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Basketball:Fast jeder Dreier sitzt

Mario Matic, Chefcoch und sportlicher Leiter

"Es war ein Teamerfolg“: Oberhachings Trainer Mario Matic lobte die Spieler für ihre Disziplin in der Defense und die geduldige Offensive.

(Foto: Sebastian Gabriel)

Die Oberhaching Tropics bezwingen in der ProB den bislang ungeschlagenen Tabellenführer Koblenz. Auch wegen ihrer Defensive.

Von Fabian Dilger, Oberhaching

Oberhachings Trainer und Sportdirektor Mario Matic hatte es schon vor dem Spiel, genauer gesagt beim Warmmachen, gesehen und gespürt: Die Baskets Koblenz nahmen die Partie am Samstag in Oberhaching nicht so ernst. "Ist ja auch logisch und nicht verwerflich", sagte Matic nach dem Spiel: Der ungeschlagene Tabellenführer kommt zu den Tropics, die zuvor bei 1:4 Siegen standen, da ist ein bisschen Laissez-faire nicht verwunderlich.

Matics Hellseher-Fähigkeiten und Vorahnungen bestätigten sich dann schon in den allerersten Minuten des Spiels: Koblenz schlurfte und stapfte mehr unmotiviert als souverän über das Feld. In so einer Situation braucht es dann aber vom Außenseiter auch die richtige Antwort, sprich: Wenn der Gegner was herschenkt, muss man es auch erst einmal annehmen. Die Hachinger waren in dieser Situation auf den Punkt da: Eine äußerst disziplinierte Defensive, entschlossene Rebound-Arbeit und geduldige Spielzüge in der Offensive - all das brachte die Mannschaft von Matic von Minute eins an aufs Feld. Und sie hielt es über die gesamte Spielzeit durch.

Die Tropics fügten dem bis dahin ungeschlagenen Tabellenführer Koblenz mit 90:84 (45:37) somit die erste Niederlage zu. Das Spiel zeigte auch, dass die Tropics in der dritthöchsten Liga mit jedem mithalten können, wenn sie diszipliniert spielen. "Im Endeffekt war es ein Teamerfolg. Wir haben eine echt gute Defense gespielt", sagte Tropics-Spieler Peter Zeiß.

Dass die Baskets Koblenz in der ProB Süd an der Spitze stehen, kommt folgerichtig daher: Die Rheinländer haben illustres Personal in ihren Reihen, die Liga sehen sie eher als Durchgangsstation für höhere Aufgaben. Ein Spieler wie der Guard Daryl Woodmore zum Beispiel war auch an einem für ihn eher durchschnittlichen Abend wie am Samstag den meisten Hachingern individuell überlegen mit seiner Athletik und seiner Ballbehandlung. Aber eben nur in solchen isolierten Spielzügen beim Eins gegen Eins brachten die Koblenzer ihre Bälle unter. Die Spielzüge über mehrere Stationen brachen meist an der guten Hachinger Verteidigung, die sich in der Zone konzentrierte. Oberhaching konnte den Raum innen mit ruhigem Gewissen verdichten, weil von außen fast gar nichts kam: Dreipunktewürfe der Koblenzer waren in Halbzeit eins nicht existent. Was wiederum Koblenz' Trainer Danny Rodriguez sichtlich frustrierte: Genervtes Armwedeln, Augenreiben und spontane Zornesausbrüche illustrierten den schleppenden Ballvortrag seiner Mannschaft gut.

Ganz anders wiederum bei Oberhaching: Da lief offensiv vieles, vieles richtig, vor allem die Distanzwürfe. "Der Dreier ist schon echt ganz gut gefallen", sagte Zeiß, was noch untertrieben war. Bis auf ein paar Ausnahmen verwandelte vor allem Zeiß selbst seine Dreier so sicher, dass nach dem Spiel auch die Koblenzer ein Sonderlob gaben. Außerdem blieben die Tropics bei ihren Spielzügen immer geduldig dabei, bis sich ein guter Wurf ergab. Bis auf die ersten Minuten erarbeiten sich die Hachinger so die Führung, die sie in der ersten Halbzeit nie wieder hergaben, mit 45:37 ging es in die Pause.

In Hälfte zwei wurde es intensiver, aber auch stockender: Die Koblenzer waren mit mehr Verve bei der Sache, vor allem in der Verteidigung. Viele Fouls und Unterbrechungen zerteilten das Spiel aber, was für die Hachinger nicht schlecht war, weil Koblenz so keinen Rhythmus aufbauen konnte. Einen einzigen Gefahrenmoment gab es für die Hachinger, als im letzten Viertel die Führung kurzzeitig an Koblenz ging. Aber auch da kam die Reaktion sofort. "Offensiv haben wir dann die Big Shots genommen", sagte Zeiß. In dieser Situation zum Beispiel Joris Ortega, der Zugang aus Frankreich, mit einem wichtigen Dreier und einem entschlossenen Drive zum Korb. Zeiß brach dann den letzten Widerstand der Gäste, als er mit zwei Dreiern direkt hintereinander auf 87:80 stellte.

"Wir haben gezeigt, dass wir jeden schlagen können in dieser Liga", sagte Matic nach dem Spiel. Auf den nächsten Beweis müssen die Tropics aber zwei Wochen warten, das Derby gegen den FC Bayern II wurde verlegt. In diesen zwei Wochen sollen die jungen Leihspieler der Basketball-Akademie München noch besser eingebunden werden: Die beiden 18-jährigen Bent Leuchten und Emilis Butkus zeigten schon im ersten Spiel gegen Koblenz, dass sie bei den Herren weiterhelfen können. "Die nächsten fünf, sechs Wochen sind sie auf jeden Fall bei uns", sagte Matic. Wie es danach weitergeht, hänge vom Spielbetrieb in den Jugendligen ab.

© SZ vom 23.11.2020
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