Basketball:"Ich bin ein guter Typ"

France v Germany - FIBA European Championships 2013

"Einer der besten drei Center in Europa": Die Bayern halten große Stücke auf Zugang Maik Zirbes.

(Foto: Christof Koepsel/Getty)

Symbiotische Beziehung: Center Maik Zirbes will dem FC Bayern mehr Wucht unter dem Korb geben, der Klub ihm die Chance, Titel zu gewinnen

Von Ralf Tögel

Marko Pesic hatte sichtlich Mühe, seine Freude zu verbergen. Der Grund saß ein paar Zentimeter neben ihm, 2,07 Meter groß, kurz geschorenes Haupt, mächtiges Kreuz, 120 Kilogramm Muskeln, Schuhgröße 52, kurz: Maik Zirbes. Was der neue Center des FC Bayern so von sich gab bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in Arbeitskleidung des neuen Klubs, dürfte der Stimmung des Münchner Geschäftsführers nicht abträglich gewesen sein. Dem 27-Jährigen wird ja bisweilen eine gewisse Einsilbigkeit nachgesagt, er spreche lieber mit Taten auf dem Court, ließ er einmal wissen, doch diesem Vorurteil trat er am Dienstag entgegen. Was er für ein Typ sei, wurde Zirbes zunächst gefragt. "Schwierige Frage", fand er und antwortete: "Ich bin ein guter Typ." Damit hatte er dem trockenen Termin schnell eine gewisse Leichtigkeit verliehen, Zirbes offenbarte sich als ehrgeiziger, eloquenter Typ, der seinem neuen Team "das geben will, was es jetzt braucht". Dieses Selbstbewusstsein hat sich der deutsche Nationalspieler in den vergangenen drei so erfolgreichen Jahren durchaus verdient.

Vor allem in seinen beiden Spielzeiten beim serbischen Spitzenklub Roter Stern Belgrad hat sich der Hüne mit seinen gefürchteten Dunkings zu einem europäischen Topspieler entwickelt. "Er war einer der besten drei Center in Europa", stellte Pesic gar fest. Zirbes soll den Bayern den Punch bringen, die Durchschlagskraft unter den Brettern, die Trainer Sasa Djordjevic bisweilen vermisst. Dafür waren Devin Booker und Ondrej Balvin vorgesehen, doch während sich Bookers Spiel zusehends etwas vom Brett verlagert und verfeinert - zuletzt versenkte der Amerikaner immer öfter Dreier -, wurde Balvin als zu zaghaft befunden. Der tschechische National-Center sucht gerade einen neuen Verein. Für physische Präsenz unter dem Korb ist nun Maik Zirbes zuständig.

"Er passt perfekt in unser System", frohlockt Pesic, "Maik geht nach jedem Ball unter dem Korb, er füttert sich praktisch selbst mit Bällen." Zirbes sei einer der seltenen Akteure, "die das Spiel einer Mannschaft auf ein höheres Level bringen können, das erwarten wir auch von ihm". Für Zirbes ist der Wechsel nach München schlichtweg die ideale Option zum jetzigen Zeitpunkt. Nach den großen Erfolgen mit Belgrad, wo Zirbes das Spiel in der Tat auf ein höheres Level gehoben hat und national alles gewann, was es zu gewinnen gab, lief es zuletzt in Tel Aviv nicht mehr ganz rund. In Tel Aviv sei die Saison bisher in Wellen verlaufen, die enormen Erwartungen seien nicht erfüllt worden, ein Trainerwechsel habe ein Übriges getan. Die Bundesliga kennt der Center dagegen gut, ausgebildet in Trier, wechselte er 2012 zum Serienmeister Bamberg, wurde sofort Meister. Im Jahr darauf verlor er seinen Stammplatz, er ging nach Belgrad. "Jeder spricht negativ von Bamberg, aber ich hatte dort im Allgemeinen eine sehr schöne Zeit", stellte Zirbes nun klar. Und er knüpfte seinerzeit erste Kontakte nach München, erzählte er, "ich bin öfter mal für einen Tag hierher gekommen". Vor allem die bayerische Küche habe es ihm angetan.

Pesic sieht den bisherigen Werdegang seines neuen Centers ohnehin als ideal an, er habe sich immer "goldrichtig entschieden". Auch so ein kleiner Karriereknick - Zirbes wurde vom damaligen Bamberger Manager Wolfgang Heyder harsch kritisiert - sei der charakterlichen Entwicklung eines Spielers dienlich. Pesic hält den ersehnten Zugang ("Ich habe keine Sekunde überlegt") für leicht integrierbar: "Er muss sich wohlfühlen und Vertrauen spüren, dann wird er liefern. Davon bin ich felsenfest überzeugt." Zirbes richtet den Blick fortan ausschließlich nach vorne, das Engagement bei den Bayern sei für alle Beteiligten "die beste Lösung". Der Center versteht das Ganze als eine Art Symbiose: Er gibt den Bayern die vermisste Physis unter dem Korb, sie ihm die Möglichkeit "Titel zu gewinnen". Ganz einfach.

An diesem Mittwoch im Eurocup-Heimspiel gegen Ulm (20 Uhr) wird Zirbes aber fehlen, noch zwickt eine Entzündung an der Fußsohle. Nichts überstürzen, die Bayern stehen bereits unter den Top 16, Ulm ist ausgeschieden. Ein schweres Spiel, so Pesic, das man ernst zu nehmen habe. "Alles andere wäre unprofessionell", ergänzte Zirbes, es gehe auch ums Selbstvertrauen, "damit wir mit Anlauf ins Halbfinale kommen". Bei diesen Worten konnte sich Pesic das Grinsen nicht mehr verkneifen.

© SZ vom 01.02.2017
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