Basketball Sein einziger Fehlwurf

Der starke Center Devin Booker wird beim 84:88 in Istanbul in letzter Minute zur tragischen Figur der FC-Bayern-Basketballer, die sich um den Lohn ihrer überzeugenden Arbeit bringen.

Von Joachim Mölter

Es hatte eine gewisse Tragik, dass es ausgerechnet Devin Booker, Stefan Jovic und Vladimir Lucic waren, die unmittelbar nacheinander daran scheiterten, den Ball aus nächster Distanz noch einmal im Korb von Fenerbahce Istanbul unterzubringen. Booker, Jovic und Lucic hatten am Donnerstagabend ja maßgeblich dafür gesorgt, dass die Basketballer des FC Bayern München bis zur letzten Minute der Euroleague-Partie beim hochfavorisierten türkischen Meister mitgehalten hatten - Booker mit 15 Punkten und sieben Rebounds, Jovic mit zwölf Zählern und sechs Vorlagen, Lucic mit 13 Punkten. Aber nachdem alle drei ihre Chance vergeben hatten, brachte der zuletzt dreimalige Finalteilnehmer aus Istanbul seinen Vorsprung über die Zeit und gewann 88:84 (51:48). "Leider haben wir in den letzten Minuten im Angriff einige schlechte Entscheidungen getroffen", haderte Münchens Coach Dejan Radonjic mit der Niederlage: "Fenerbahce hat das klug ausgenutzt zu wichtigen Punkten."

Besonders bitter war das Ergebnis am fünften Spieltag des höchsten europäischen Klubwettbewerbs für Münchens Center Devin Booker, denn der Fehlwurf kurz vor Schluss war sein einziger an diesem Abend. Und Booker hatte vor der Partie auch schon geahnt, auf was es ankommen würde an diesem Abend in der mit 8868 Zuschauern besetzten Ülker-Arena: "In der Euroleague ist jede Mannschaft schlagbar", hatte er vor dem Abflug an den Bosporus gesagt, "man muss nur 40 Minuten fokussiert bleiben." Die Münchner waren es halt nur 39 Minuten lang, erst in letzter Minute entglitt ihnen der durchaus mögliche Sieg. Mit einer Bilanz von 2:3 stehen die Bayern-Basketballer trotzdem noch gut da. Und nächste Woche können sie die Bilanz ausgleichen, da kommt das Team von Darussafaka Istanbul, und das ist definitiv schlagbar.

"Es geht um die Defense, wenn du solche Spiele gewinnen willst": Devin Booker verliert in Istanbul.

(Foto: Seskim Photo/imago)

Was die nackten Zahlen ja nicht widerspiegeln, sind die spielerischen Fortschritte, welche die Münchner auf dem internationalen Parkett machen. Eine Schwachstelle ihrer bisherigen Auftritte war die Arbeit in Korbnähe gewesen, beim Fangen der abprallenden Bälle gehörten sie bislang zu den schwächsten Teams der Liga. "Wir wissen, dass wir nicht so viele Rebounds bekommen haben, wie wir als Mannschaft haben sollten", hatte Booker selbstkritisch gesagt und versprochen: "Wir werden versuchen, das zu ändern und aggressiver zu sein, gerade in der Offensive."

Gegen Fenerbahce Istanbul ging Booker mit gutem Beispiel voran, er sammelte im Angriff vier seiner sieben Rebounds ein; sein amerikanischer Landsmann Derrick Williams holte dort sogar noch einen mehr. In der Offensive kamen die Münchner zusammen auf beachtliche 19 Rebounds, was stets eine neue Wurfchance brachte; insgesamt sammelten sie 33 Abpraller, deutlich mehr als Fenerbahce (19). "Wir haben genügend Punkte gemacht", fand Booker, "in der Offensive war das in Ordnung, aber es geht um die Defense, wenn du solche Spiele gewinnen willst."

249 Körbe

haben die Basketballerinnen der TS Jahn München in ihren vier Saisonspielen geworfen, macht 62,25 pro Partie und damit im Schnitt 9,75 Punkte mehr, als sie abgegeben haben. Macht Platz zwei in der 2. Bundesliga Süd. An diesem Samstag (18 Uhr) empfängt das Team von Rüdiger Wichote Tabellenführer USC Heidelberg zum Spitzenspiel. Die BasCats haben 246 Körbe erzielt - allerdings in nur drei Spielen. Macht im Schnitt glatte 82 Punkte.

Weil Leon Radosevic noch nicht wieder fit war und nur kurz zum Einsatz kam, waren die Münchner allerdings auf der Centerposition etwas unterbesetzt. Booker stand 30:37 Minuten auf dem Parkett, so lange wie kein anderer Akteur an diesem Abend. Und er musste sich mit seinen 2,05 Meter auch noch gegen die größer gewachsenen Fenerbahce-Center Jan Vesely (2,13) und Joffrey Lauvergne (2,11) stemmen. Dass ihm die beiden zudem mehrere Jahre NBA-Erfahrung voraus haben, beeindruckte Booker, 27, indes nicht. Sein großer Bruder Trevor und sein Cousin Jordan Hill, beide 31, spielen ja auch in der besten Liga der Welt. "Wenn man auf den Platz geht, spielt das keine Rolle mehr", sagt Devin Booker, er hat nämlich festgestellt: "Die binden sich die Schuhe genauso zu wie ich auch." Das ist ebenfalls eine Entwicklung der FC-Bayern-Basketballer, die sie in Istanbul gezeigt haben, die sich aber nicht in Zahlen ausdrücken lässt: Dass sie nicht mehr in Ehrfurcht erstarren vor großen Namen.