Basketball Rutschfest

Maodo Lo bittet zum Tänzchen: Der Spielmacher der Bayern (li.) war nicht nur für Christopher Evans von Herbalife Gran Canaria zu schnell.

(Foto: Matthias Stickel/imago)

Der Niederlage gegen Piräus lassen die Basketballer des FC Bayern auf Gran Canaria den ersten Euroleague-Auswärtssieg folgen. Am Sonntag kommt Gießen, zum dann vierten Spiel in acht Tagen.

Von Ralf Tögel

Der Boden war ein großes Thema auf Gran Canaria. Genauer gesagt der Belag in der Arena zu Las Palmas, wo im Normalfall vor bis zu 11 500 Zuschauern Basketball gespielt wird. In dieser Saison erstmals in der Euroleague, was dem Neuling Herbalife Gran Canaria bereits einigen Ärger eingebracht hat. Von Ergin Ataman zum Beispiel. Der Trainer von Efes Istanbul sprach dem Spielort angesichts des rutschigen Belags gar die Euroleague-Tauglichkeit ab, "unwürdig" sei die Halle, motzte er nach dem knappen Sieg ob der Verletzung seines NBA-erprobten Akteurs Shane Larkin. Die Euroleague reagierte, der Klub musste das Parkett austauschen, was gerade rechtzeitig vor dem Gastspiel des FC Bayern geschah. Der bedankte sich mit einem 89:74-Auswärtssieg - und es gab erneut Ärger wegen des Bodenbelags.

Als Ende des zweiten Viertels Münchens NBA-erprobter Derrick Williams unvermittelt ausrutsche und mit seinen 110 Kilogramm auf den Boden krachte, da stockte nicht nur seinem Trainer Dejan Radonjic der Atem. Ausgerechnet Williams, der kurz vorher mit zwei feinen Dreiern die Münchner erstmals zweistellig in Führung gebracht hatte (15. Minute, 36:25). Glücklicherweise besteht der Amerikaner fast ausschließlich aus Muskeln, er schüttelte sich kurz, setzte sein typisches Zahnpastagrinsen auf und stopfte den Spaniern kurz darauf den nächsten Ball in den Korb. Auch Williams war ausgerutscht, allerdings nicht wegen der Qualität des frisch verlegten Bodens, sondern weil es in die Halle tropfte. Das Arenadach war dem Dauerregen draußen nicht gewachsen, was ulkige Bilder produzierte. Immer wieder krochen Helfer auf dem Boden herum, um die Spielfläche trocken zu wischen.

Die Münchner spielten ob des unhaltbaren Zustandes unter Protest, glücklicherweise blieb Williams' Unfall der einzige. Trotzdem gelangen ihm allein in der ersten Halbzeit 18 seiner insgesamt 20 Punkte. Zur Halbzeit führten die Münchner dennoch gerade mal mit 46:42 Punkten, und mussten sich die Frage gefallen lassen, wie das eigentlich sein konnte.

Es regnet durchs Hallendach, die Bayern legen Protest ein - und ziehen ihn wieder zurück

Denn allein ihre individuellen Möglichkeiten überstiegen die der Spanier deutlich, in deren Reihen nicht einmal eine Handvoll Akteure Erfahrung in der höchsten europäischen Spielklasse hat. Irgendwie schaffte es Gran Canaria dennoch, im Spiel zu bleiben - unterstützt von einer gewissen Sorglosigkeit der Münchner.

14 Ballverluste, unnötige Fehlwürfe oder einfach überflüssige Schlafmützigkeiten gaben Spielern wie Herbalife-Center Ondrej Balvin, der ja auch schon für die Bayern spielte, zu oft zweite Möglichkeiten. Der Tscheche musste nach nicht einmal einem halben Jahr in München im Januar 2017 Maik Zirbes weichen, nun revanchierte er sich mit 15 Punkten. Damit war er Gran Canarias Bester neben dem Schweden Marcus Eriksson. Der Distanzschütze warf seine Farben gerade rechtzeitig zum Ende des dritten Viertels 63:62 in Front.

Die Bayern mussten sich spätestens jetzt in einem bösen Traum wähnen, denn eigentlich hatten sie Spiel und Gegner weitgehend kontrolliert, versäumten es aber in unschöner Regelmäßigkeit, jede Chance zur vorzeitigen Entscheidung leichtfertig zu verdaddeln. Immerhin: Die Bayern besannen sich rechtzeitig auf ihre Klasse. FCB-Center Devin Booker eröffnete das finale Viertel mit einem krachenden Dunking, fortan begann er auch noch damit, die Rebounds verlässlich einzusammeln.

Und die Bayern hatten Maodo Lo. Der Spielmacher zeigte seine wohl beste Leistung im roten Trikot und führte die Kollegen zum ersten Euroleague-Auswärtssieg. Allein sein Tempo beim Dribbling war zu viel für die Gegner, immer wieder fand sich ein Spanier auf dem Hosenboden wieder, was aber nicht am glitschigen Parkett lag, sondern an den blitzschnellen Finten des Bayern-Guards. Entweder schloss Lo fehlerlos selbst ab oder fand den besser postierten Nebenmann. So fiel es gar nicht ins Gewicht, dass Regisseur-Kollege Stefan Jovic erneut passen musste. Lo sammelte zudem 22 Punkte. Neben Booker, der mit zehn Punkten und elf Rebounds ein Double-Double schaffte, punkteten noch Petteri Koponen und Vladimir Lucic (je 11) zweistellig, nicht zufällig zwei Spieler mit Euroleague-Erfahrung.

Schon am Sonntag geht es weiter, dann zu Hause gegen Gießen (18 Uhr, Audi Dome). Die 46ers sind die Überraschung der Bundesliga, an Platz drei notiert - und ausgeruht. Sie konnten sich eine Woche vorbereiten. Die Münchner hoffen wieder auf einen Einsatz von Jovic, im vierten Spiel innerhalb von acht Tagen. Zuversicht gibt ihnen neben dem 106:92-Sieg im Pokal gegen Gießen die Ausbeute der vergangenen Woche: Der unnötigen Niederlage gegen Piräus stehen Siege gegen den Mitteldeutschen BC und Gran Canaria gegenüber.

Den Einspruch haben die Bayern dort im Übrigen zurückgezogen. Das Hallendach wird trotzdem ein großes Thema auf Gran Canaria bleiben.