Basketball Der feine Unterschied

Kämpft um einen neuen Vertrag: Der von Wadenproblemen geplagte FC-Bayern-Flügelspieler Nihad Djedovic.

(Foto: Johannes Simon)

Nihad Djedovic fehlte dem FC Bayern München diese Saison in vielen wichtigen Spielen. Im Titelrennen soll er nun den Endspurt anführen

Von Matthias Schmid

Nihad Djedovic war wenige Monate alt, als seine Eltern vor 26 Jahren von Sarajevo nach München übersiedelten. Sie ahnten damals, dass ihre Heimat ihnen und ihren Kindern nach den politischen Umwälzungen bald kein sicheres Zuhause mehr bieten würde. Fast sieben Jahre blieben sie in der bayerischen Hauptstadt und erlebten die Tragödie des Balkan-Krieges aus der Ferne mit. Djedovic, Basketballer beim C Bayern, verbindet viele schöne Kindheitserinnerungen mit München. Auch deshalb möchte er nach drei Jahren als Profi von hier nicht mehr so schnell weg. Doch noch weiß er nicht, wohin seine Reise im Sommer gehen wird. Sein Vertrag läuft aus. "Ich habe aber eine große Motivation, weiter für den FC Bayern zu spielen", sagt Djedovic.

Mit seiner beruflichen Zukunft mag sich der Bosnier mit deutschem Pass im Moment aber nicht beschäftigen. Er will sich ausschließlich dem Hier und Jetzt widmen, seiner Rückkehr auf das Parkett nach längerer Verletzungspause. Bis zum Ende der Hauptrunde stehen noch sieben Spiele in der Bundesliga auf dem Programm. "Und die wollen wir gewinnen, damit wir unseren zweiten Platz verteidigen", sagt Djedovic vor dem Heimspiel an diesem Sonntag (17 Uhr) gegen Hagen. Denn der 26-Jährige kennt den Stellenwert dieses zweiten Platzes hinter dem zurzeit so stark spielenden deutschen Meister Brose Baskets Bamberg. "Dann haben wir Heimrecht bis zum Endspiel."

Das finale Duell um den Titel gegen die Oberfranken ist natürlich auch das große Ziel von Djedovic, der zuletzt beim 95:81-Sieg in Bonn seine Rückkehr nach vierwöchiger Absenz wegen einer hartnäckigen Wadenverletzung feierte. "Es war psychisch für mich eine schwierige Zeit", gibt Djedovic zu, weil er beim Top-4-Pokalturnier Ende Februar glaubte, wieder vollständig genesen zu sein. Doch dann meldete sich beim Halbfinalsieg gegen Bamberg die Wade abermals, die ihn schon zuvor vier Wochen vom Sport befreit hatte. Djedovic fehlte den Bayern also bei allen wichtigen Spielen in dieser Saison. Bei der letzten Partie in der Euroleague in Belgrad ebenso wie im Pokal-Endspiel gegen Alba Berlin. Und auch zuletzt im Viertelfinal-Rückspiel des Eurocups bei Galatasaray Istanbul. "Das hat natürlich wehgetan, bei drei so bedeutenden Partien nicht dabei sein zu können", betont Djedovic: "Aber die Mannschaft hat das Maximum gegeben, ihr hat halt etwas Glück gefehlt."

Vielleicht hat ihr auch nur Nihad Djedovic gefehlt, dieser Instinktbasketballer, dessen teilweise verblüffende Würfe und Pässe für niemanden berechenbar sind. Der Flügelspieler ist ein Profi, der alle Facetten des vielseitigen Spiels beherrscht und mit seiner Chuzpe für jede Mannschaft den feinen Unterschied machen kann. Wenn Djedovic fit ist, ist er oft der Spieler, der am meisten Punkte sammelt. Er tut das größtenteils so, dass es nicht auffällt, unaufgeregt und effizient. Das weiß auch Bayern-Cheftrainer Svetislav Pesic, der nach dem Spiel in Istanbul bekannte, dass "es interessant gewesen wäre zu sehen, was mit meinem Topscorer Djedovic passiert wäre".

Am Ende fehlten München in der Türkei nur drei Punkte, um erstmals in einem internationalen Wettbewerb ins Halbfinale einzuziehen. Nachdem die Bayern schon das Pokalspiel gegen Berlin mit dem letzten Wurf verloren hatten, war dies das nächste Negativerlebnis in dieser Saison. "Das sind alles Sachen, über die du nachdenken könntest", gibt Djedovic zu. Doch er glaubt nicht, dass diese Ereignisse zu einem Knacks führen werden. Manchmal ist es ganz gut, das es im Sport keine Pausen gibt, findet er, dass es nach Niederlagen genauso wie nach Siegen einfach weitergeht. Ohne viel Zeit zur Selbst-Reflexion. "Zum Hadern bleibt uns keine Zeit, weil wir uns nun auf die Liga konzentrieren müssen", sagt Djedovic.

Er hofft, dass er nach seiner Verletzung nun wieder mitwirken kann, wie er sich das vorstellt: stilprägend für den FC Bayern. In Bonn war er in seinen ersten zehn Minuten recht unauffällig, er sammelte fünf Punkte. "Ich habe zwar länger gefehlt, aber ich brauche nicht so viel Zeit, um mich wieder einzuspielen", glaubt Djedovic.

Die verbleibenden Spiele bis zum Beginn der Meisterrunde Anfang Mai will er nun mit seinen Mitspielern nutzen, um Bamberg ernsthaft fordern zu können. Die herausragenden Auftritte der Oberfranken in der Euroleague sind auch Djedovic nicht entgangen. "Ihre guten Resultate sind nicht zufällig", sagt er. Für unschlagbar hält er sie aber nicht. "Sie sind die stärkste Mannschaft", findet Djedovic, und fügt nach einer Kunstpause hinzu: "Im Moment." Bis zu den Playoffs könne noch viel passieren. "In einer Serie ist immer alles möglich", sagt Djedovic. Sogar, dass Svetislav Pesic Trainer des FC Bayern bleibt. Der Serbe hatte ja jüngst seinen Rücktritt zum Saisonende verkündet, "zu 99 Prozent" jedenfalls. Djedovic lächelt. "Wir werden in den nächsten Wochen und Monaten sehen, wie sich die Dinge entwickeln." Vielleicht treffen sich Djedovic und Pesic nach dem Sommer dann wieder in München - zur Saisoneröffnung beim FC Bayern.