spielabschnitt gelang es den Gästen phasenweise, dem deutschen Meister Paroli zu bieten, in einem Spiel, das die Bayern scheinbar nach Belieben dominierten. Der wichtigste Wert des Abends war dann auch noch lange nach der Schlusssirene in leuchtend roten Zahlen auf der Anzeigetafel zu bestaunen: 102:75 - das Endergebnis der Bundesliga-Partie zwischen dem Tabellenzweiten und dem Zehnten aus Oberfranken.

Es war die notwendige Dosis Beruhigungsmittel für den permanent aufgeheizten Betrieb des FC Bayern, stattliche 6211 Menschen wollten sehen, ob der Meister nach den Unruhen der vergangenen Wochen tatsächlich angezählt ist. Das vorzeitige Scheitern in der Euroleague hatte Spuren hinterlassen, der Trainer in diesem Zusammenhang Verstärkungen gefordert und daran erinnert, dass er angetreten sei, diesen Wettbewerb zu gewinnen. Der aktuellen Formation traut er dies nicht zu, das Scheitern war für ihn, das hatte er betont, nicht überraschend.

Vizepräsident Rudolf Schels hatte im Interview mit der Süddeutschen Zeitung dagegen zur Gelassenheit geraten, die Strategie der Abteilung sei es, sich mit Kontinuität an das europäische Spitzenniveau heranzuarbeiten. Finanzielle Kraftakte werde es mit ihm nicht geben, das Geld der reichen Fußballer ist und bleibt tabu, nur was man selbst erwirtschaften kann, wird auch ausgegeben. Der ehrgeizige und fordernde Meistertrainer und der auf solide Wirtschaftlichkeit bedachte Vizepräsident - eine interessante Konstellation für die Vertragsverhandlungen im kommenden Jahr. Pesics Vertrag läuft bekanntlich nach der Saison aus. Pikant ist auch die Tatsache, dass einer der beiden Geschäftsführer Volker Stix und Marko Pesic, in deren Zuständigkeitsbereich derlei Verhandlungen fallen, der Sohn des Trainers ist. Trotz des Ausscheidens aus dem europäischen Elite-Wettkampf verspricht das kommende Jahr alleine wegen dieser Entscheidung alles andere als Langeweile.

Bryce Taylor vorne Yassin Idbhi und Fans FC Bayern bejubeln den Sieg Basketball BBL FC

Es darf wieder gelacht werden: Bei Kapitän Bryce Taylor (vorn) ist die Stimmung sowieso gut.

(Foto: Imago)

Indes bleibt es vor allem einer Gruppe junger Männer vorbehalten, die Wogen zu glätten: den Spielern. Eine erste Kostprobe gab das Team eben schon am Sonntag, als es entschlossen dort anknüpfte, wo es drei Tage zuvor beim Euroleague-Sieg gegen Zgorzelec aufgehört hatte. Bis auf die von Pesic angesprochene zu hohe Zahl an Ballverlusten war die Partie auch Beleg dafür, dass zumindest in der Bundesliga nur wenige Teams diesem Niveau gewachsen sind. Bayreuth zählt nicht dazu, die Münchner zeigten dem BBC, der weiter aussichtsreich um einen Playoff-Platz kämpft, problemlos die Grenzen auf.

In Dusko Savanovic, Jan Jagla, John Bryant (alle 14), Bo McCalebb (13) und dem wieder genesenen Bryce Taylor (12) lagen eine Handvoll Bayern-Spieler bei der Punktausbeute im zweistelligen Bereich, ganze 46 Rebounds geben Zeugnis von einer wirksamen Arbeit unter dem Korb. Zum Spiel bleibt eigentlich nur zu sagen, dass der FC Bayern für Bayreuth an diesem Tag unerreichbar war.

Es ist müßig zu spekulieren, wo die Bayern jetzt stehen würden, hätte sie das Verletzungspech nicht derart fest umklammert. Beim Sieg gegen Bayreuth fehlten in Robin Benzing und Vasilije Micic zwei wichtige Akteure, Anton Gavel, Paul Zipser und Kapitän Taylor sind wegen ihrer ungewollten Pausen längst nicht in Bestform. Nihad Djedovic kam erst gar nicht zum Einsatz, er hatte gegen Zgorzelec einen eher uninspirierten Auftritt, was der Trainer mit einer gehörigen Standpauke noch auf der Bank quittierte. Im Spiel gegen Bayreuth wurde der Münchner Topscorer von Pesic dann "geschont". Interessant ist auch die Zukunft von Bo McCalebb, der gegen Bayreuth einmal mehr seine großen Fähigkeiten offerierte. Sein Vertrag ist bis Ende der Woche gültig, nach dem Spiel meinte der Amerikaner, dass er "gerne in München bleiben würde". Auch hier werden die Finanzen der entscheidende Punkt sein.

An diesem Donnerstagabend (21 Uhr) wird McCalebb beim türkischen Meister Fenerbahce Istanbul sein vorerst letztes Spiel für die Bayern spielen, dann ist diese Euroleague-Saison Geschichte. Bis dahin soll die Zukunft des Amerikaners geklärt sein. Wie die Entscheidung auch ausfallen wird, sie wird erhebliche Auswirkungen auf die Laune des Trainers haben.