Basketball Auftrag erfüllt

Die zweite Mannschaft des FC Bayern steht erstmals im Playoff-Viertelfinale der ProB. Das Ziel bleibt aber die Entwicklung von Spielern für den Profikader.

Von Ralf Tögel

"Belohnung" ist das erste Wort, das Demond Greene einfällt. Vor allem für die Spieler, so erklärt der Chefcoach der zweiten Basketballmannschaft des FC Bayern München, sei das Erreichen des Playoff-Viertelfinales eine Belohnung für die harte Arbeit. Ganz nebenbei hat das Vorzeigeteam der Nachwuchsabteilung im Schatten der Profis, die kürzlich eine neue deutsche Bestmarke an Euroleague-Siegen im neuen Format aufgestellt haben, ebenfalls Historisches erreicht: In der dritten Saison in der zweiten Liga ProB ist das junge Team erstmals in die Runde der letzten Acht vorgerückt. Nach einem engen, nervenaufreibenden und sehenswerten 88:83-Heimsieg gegen die Iserlohn Kangaroos. Kein Gegner mit klingendem Namen, sicher, aber einer, der richtig guten Basketball zu spielen versteht.

Diese fordernden Vergleiche auf hohem Pro-B-Niveau sind elementar für die Entwicklung der Mannschaft, erklärt der Trainer, allein deshalb hofft er auf eine möglichst lange Fortführung der Saison: "Wir trainieren täglich auf hohem Niveau, manchmal sogar zweimal, und es hat sich gezeigt, dass sich der ganze Einsatz für die Jungs gelohnt hat. Wobei man "Jungs" wörtlich nehmen darf.

Der Altersschnitt der Bayern liegt bei 19,2 Jahren, so Greene, gegen Iserlohn wirkte in Matej Rudan ein 17-Jähriger mit, der 15 Punkte sammelte. Bester Münchner war Bruno Vrcic, 18 Jahre alt und 18 Punkte gut. Die Gegner bezeichnet Greene als "Veteranen, die teilweise fast doppelt so alt sind und viel Erfahrung haben". Spieler wie Nikita Kartchenkov, 32, früher bei Hagen in der ersten Liga, oder Malte Schwarz, 29, auch mit üppiger Bundesliga-Vergangenheit ausgestattet. Im Vorjahr spielte der 29-Jährige noch beim Mitteldeutschen BC. "Gegen Schwarz habe ich selbst noch mit den Bayern gespielt", erinnert sich der Coach. Gegner im Viertelfinale sind die Baskets Münster, ein Kontrahent von ähnlichem Zuschnitt, wie Greene weiß.

So weit sind wir schon? Matej Rudan (links) hatte großen Anteil am historischen Einzug ins Playoff-Viertelfinale.

(Foto: Claus Schunk)

Das Saisonziel ist längst erreicht, alles weitere Zugabe. Denn Greene hat zuvorderst einen Ausbildungsauftrag zu erfüllen. Er soll Spieler entwickeln. Akteure wie Nelson Weidemann, 19. Der Jugend-Nationalspieler sammelte am Sonntag im Spiel gegen den Mitteldeutschen BC erste Erfahrung und Punkte bei den Profis. "Wir schauen in erster Linie auf deutsche Spieler aus unserer eigenen Jugend", erklärt Greene, "erst für die Jugend-Bundesligateams und später für die zweite Mannschaft." Ziel sind die Profis, dafür geben die Talente täglich alles, dafür blickt der Klub auch gelegentlich über den eigenen Tellerrand. Um Talente wie den italienischen Jugendnationalspieler Sasha Grant oder den kroatischen Kollegen Matej Rudan an die Säbener Straße zu locken. Die beiden 17-Jährigen kamen mit der Familie nach München, die vom Klub etwa bei Wohnungs- oder Jobsuche unterstützt wird.

Mit der Fußballsparte darf man das natürlich nicht vergleichen, im Basketball beschränkt sich das auf eine intensive Betreuung. Zwar haben die Spieler Ausbildungsverträge und trainieren unter Profibedingungen, es sind aber in der Hauptsache Schüler und Studenten, erklärt Greene, Rudan etwa war kürzlich "für ein paar Monate zu Hause in Zagreb, um Prüfungen zu schreiben". Natürlich sind auch ein paar Profis im Team, sagt Greene, Weidemann etwa, Spieler, die das Zeug dazu haben, Basketball zum Beruf zu machen. Die Erfolgsquote ist ebenfalls nicht vergleichbar mit den Fußballern, aktuell aber hat Marvin Ogunsipe den Sprung ins Meisterteam geschafft. Greene erinnert sich auch gerne an die Regionalligazeiten eines gewissen Paul Zipser, den sein Weg bekanntlich bis in die NBA führte. Karim Jallow ist ein weiteres hoffnungsvolles Eigengewächs, derzeit an Ludwigsburg ausgeliehen, um Spielpraxis zu sammeln. Danach könnte der 21-jährige A2-Nationalspieler wieder zurückkehren. Sein Vertrag läuft ein weiteres Jahr. Auch Frankfurts Richard Freudenberg und Sebastian Schmidt, derzeit beim Pro-A-Ligisten Heidelberg, entstammen dem Münchner Nachwuchsprogramm; Amar Gegic wechselte vor einem Jahr zu Partisan Belgrad.

Trainer Demond Greene, einst mit den Bayern selbst deutscher Meister, hofft auf weitere Spiele.

(Foto: Claus Schunk)

Ein wichtiger Baustein für die Profiabteilung, sagt Greene, der sein Team angesichts der Altersstruktur in der ProB gut aufgehoben sieht. Was im Übrigen für das Gros der deutschen Topklubs zutrifft. Berlin spielt dabei ein Vorreiterrolle, doch die Münchner haben sich angesichts ihrer jungen Basketballhistorie rasant entwickelt, was auch für den internationalen Wettbewerb gilt. Im Januar waren die Bayern zum zweiten Mal Gastgeber eines Qualifikationsturniers des "Adidas Next Generation Tournament", dem U-18-Wettbewerb der besten kontinentalen Klubs. Der Nachwuchs von Spitzenvereinen wie Maccabi Tel Aviv, Panathinaikos Athen oder Real Madrid waren zu Gast. Die Vereinsführung um Geschäftsführer Marko Pesic und Sportdirektor Daniele Baiesi haben die Bedeutung des Nachwuchsprogramms längst erkannt und fördern die Abteilung entsprechend.

Beide waren im Übrigen trotz aller Profiverpflichtungen zum zweiten Spiel nach Iserlohn gereist. Pesic verpasse kaum ein Heimspiel der Reserve, sagt Greene. Am Sonntag geht es nun also zu den Baskets Münster (16 Uhr). Der Sieger der Nord-Division ist klarer Favorit und erwartet eine mit 3000 Zuschauern ausverkaufte Halle. Spiel zwei findet eine Woche später (Samstag, 30. März, 18 Uhr) im Audi Dome statt. Coach Demond Greene hofft auf "ein drittes Spiel", allein wegen des Lerneffekts für seine Spieler. Die Saison dürfte auch gerne eine weitere Fortsetzung finden: "Die Mannschaft hätte es sich verdient."