Basketball "Ich bin bereit"

In Derrick Williams hat der FC Bayern einen Akteur aus der NBA verpflichtet. Der will Titel holen - und sich in der Euroleague für eine Rückkehr in die USA empfehlen.

Von Ralf Tögel

LeBron James zum Beispiel. "Er hat mir gezeigt, was tagein tagaus zu tun ist, um auf diesem Level zu bleiben." Oder Kyrie Irving. "Ich habe gelernt, was es bedeutet, ein Spitzenspieler zu sein: Jeden Tag hart zu arbeiten." Oder Kevin Love. "Von solchen Spielern lernt man, an seine Grenzen zu gehen, um so gut zu sein, wie es nur geht." Der Mann, der das sagt, heißt Derrick Williams, er hat mit diesen drei Giganten im Team der Cleveland Cavaliers die NBA-Finalserie 2017 gespielt, mehr hat dieser Sport nicht zu bieten. Und bessere Spieler auch nicht. Gegner waren die Golden State Warriors, die mit 4:1 Siegen letztlich die wertvollste Trophäe des Basketball-Universums gewannen, dank Akteuren wie Stephen Curry, Kevin Durant oder Klay Thompson. Nun also sitzt dieser Derrick Williams tief im Bauch des Münchner Audi Domes und erzählt mit der Erfahrung von 428 NBA-Spielen ein bisschen aus seiner jüngeren Vergangenheit. Williams lächelt viel, manchmal blickt er ernst, immer wieder lobt er seinen neuen Verein. Seine Entscheidung für die Bundesliga will er nicht als Rückschritt verstanden wissen, er habe mehrere Optionen gehabt, Angebote aus Russland oder Spanien. Doch der FC Bayern war für ihn zu diesem Punkt seiner Karriere das optimale.

Es ist ein bodenständiger, sympathischer erster Auftritt von Williams, auf dem Spielfeld ist weniger Zurückhaltung von ihm zu erwarten. Außer einem Kurzgastspiel in China war er bei sechs NBA-Spitzenteams engagiert, spielte Saison für Saison gegen die Weltbesten. Nun sagt er: "Ich werde mit meinem Wissen, meiner Erfahrung und meinem Können alles dafür tun, mein neues Team besser zu machen. Und möglichst viele Spiele und Titel zu gewinnen. Ich bin bereit."

2017 verließ Derrick Williams Miami, um zu den Cleveland Cavaliers zu wechseln, mit denen er die NBA-Finals erreicht.

(Foto: imago)

Seine neue Mannschaft ist der FC Bayern München, der 27-jährige Power Forward hat den Medizincheck erfolgreich absolviert, eigentlich eine Formalie für einen Profi, der vor kurzem noch bei den Los Angeles Lakers unter Vertrag stand. Doch Williams war mit einem hartnäckigen Infekt angereist, was nicht nur die Vertragsunterzeichnung um ein paar Tage verzögerte, sondern auch ein paar Tage gemeinsame Vorbereitung mit den neuen Teamkollegen verhinderte. "Es wird ein bisschen Zeit brauchen", glaubt er daher, bis er sich Team, Verein und Liga angepasst habe. An seinen Zielen lässt er aber keine Zweifel, wobei er bezeichnender Weise kaum auf nationale Titel eingeht, sondern vielmehr die Euroleague ins Auge fasst: "Ich bin hierherkommen, um in der Euroleague zu spielen, das ist eine der stärksten Ligen der Welt, mit sehr guten Mannschaften." Im Trainingslager des FC Bayern habe er die Partien gegen Mailand und Moskau gesehen, "die können schon Basketball spielen". Williams gab auch gleich die Euroleague-Endrunde als Ziel aus, ein ehrgeiziges Vorhaben, für das die Münchner das Können des 2,03 Meter großen und 108 Kilo schweren Forwards benötigen werden.

Trotz seines wuchtigen Körpers wirkt Williams auf dem Feld leichtfüßig, seine gute Beinarbeit habe ihn schließlich dahin gebracht, wo er jetzt sei. Und sie soll ihn idealer Weise auch wieder dahin bringen, wo er herkommt: zurück in die NBA. Auch daraus macht Williams keinen Hehl, dass er die Bayern als Station auf seinem beeindruckenden Weg sieht. 2011 wurde er an zweiter Stelle im so genannten NBA-Draft ausgewählt, war der zweitbegehrteste Newcomer der gesamten nordamerikanischen Profiliga. Und Williams schien die Hypothek zu schultern, punktete im Trikot der Minnesota Timberwolves in 78 Spielen zweistellig im Schnitt, gegen New Orleans gelangen ihm einmal 28 Punkte, doch Ausleihen und wechselnde Trainer bremsten sein Potenzial zusehends aus. Im vergangenen Januar führte sein Weg nach China zu den Tianjin Gold Lions, im März heuerte er für zehn Tage bei den LA Lakers an.

Nun also der FC Bayern, in einer Liga, die einen wie ihn eigentlich wenig reizen dürfte. Doch beim Meister kann er sich auf der höchsten kontinentalen Bühne präsenteren, die Euroleague ist längst auch in Richtung Nordamerika durchlässig, wie viele Spieler beweisen, die selbige als Sprungbrett genutzt haben. Und umgekehrt, Williams konnte eine ganze Reihe ehemaliger NBA-Akteure nennen, die demnächst in der Euroleague Gegner sind.

Zunächst aber wartet ein weniger prominenter Kontrahent, im Achtelfinale des deutschen Pokal-Wettbewerbs gastieren an diesem Sonntag (15 Uhr) die 46ers aus Gießen. Der neue Modus bringt ausschließlich K.-o.-Spiele, wie schon die erste Runde der 16 BBL-Teams (ohne Aufsteiger) wird bis zum Finale gelost - was auch für das Heimrecht gilt. Ob Derrick Williams am Sonntag sein Debüt gibt, ist fraglich, am folgenden Donnerstag kommt dann Anadolu Efes Istanbul zum Euroleague-Auftakt (20.30 Uhr). Ein Gegner ganz nach Williams' Gusto: "Alle erwarten besondere Dinge von mir, das ist für mich aber weniger Druck als Herausforderung." Dann sagte er noch: "Ich hoffe, ich kann liefern."