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Basketball:Nur von den Besten lernen

"Außergewöhnlich gut": Die U16- und U19-Junioren des FC Bayern München spielen an diesem Wochenende beim Top-Four-Turnier in Jena um die deutsche Meisterschaft. Härtester Gegner ist Berlin.

Rechts an einer Stange vorbei, Drehung, den Ball hinter dem Rücken prellen, links um eine Stange und Korbleger. Diese Übung zehnmal wiederholen, dann zwei Freiwürfe, Umbau, nächste Übung: Jetzt von der anderen Seite anlaufen, Dribbling, Zug zum Korb und Abschluss, zehn Wiederholungen, wieder zwei Freiwürfe: So wird eine Spielsituation samt Erschöpfung und Anspannung beim Wurf aus sieben Metern so gut wie möglich simuliert. Wer ein Individualtraining im Jugendbereich des FC Bayern Basketball beobachtet, kann sich vorstellen, wie viel Training notwendig ist, um überhaupt einmal Korbleger und Freiwürfe auf Bundesliganiveau ausführen zu können.

Seit etwa einem halben Jahr bieten die Münchner ihren Jugendspielern solche Trainingseinheiten an, um abseits des normalen Teamtrainings individuell an der Technik zu feilen. Geleitet wird das sogenannte "Player Development Team" von Emilio Kovacic, der vor seinem Engagement in München als Director of International Scouting bei den Phoenix Suns in der NBA gearbeitet hat. Kovacic, als Spieler sieben Jahre lang in der Euroleague aktiv und 1999 zum wertvollsten Spieler der kroatischen Liga gewählt, soll sich beim FC Bayern unter anderem mit dem ehemaligen Nationalspieler Anton Gavel, der vor der Saison seine Karriere beim FCB beendet hat, um die gezielte Nachwuchsförderung kümmern.

"Das ist für Deutschland schon sehr besonders, eigentlich gibt es so etwas sonst nur in der NBA", sagt Andreas Wagner, Cheftrainer der U19, die in der NBBL spielt: "Vor oder nach dem Training oder auch angepasst an die Schulzeiten der Jugendspieler können wir so gezielt arbeiten." Bei den Spielern kommt das Angebot gut an: "Ich habe zuletzt sehr viel mit Emilio an meiner Wurftechnik gearbeitet, man profitiert aber auch in Gesprächen sehr viel von seiner Erfahrung in der NBA", sagt Kilian Binapfl, 19, der als Guard in Wagners Mannschaft spielt.

Am Wochenende wird unter anderem Binapfls Wurftechnik darüber bestimmen, ob die Münchner U19 beim Top-Four-Turnier in Jena den Titel gewinnen kann. "Wir hatten keine leichte Saison, viele Verletzungen und eine schwere Gruppe im Süden, aber wenn wir zur Finalrunde fahren, wollen wir natürlich gewinnen", sagt Wagner, relativiert aber die Bedeutung von Titeln im Jugendbereich: "Uns geht es ja nicht um Pokale, sondern um die Ausbildung der Jungs." Die hat sich beim FC Bayern in den vergangenen 20 Jahren elementar verändert, sagt Wagner, der von 2000 bis 2006 die erste Mannschaft betreute, damals noch in der Regionalliga und der zweiten Bundesliga: "Damals hatten wir zwei Trainer, die den gesamten Nachwuchsbereich geschmissen haben. Heute werden alle Jugendteams von der U14 aufwärts von Profis trainiert, das gibt es meines Wissens in Deutschland sonst nur bei Alba Berlin."

Der Hauptstadtklub ist in der Jugendförderung weiterhin das Maß der Dinge in Deutschland, doch die Bayern schließen auf. Seit einem Jahr trainieren die Jugendteams in der Halle des neuen Campus im Münchner Norden. Dort sind die Möglichkeiten "außergewöhnlich gut", sagt Florian Weddel, der die U16 in der JBBL trainiert: "Die Jungs können von dort aus mit dem Fahrrad zur Schule fahren, wir Trainer haben unsere Büros am Campus, das erleichtert vieles."

Weddel und die U16 treten ebenfalls am Samstag beim Finalturnier in Jena an, auch sie könnten im Finale auf die Favoriten aus Berlin treffen. Der Vergleich mit Alba fällt im Gespräch mit den Jugendtrainern immer wieder, die Bayern orientieren sich stets am Branchenprimus. Mit gesundem Realismus, wie Wagner verdeutlicht: "Wir sind immer noch ein junges Nachwuchsteam, wir haben keine jahrzehntelange Erfahrung, aber ich glaube wir entwickeln uns in die richtige Richtung."