Süddeutsche Zeitung

Basketball:Gute und schlechte Nachrichten

Der FC Bayern spielt Bonn eine Halbzeit lang an die Wand. Dann nimmt das Team plötzlich das Tempo aus der Partie und bringt sich selbst in Bedrängnis. Nur dank ihrer individuellen Klasse vermeiden die Münchner eine weitere Blamage gegen den Tabellenvorletzten.

Die Basketballer des FC Bayern haben gegen die Telekom Baskets Bonn mit 93:85 Punkten gewonnen. Das ist die gute Nachricht aus Münchner Sicht. Weniger gut war die Leistung des deutschen Meisters, der so immerhin etwas Spannung aufs Parkett brachte - wonach es zur Pause noch kein bisschen ausgesehen hatte. Denn bis zum Gang in die Kabine spielte sich das erwartete Geschehen ab, die Bayern waren haushoch überlegen und spielten den Tabellenvorletzten an die Wand. 26:7 führte der Titelverteidiger nach zehn Minuten und ließ den Gegner auch im zweiten Viertel nicht näher herankommen. Das erlaubten die Gastgeber den bis dahin überforderten Bonnern jedoch völlig überraschend im dritten Viertel, das sie mit 11:25 abgaben, womit sie dem klaren Außenseiter den Glauben an eine Überraschung zurückgaben.

Letztlich war die individuelle Klasse des Meisters aber zu groß für die leidenschaftlich kämpfenden Bonner. Vor allem NBA-Zugang Greg Monroe riss das Spiel an sich, nachdem Bonn durch den Dreier seines Topscorers Branden Frazier (21 Punkte) zum 63:66 den Gastgebern bedrohlich nahe auf den Pelz gerückt war. Erst konterte Kapitän Danilo Barthel die Schrecksekunde mit einem Dreier, bald darauf hämmerte Monroe, der hünenhafte Center, den Ball per Dunking in den Korb und ließ diesem Signal fünf weitere Punkte, zwei Blocks und drei Rebounds folgen. Das Spiel war beim 80:67 viereinhalb Minuten vor dem Ende wieder auf Kurs.

Monroe war mit 22 Punkten, elf Rebounds und sechs Vorlagen auch der bestimmende Akteur im Spiel der Bayern, zudem verdienten sich Barthel (17), Paul Zipser (16) und Nihad Djedovic (12) lobende Worte des Trainers. Oliver Kostic war in erster Linie erleichtert, dass nach dem Triumph gegen Tel Aviv in der Euroleague nun auch der erste Bundesliga-Sieg in seiner Verantwortung eingefahren wurde. "Es war nicht so, wie wir spielen wollen", gab der 46-Jährige aber zu, vor allem die 15 Ballverluste und das insgesamt mäßige Reboundspiel gaben ihm zu denken. Für die künftigen Partien mahnte er "mehr Kontrolle beim Tempo" an. Die Ursache für die miserable Leistung im dritten Viertel gegen Bonn sah er in der schwachen Wurfquote in dieser Phase: "Wenn du nicht triffst, beginnst du zu überlegen." Die Folge: "Wir haben die Kontrolle über die Offensive und unsere Defensivrebounds abgegeben und dem Gegner zu Selbstvertrauen verholfen. Bonn hat das bestmöglich zu einem 19-Punkte-Lauf genutzt. Sie hatten 19 Offensivrebounds, wir 15 Ballverluste."

Es bleibe viel Arbeit, so Kostic, und wenig Zeit: Am kommenden Donnerstag steht bereits die Euroleague-Partie in Mailand an. Immerhin bleibe auch das gute Gefühl der ersten Halbzeit, wie Paul Zipser befand, außerdem "ist Bonn nicht so schlecht, wie sie in der Tabelle stehen. Vielleicht haben ein paar Spieler vergessen, wie es vor ein paar Wochen gelaufen ist." Am 14. Oktober, um präzise zu sein, düpierten eben jene Bonner den Meister im Pokal und warfen ihn mit einem 85:84-Sieg aus dem Achtelfinale. Immerhin wusste sich der Meister nun im richtigen Moment zu steigern und ein Herzschlagfinale wie seinerzeit zu vermeiden. Auch in Sachen Selbstvertrauen befürchtet Zipser keinen Schaden. Trotz des wechselhaften Spielverlaufs "wissen wir schon, wie wir spielen können". Den Beweis habe man ja in der ersten Halbzeit erbracht, das Muster für die Zukunft: "Ich glaube, wir nehmen ein eher gutes Gefühl mit aus diesem Spiel." Für die schwachen Momente indes hatte er keine Erklärung parat, vor allem das fehlerhafte Reboundspiel gab ihm zu denken: "Das ist des Öfteren unser Problem, eigentlich ist klar, wer wann ausboxen muss." Echte Sorgen, dass man verlieren könne, habe er aber nicht gehabt. "Wir wussten, dass wir das Spiel in der Hand hatten", gleichwohl habe man den Gegner "vielleicht ein bisschen unterschätzt. Wenn jeder mit voller Energie spielt, sieht es ganz anders aus."

Vor allem die Zugänge offenbaren anhaltend Probleme, zu ihrer erhofften Leistung zu finden. Center Mathias Lessort wirkt oft ungelenk und verunsichert, hat aber auch immer wieder Momente, in denen er seine großen Möglichkeiten offenbart. Das Spiel von Diego Flaccadori ist nach wie vor zu fehlerhaft, und T. J. Bray kann bislang nicht die Akzente setzen, die sich die Bayern vom besten Spieler der vergangenen BBL-Saison erhoffen. Freilich muss man dem Spielmacher nach seiner fast halbjährigen Verletzungspause die Zeit zugestehen, zu seiner Topform zurückzufinden.

Das größte Problem ist dabei der extrem fordernde Spielplan, der weder Zeit für die Integration neuer Spieler noch zum Auskurieren von Blessuren lässt. Gegen Bonn fehlten Kostic Schlüsselspieler Vladimir Lucic wegen einer Fußverletzung, Zugang Zan Sisko, den die Adduktoren zwicken, und Center Leon Radosevic, der noch geschont wurde. Gerade Radosevic zeigte in den vergangenen Begegnungen aufsteigende Form, er wird in der Euroleague-Partie in Mailand wohl im Kader stehen. Und Lucic? Sisko? Trainer Kostic zieht die Stirn in Falten. Es gehe Tag für Tag besser, berichtet er, aber die Partie beim italienischen Rekordmeister käme wohl zu früh. Das ist keine gute Nachricht.

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SZ vom 28.01.2020
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