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Basketball:Kleine Katastrophe

Erst musste Topscorer Peter Zeis (re.) mit zwei technischen Fouls vom Platz, dann Sebastian Rauch mit fünf Fouls – die Tropics waren in Unterzahl.

(Foto: Claus Schunk)

Nach ihrem Aufstieg in die ProB haben die Oberhaching Tropics eine beispiellose Verletztenmisere erlitten. Aufgeben werden sie nicht.

Mario Matic ist ein Freund klarer Worte, also sagt er: "Wir wollen nicht um den heißen Brei herumreden. Natürlich wussten wir, dass es schwer wird in dieser Saison, wir sind Aufsteiger und haben keinen Profi im Team." Doch das, was seiner Mannschaft mittlerweile widerfahren ist, habe der Trainer der Basketballer des TSV Tropics Oberhaching "in 25 Jahren als Spieler und Trainer" noch nicht erlebt. Als profiloser Aufsteiger hatte der 40-jährige Übungsleiter realistischer Weise auf die Eingespieltheit seiner Auswahl gesetzt, auf das intakte Gefüge, den Kampfgeist, das Kollektiv. Doch nach acht gespielten Minuten in dieser ersten Saison der Tropics in der zweiten Liga ProB war alles über den Haufen geschmissen: "Da hat sich Christian Hustert an der Syndesmose verletzt", so Matic. Der erste Schlüsselspieler musste für den Rest der Saison passen.

Mittlerweile sind acht Partien gespielt, die Tropics stehen mit nur einem Sieg auf dem vorletzten Tabellenplatz und Matic hat zum jetzigen Zeitpunkt bereits drei wichtige Akteure langfristig verloren. Neben Hustert ist nämlich für William Bessoir, der mit einem Knorpelschaden am Knie ausfällt, und Torsten Walter, der sich die Achillessehne gerissen hat, für zwei weitere wichtige Stammkräfte die Saison vorzeitig beendet. In einem ohnehin nicht üppig besetzten Kader ein Drama, das sich mit den Verletzungen von Miljan Grujic (Rücken), John Boyer (Muskelfaserriss), Thomas Nibler (Knie) zu einer personellen Katastrophe ausgewachsen hat.

"Wir haben von Anfang an kein einziges Spiel annähernd in Bestbesetzung bestreiten können. In den letzten Spielen hat sich Thomas Nibler auf die Bank gesetzt, dass wir wenigstens einen Auswechselspieler hatten. Im Training habe ich meist nur sechs, sieben Spieler zur Verfügung, wie soll man da einen ordentlichen Trainingsbetrieb aufrecht erhalten?" Die Wort purzeln nur so aus dem Mund von Matic, manchmal klingt er fast ein wenig verzweifelt, denn eigentlich waren die Tropics ja recht zuversichtlich in die Saison gestartet. Denn mit voller Besetzung kann der Aufsteiger durchaus mithalten, das hat er mehrmals beweisen. Bei der knappen Niederlage nach Verlängerung im Audi Dome, bei der zweiten Besetzung der großen Bayern. Und natürlich beim Auswärtssieg in Erfurt, "da haben nur zwei Verletzte gefehlt", erinnert sich Matic. Erfurt ist Letzter und ein gutes Beispiel, wie die Konkurrenz auf personelle Probleme reagiert: "Sie haben nachverpflichtet", weiß Matic, in einem Kader, der ohnehin drei, vier Profis aufzubieten hat. "Wir haben diese finanziellen Möglichkeiten nicht." Dann sagt der Tropics-Coach trotzig: "Aber aufgeben werden wir nicht."

Natürlich müsse man sich mit dem Gedanken an die Abstiegsrunde anfreunden, natürlich ist nun das Saisonziel vom Erreichen der Playoff-Runde auf den Klassenerhalt geschrumpft. Aber es gibt trotz aller Probleme Hoffnung. In Justin Headley kam ein talentierter Spielmacher vom Pro-B-Klub Hanau, wo er keine Einsatzzeiten erhielt. Der 23-Jährige wurde in Schwabing ausgebildet und überzeugt nun in Oberhaching. In Sebastian Rauch kam ein 32-jähriger Routinier, der zwar eine Saison nicht mehr aktiv war, aber unter anderem beim FC Bayern II gespielt hat. Vielleicht wird außerdem Grujic am Wochenende zum Heimspiel gegen die Baskets Speyer (19 Uhr) ins Team zurückkehren, bei Boyer könnte es in drei Wochen so weit sein, hofft sein Trainer. Auch die jüngste Partie bei der Erstligareserve in Gießen stimmt Matic zuversichtlich, 30 Sekunden vor dem Ende waren die Tropics noch auf zwei Punkte am Gegner dran. Als Sebastian Rauch fünf Minuten vor dem Ende mit dem fünften Foul vom Feld musste, spielten die ersatzgeschwächten Tropics ob fehlender Wechselspieler in Unterzahl zu Ende. Das Spiel ging 94:103 verloren.

"Aber die Moral stimmt", sagt Matic. 14 Partien stehen noch aus, genug, um "ein paar Siege einzusammeln". Und wer weiß, vielleicht "läuft uns ja noch ein Spieler zu". Ein paar Worte diesbezüglich seien schon gewechselt worden.