Basketball Die Körbe hängen hoch

Der Teamgeist ist willig, aber das Konto schwach: Die TS Jahn und der BC Hellenen zieren das Tabellenende der zweiten Liga

Von Karl-Wilhelm Götte

Vielleicht haben die beiden Münchner Basketball-Zweitligisten mehr gemeinsam, als man angesichts der lokalen Konkurrenzsituation annehmen könnte. Wobei: Eigentlich geht es darum, was sie beide nicht haben: nämlich genug Geld, um konkurrenzfähige Basketballerinnen zu verpflichten. Mehr als Teamspirit haben die TS Jahn, mit zwei Siegen und neun Niederlagen Tabellenzehnte der Gruppe Süd, und der BC Hellenen (12./1:10 Siege) nicht zu bieten. Dennoch sind beide zuversichtlich, dass sie mit dem Abstieg nichts zu tun haben werden.

"Die Stimmung ist super", sagte Hellenen-Trainer Christian Maier, 26, der die Mannschaft im Oktober übernommen hat, nach der deprimierenden 39:80-Niederlage im letzten Vorrundenspiel in Würzburg. Maier war zuvor Assistenztrainer von Andreas Ebertz gewesen, der nach einer Niederlagenserie zu Saisonbeginn seinem Ärger Luft machte und entnervt aufgab. "Mit 40 Punkten in Würzburg zu verlieren, nagt nicht am Selbstbewusstsein der Spielerinnen", behauptet nun Maier. Er sagt nicht, dass die Mannschaft sich im Lauf der Saison an solche herben Flops gewöhnt hat. Die Minusdifferenz von 282 Korbpunkten ist aber der schlechteste Wert in der Liga.

Maier geht höchst sensibel mit den Spielerinnen um. "Es gibt auch bei solchen Niederlagen Kleinigkeiten, die ich lobe", sagt er. Obwohl alle Akteurinnen sein Vertrauen genießen, würde dem Hellenen-Coach eine Verstärkung der Mannschaft zur Rückrunde gefallen. "Wir haben unsere Fühler ausgestreckt, um die eine oder andere Spielerin noch dazu zu holen", meint Maier und spricht von einer "hochklassigen Spielerin", die schon im Training gewesen sei. "Die spielt bei uns umsonst", beteuert Maier.

Die TS Jahn, links Julia Obländer, und der BC Hellenen, rechts Sibylle Wessels, haben noch nicht aufgegeben.

(Foto: Johannes Simon)

Kostspielige Zugänge schließt auch Manager Armin Sperber für die Turnerschaft Jahn München aus. Er weiß, dass nur eine Profispielerin die missliche Lage ändern könnte. Für eine Nordamerikanerin wären monatlich etwa 2000 Euro fällig: "Dafür haben wir kein Geld", sagt Sperber. Ihren 50 000-Euro-Etat hatten sich die Basketballerinnen per Crowdfunding und Verlosung zum großen Teil selbst organisiert.

Großes Interesse, das mühsam zusammengekratzte Geld für eine neue Kollegin auszugeben, besteht unter den Jahn-Spielerinnen verständlicherweise nicht. "Die Euphorie über das Gelingen der Aktion war groß", sagt Sperber rückblickend. Dadurch sei die Mannschaft um ihre Leaderin Magdalena von Geyr noch mehr zu einer Einheit zusammengewachsen. Doch um Spiele zu gewinnen reicht das nicht. Die Hoffnung, sich ohne größere Probleme im Tabellenmittelfeld zu etablieren, zerstob bald. Tiefpunkt für den Jahn war die 56:64-Heimniederlage im Derby - der einzige Saisonsieg für die Hellenen.

"Die Liga zeigt, dass du ohne zwei Profis nicht mithalten kannst", steht für Jahn-Manager Sperber einmal mehr fest. Spitzenteams wie beispielsweise Keltern bei Pforzheim würden sogar mit fünf oder sechs bezahlten Spielerinnen antreten. Jahn München ist dagegen leicht auszurechnen, weil die Gegner mittlerweile wissen, dass nur wenige Spielerinnen die Punkte machen. Bei den Ergänzungsspielerinnen, zumeist aus dem eigenen Verein hervorgegangen, blitzt zwar manchmal das durchaus vorhandene Talent auf. Spielen ihren Stempel aufdrücken oder sie gar entscheiden können sie aber nicht. Zudem fällt Centerin Corry Berger seit Wochen aus familiären Gründen aus und wird auch in der Rückrunde nicht zur Verfügung stehen.

"Jezabel Ohanian und ich werden in entscheidenden Phasen besonders beschattet und aus dem Spiel genommen", beschreibt Topscorerin Magdalena von Geyr, die an vierter Stelle der Korbschützenliste der Liga steht, das Problem der Mannschaft. Von Geyr ist trotzdem davon überzeugt, dass in der Rückrunde mehr drin ist: "Zwei Siege in der Vorrunde, das entspricht nicht unserem Potenzial." Deshalb setzt auch von Geyr trotz des unbefriedigenden Saisonverlaufs auf die "prima Stimmung" in der Mannschaft: "Wir verstehen uns alle total gut, das war noch nie so gut wie in dieser Spielzeit." Und damit schließt sich wieder der Kreis zu den Hellenen. "Wir wollen in der Rückrunde durchstarten", kündigt Trainer Christian Maier an. Sie haben doch mehr gemeinsam, als man annehmen könnte.