Basketball Lob vom Ex

Brillante Vorstellung: Maodo Lo.

(Foto: Matthias Stickel/imago)

Nach der Euroleague-Niederlage gegen den körperlich überlegenen FC Barcelona erwartet der FC Bayern an diesem Sonntag Bonn.

Von Ralf Tögel

Und plötzlich war es wie früher: Das letzte Wort hatte Svetislav Pesic. Das war schon beim FC Bayern so, den der Serbe vier Jahre lang trainiert und zur ersten deutschen Meisterschaft seit Einführung der Basketball-Bundesliga geführt hat. Im Palau Blaugrana, der Heimstatt des FC Barcelona, gab er am späten Donnerstagabend seine Expertise als gastgebender Trainer, gleichwohl war sie auch an die Adresse des deutschen Meisters gerichtet: "Es war ein hartes Spiel, die Bayern haben ein sehr starkes Team, das sehr physisch spielt. Sie werden noch viele Gegner überraschen." Nette und ehrlich gemeinte Worte, gleichwohl waren sie nach der 73:83-Niederlage kein Trost.

Dass Pesic weiterhin Sympathie für seinen ehemaligen Arbeitgeber hegt, liegt nach eigenem Bekunden nicht nur daran, dass Sohn Marko als Geschäftsführer weiterhin dessen Geschicke lenkt. Die Einschätzung des 69-Jährigen nach dem dritten Spiel in der Euroleague-Saison, in der beide Teams nun bei einem Sieg und zwei Niederlagen stehen, dürfte von dieser Wertschätzung getragen worden sein, denn in Sachen Physis bekamen die Münchner erneut eine Lehrstunde. Devin Booker etwa, angesichts seiner auf 2,05 Meter Körpergröße verteilten Muskelpakete eine sehr imposante Erscheinung, und Danilo Barthel, 2,08 Meter groß und ebenfalls kein Hänfling, kamen vor allem im ersten Viertel unter den Körben kaum zum Zug. Pesic hatte höflich unterschlagen, dass seine Spieler eben im körperlichen Spiel haushoch überlegen waren. Barca-Center Ante Tomic war in wahrsten Wortsinne überragend, den 2,17-Riesen bekamen die Münchner schlichtweg nie in den Griff. "Es war unser erster Sieg, es fühlt sich gut an", brummte der Kroate nach getaner Arbeit ins Mikrofon, ein Sieg allerdings, der hätte auch ernsthaft in Gefahr geraten können.

Denn zu Beginn des dritten Viertels hatten die Bayern auf 40:44 verkürzt, im letzten Durchgang kamen die Gäste durch zwei Dreier in Folge von Zugang Derrick Williams auf 60:67 heran. Der Amerikaner hatte seinen zweiten Auftritt im Trikot des neuen Klubs und deutete seine exponierten Fähigkeiten erneut an. Mehr nicht, eine Spielpause von mehr als einem halben Jahr ist auch durch noch so viel NBA-Erfahrung nicht so einfach wegzustecken. Für die Bayern war es zudem das erste Auswärtsspiel im höchsten europäischen Wettbewerb, gegen einen so starken wie prominenten Gegner, kurz: Neuland für das Gros der Bayern-Akteure. Was offenbar selbst Könner wie Barthel oder Booker beeindruckt.

Trainer Dejan Radonjic muss sich daher nicht sonderlich grämen, zumal er trotz der Niederlage positive Erkenntnisse mitnehmen konnte. Einsatzwille und Kampfgeist seiner Auswahl stimmten. Die ersten acht Minuten ausgenommen, präsentierte sich sein Personal erneut auf Augenhöhe mit dem elitären Gegner. Maodo Lo, mit 16 Punkten Topscorer, offenbarte erstmals seine große individuelle Qualität, auch Leon Radosevic akklimatisiert sich zusehends. Immer wenn die Gäste ihre Zaghaftigkeit an den Brettern ablegten, waren sie drauf und dran, das Spiel zu drehen. Wären da nicht die vielen leichten Fehler und vergebenen Chancen zur Unzeit passiert. Zuletzt verpassten die Münchner den Anschluss mit versiebten Freiwürfen. Die Niederlage war zwar schmerzhaft, weil unnötig, angesichts einer langen Saison aber kein Beinbruch.

Zudem besteht schon am Sonntag Gelegenheit zur Spielerseelenmassage, dann gastieren die Baskets Bonn im Audi Dome (18 Uhr) zum Bundesliga-Duell zweier ungeschlagener Teams. Ein Sieg, das hatte FCB-Geschäftsführer Marko Pesic kürzlich gesagt, kann durch kein Lob der Welt ersetzt werden.