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Basketball:Projekt ProB

„Profis können wir uns auf keinen Fall leisten“: Aber einen wie Moritz Wohlers, seit langem unumstrittener Führungsspieler bei den Tropics.

(Foto: Claus Schunk)

Die Oberhaching Tropics bereiten sich nach ihrem Aufstieg auf die zweite Liga vor. Heimspiel-Events sollen künftig Zuschauer anlocken, im Etat klafft zugleich noch eine Lücke von 20 Prozent.

Wenn Mario Matic über die letzten Wochen spricht, klingt das wie eine Mischung aus einer Kampf- und einer Dankesrede. "Es war ein harter Kampf", sagt der Trainer, dann bedankt er sich bei seinem Vorgesetzten: "Mein Arbeitgeber war ganz schön tolerant mit meinen Arbeitszeiten." Der Grund, weshalb Matic seinem Job als Logistiker zuletzt nicht in gewohnter Manier nachgehen konnte, ist der sportliche Erfolg der Oberhaching Tropics, die Anfang April erstmals den Aufstieg in die so genannte zweite Liga ProB, eigentlich die dritthöchste Spielklasse im deutschen Basketball, fixieren konnten.

Seit einigen Tagen ist dieser sportlich längst sichere Aufstieg nun auch offiziell. Unter einer Auflage erhielt der TSV die Lizenz für die zweite Liga. Der "harte Kampf", von dem Matic spricht, wurde in den Wochen zuvor gekämpft, die Bilanz musste nachgeschrieben werden, weil der TSV ein eingetragener Verein und nicht - wie viele andere Klubs - eine GmbH ist. Dann war auch noch der Steuerberater im Urlaub. "Wenn man mir vor einem Jahr gesagt hätte, dass wir die Auflagen erfüllen können, hätte ich es im Leben nicht geglaubt. Sportlich wusste ich, dass wir es schaffen können, wirtschaftlich nicht", sagt Matic. Das Mammutprojekt jedoch ist geschafft - zumindest fürs Erste.

"Wir suchen einen DJ, einen Kameramann und ein Maskottchen", sagt Trainer Matic

Sie sind nun Münchens Nummer zwei, in derselben Liga wir die zweite Mannschaft des FC Bayern. "Nachdem wir uns lange genug mit Verwaltungsthemen auseinandergesetzt haben, stehen jetzt die nächsten praktischen Probleme an", sagt Matic. Zu den Baustellen bei den Tropics zählen die Finanzen. Es fehlen derzeit noch etwa 20 Prozent des Etats. Immerhin die für die Lizenz notwendigen 80 Prozent konnte man zur Verfügung stellen. Der TSV sucht jedoch nicht nur nach Sponsoren, sondern vor allem nach freiwilligen Mitarbeitern, die am Projekt Zweitliga-Basketball mitarbeiten möchten: "Wir brauchen Leute, die Lust haben uns in ihrer Freizeit zu unterstützen", wirbt Matic: "Wir suchen zum Beispiel einen DJ, einen Kameramann und ein Maskottchen."

Auch der Umzug in die Halle in Deisenhofen war eine Voraussetzung, um überhaupt die Lizenz zu erhalten. Dort ist nun Platz für mehr als 500 Zuschauer, die entsprechend unterhalten werden sollen: "Wenn wir am Samstagabend mit der ersten Mannschaft spielen, ist der Plan, davor die Jugendteams anzusetzen und ein Event draus zu machen", sagt Matic. Dem Verein sei bewusst, dass nicht einfach so mehr Zuschauer kommen, man müsse ihnen schon etwas mehr bieten als guten Basketball: Eine "Show" schwebt Matic vor, samt Musik und Catering. Bislang verkauft die Frau von Klub-Präsident Bernd Schubert vor Heimspielen Kuchen und Kaffee. Sollte das anvisierte Ziel von 200 Besuchern tatsächlich erreicht werden, bräuchte auch sie Unterstützung, sagt Matic.

Was der Aufstiegstrainer nicht allzu groß erzählt, ist, dass auch er Unterstützung brauchen könnte. Im vergangenen Jahr war Matic Trainer, Manager, Sportdirektor und Busfahrer in einem. "Wenn möglich, würde ich das Haupttraineramt gerne abgeben, aber natürlich nur, wenn sich eine Ideallösung findet", sagt Matic. Das sei zumindest der langfristige Plan.

Bei all der Eventisierung könnte man fast meinen, die Tropics würden ihre Kernkompetenz auf dem Parkett vergessen. An das Spiel an sich hat Matic in letzter Zeit tatsächlich weniger gedacht, gibt er zu: "Aber wir arbeiten gleichzeitig am Kader für die kommende Saison, das ist klar." Der Stamm der Mannschaft, die den Aufstieg geschafft hat, wird bleiben, bestätigt Matic, dazu will man ein paar Spieler aus dem Münchner Raum verpflichten. Sehr viel Geld verdienen wird keiner von ihnen: "Profis können wir uns auf keinen Fall leisten", sagt Matic: "Solchen Spielern müssten wir die Wohnung, die Reisen und alles Mögliche bezahlen, dafür haben wir bei weitem nicht das Geld." Außerdem sei das Mannschaftsgefüge die Stärke des TSV, nicht die einzelnen Akteure.

Überhaupt wollen die Tropics nach ihrem Aufstieg nicht in Versuchung geraten, über den Verhältnissen zu wirtschaften, sondern geschickt zu arbeiten und gleichzeitig das sportliche Maximum herauszuholen: "Wir wollen zum Beispiel die Kooperation mit dem TS Jahn München verstärken", sagt Matic: "Die leisten als Ausbildungsverein sehr gute Arbeit. Wir werden versuchen, den Spielern möglichst oft Plätze im Kader zu geben."

Junge Spieler, eine eingeschworene Mannschaft und viel Einsatz der freiwilligen Helfer, so soll das Erfolgsrezept in Oberhaching lauten. Matic hält den Klassenerhalt durchaus für möglich - wenn alles optimal läuft: "Wir werden in jedem Spiel überleben müssen", sagt der Trainer. Der Kampf geht also weiter.