Basketball Meisterliche Ökonomie

Der FC Bayern weiß sich in Ludwigsburg immer dann zu steigern, wenn es nötig ist.

Von Ralf Tögel

Wie soll man diesen Sieg der Basketballer des FC Bayern in Ludwigsburg nun einstufen? Souverän? Durchwachsen? Oder gar glücklich? Eher Letzteres, fand Ludwigsburgs Lamont Jones, wie er nach der Partie im Interview mit dem übertragenden Sender Magenta Sport sagte: "Wir haben uns heute selber geschlagen und definitiv nicht unser volles Potenzial erreicht." Angesichts der betretenen Gesichter in der Halle, in der angesichts des Spielverlaufs nur selten Stimmung aufkam, eine Sichtweise, die man durchaus als exklusiv bezeichnen darf. Vielleicht war diese Einschätzung ja der Leistung des Ludwigsburger Shooting Guards geschuldet, der immerhin zwölf Punkte gesammelt hatte und neben Kelan Martin (17) und Marcos Knight (16) zu den besseren Akteuren in den gelb-schwarzen Trikots zu zählen war. Die nackten Zahlen indes wussten eine andere Wahrheit zu erzählen: Mit 91:75 Punkten gewann der haushohe Favorit ein Auswärtsspiel, in dem Gastgeber Ludwigsburg letztlich ohne Chance geblieben war.

Bayern-Trainer Dejan Radonjic, allein von Berufs wegen eher kritisch eingestellt, stimmte dem vorbehaltlos zu: "Wir hatten über 40 Minuten die Kontrolle über das Ergebnis. Im zweiten Viertel hat mir die Defense nicht gefallen, aber ansonsten haben wir uns gut präsentiert. Das ist ein weiterer Sieg auf unserem Weg." Der geradewegs auf den ersten Platz nach der Hauptrunde zusteuert, die am Sonntag mit der Partie gegen Braunschweig im Audi Dome (16.30 Uhr) für die Münchner seine Fortsetzung findet - und nach den Playoffs in der Titelverteidigung enden soll.

Das Spiel in Ludwigsburg jedenfalls taugte nicht gerade dafür, um die Zweifel daran zu mehren. Die Baden-Württemberger nämlich kämpfen verbissen um einen Platz in der K.o.-Runde, ihre Gegenwehr aber hielt sich in Grenzen, was zum einen der Qualität des Meisters geschuldet war, zum anderen befindet sich Ludwigsburg seit geraumer Zeit in einem formidablen Leistungstief. Nach sechseinhalb Minuten lagen die Bayern mit 17:4 in Front, Ludwigsburg wirkte bereits zu diesem Zeitpunkt überfordert, der Meister spielte eine giftige Abwehr, schaltete schnell um und schloss zielstrebig ab.

Selbst im Rebound, eine der wenigen Disziplinen, in der die MHP Riesen nach bisherigem Saisonverlauf vor München rangiert, war der Gast zu Beginn klar besser. Nach dem ersten Viertel führten die Münchner 21:10, lediglich im zweiten Viertel agierten die Gäste nachlässig, die ohne Devin Booker und Robin Amaize angetreten waren, bei denen jeweils das Knie zwickte. Petteri Koponen knickte in der Anfangsphase um und blieb ebenfalls fortan auf der Bank, es dürfte das Muster für die nächsten Spiele der Bayern werden: Der Meister wird Spieler schonen, damit der gesamte Kader zu Beginn der Playoffs in Vollbesitz seiner Kräfte ist.

Gegen Ludwigsburg fiel nicht einmal ins Gewicht, dass Münchens NBA-Wunderknabe Derrick Williams an diesem Abend meilenweit hinter seinen Möglichkeiten blieb. Denn in Topscorer Danilo Barthel, dem mit 24 Punkten ein Saisonbestwert gelang, und dem einmal mehr äußerst treffsicheren Nihad Djedovic (18) waren die Kollegen zur Stelle. Allein dank der Spielführung von Point Guard Stefan Jovic, dem so eleganten wie genialen Regisseur und Passgeber in Reihen des Meisters, geriet der Sieg zu keinem Zeitpunkt in Gefahr. Es fiel den Bayern angesichts der deutlichen Überlegenheit zwar zwischenzeitlich sichtlich schwer, die Spannung hoch zu halten, einmal schloss Ludwigsburg sogar bis auf drei Punkte auf (20:23, 12. Minute). Doch wenn nötig, wussten die Gäste Tempo und Einsatz zu erhöhen - und damit den Abstand schnell wieder in den zweistelligen Bereich zu korrigieren.

Der FC Bayern ist nicht der Gegner, gegen den Ludwigsburg die nötigen Punkte für das Erreichen der Playoffs sammeln kann, dafür ist der Titelverteidiger schlichtweg zu gut. Die Münchner dagegen werden sich weiter steigern, nun, da sie sich ganz auf die Titelverteidigung konzentrieren können. "Jetzt haben wir endlich so viel Zeit wie die anderen Mannschaften stets haben, um uns auf Spiele vorzubereiten, das macht uns natürlich besser", sagte Alex King noch. Eine Einschätzung, die er nicht exklusiv hat.